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Wall Street legt zu – Dow gleicht Vortagsverluste aus

Die Anleger reagieren positiv auf das überraschende chinesische Exportplus. Alle US-Indizes schließen im Plus. Besonders die Lyft-Papiere legen zu.


Ein überraschender Anstieg der chinesischen Exporte ermuntert Anleger zum Einstieg in den US-Aktienmarkt. Die anhaltende Entlassungswelle in den USA nahmen sie dagegen gelassen hin. Der US-Leitindex Dow Jones schloss 0,89 Prozent höher bei 23.875,89 Punkten. Der breiter gefasste S & P 500 legte um 1,15 Prozent auf 2881,19 Punkte zu. Der Nasdaq stieg um 1,3 Prozent auf 9101,88 Zähler.

Am Mittwoch hatten enttäuschende Konjunkturdaten und Kursverluste bei Finanzwerten für schlechte Stimmung an der Wall Street gesorgt. Der Standardwerteindex Dow Jones schloss 0,9 Prozent tiefer auf 23.664 Punkten. Der breit gefasste S & P 500 sank um 0,7 Prozent auf 2848 Zähler. Der Nasdaq steigerte sich allerdings um 0,5 Prozent auf 8854 Stellen.

„Da die Erwartungen so niedrig sind, wird jede positive Nachricht willkommen geheißen“, sagte Finanzmarkt-Experte Rick Meckler vom Vermögensverwalter Cherry Lane. „Negative Nachrichten werden dagegen bis zu einem gewissen Grad beiseitegeschoben.“

Die chinesischen Exporte stiegen im April unerwartet um 3,5 Prozent. Analysten hatten mit einem Einbruch um fast 16 Prozent gerechnet.

33 Millionen Jobs weniger seit März

Die ersten Zahlen im Mai zu den Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sind dagegen ähnlich bedrückend, wie bereits in den Wochen zuvor: 3,2 Millionen US-Bürger meldeten erstmalig ihren Jobverlust an. Insgesamt summierten sich die Anträge auf staatliche Unterstützung der vergangenen sechs Wochen damit auf mehr als 30 Millionen US-Amerikaner. Seit Mitte März haben somit mehr als 33 Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten ihren Job verloren.

Selbst im Jahr 2009, das stark durch die Finanzkrise gebeutelt war, brachen „nur“ 835.000 Jobs weg – bis zu Corona absoluter Rekordwert in einem so kurzen Zeitraum. „Wir wussten, dass es schlimm werden würde“, sagte Scott Brown, Chef-Volkswirt des Vermögensberaters Raymond James.

Schon am Mittwoch ließen Zahlen der Arbeitsagentur ADP darauf schließen, wie kritisch die Situation am US-Arbeitsmarkt durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie ist. 20 Millionen Stellen sind laut dem privaten Institut im April gestrichen worden.

Zu den Favoriten am US-Aktienmarkt zählte zum Auftakt am Donnerstag PayPal. Zwar brockte die Coronavirus-Pandemie dem Zahlungsdienstleister zum Jahresauftakt einen Gewinneinbruch ein. Die Entwicklung im April und Anfang Mai deute allerdings darauf hin, dass sich das Geschäft schneller erhole als gedacht, konstatierte Analyst George Mihalos vom Vermögensverwalter Cowen. Dank des verstärkten Trends zum Online-Handel könnte PayPal gestärkt aus der Krise hervorgehen. Die Aktien der Firma stiegen um 14 Prozent auf ein Rekordhoch von 146 Dollar.

Die Papiere von Lyft gewannen 21 Prozent. Das Quartalsergebnis des Fahrdienst-Vermittlers habe ihre Erwartungen übertroffen, lobten die Analysten des Research-Hauses D.A. Davidson. Dem Uber-Rivalen zufolge zieht die Nachfrage wieder an. Das Unternehmen sieht sich zudem weiter auf dem Weg zum Sprung über die Gewinnschwelle. Uber-Titel legte elf Prozent zu.

Blick auf die Einzelwerte

Das für Biermarken wie Budweiser, Corona oder Stella Artois bekannte Unternehmen Anheuser-Busch Ibev hat Einblick in seine Bücher gegeben. Der Umsatzrückgang aus den ersten drei Monaten des laufenden Jahres machen die Ausmaße der Coronakrise deutlich. Das Ergebnis brach um 13,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) blieben 3,95 Milliarden Dollar (3,67 Milliarden Euro) übrig. Auch der Absatz gab um 9,3 Prozent, verglichen mit dem erste Quartal 2019, nach. Die Aktie verlor leicht.

Nach der Kritik des Verhaltens im Umgang mit problematischen Inhalten gibt Facebook die Mitglieder seines neuen unabhängigen Kontrollgremiums bekannt. Dem Gremium sollen unter anderem der ehemalige US-Bundesrichter und Religionsfreiheitsexperte Michael McConnell, der Verfassungsrechtler Jamal Greene, die kolumbianische Anwältin Catalina Botero-Marino und die ehemalige dänische Premierministerin Helle Thorning-Schmidt angehören.

Das Gremium, was schon als „Supreme Court“ des Social-Media-Netzwerks betitelt wurde, wird zukünftig in der Lage sein, Entscheidungen des Unternehmens sowie des Facebook-Chefs Mark Zuckerberg zu kippen.

Das Hauptaugenmerk soll auf der Beurteilung von politischen Äußerungen der Nutzer liegen. So gab es beispielsweise Beschwerden von der vorübergehenden Entfernung eines berühmten Kriegsfotos eines nackten Mädchens, das vor einem Napalm-Angriff in Vietnam flieht oder zur Nichtbekämpfung von Hassreden in Myanmar gegen die Rohingya und andere Muslime. Die Aktien des Netzwerks stiegen zuletzt leicht um etwas mehr als ein Prozent.

Im Dow setzten die Aktien von Boeing als Spitzenreiter zu einer Erholung an, nachdem sie am Vortag den tiefsten Stand seit Anfang April erreicht hatten. Indem sie um 5,6 Prozent anzogen, folgten sie auch der zuvor schon guten Kurstendenz beim europäischen Konkurrenten Airbus.

Aus dem Branchenkreis von Boeing legte das neue Dow-Mitglied Raytheon Technologies Zahlen vor, die aber bei Anlegern durchwachsen ankamen. Am Ende fielen die Papiere des Unternehmens, das aus Raytheon und Teilen des Industriekonzerns United Technologies geformt wurde, um 1,6 Prozent.

Noch größere Verluste gab es im Dow vor allem bei den Pfizer-Aktien, die um vier Prozent fielen. Hier wurde am Markt auf Gewinnmitnahmen nach gutem Lauf seit dem Coronavirus-Tief im März verwiesen. Bei 39 Dollar war der Kurs zuletzt auf dem höchsten Niveau seit Ende Januar angekommen.

Unter den Nebenwerten im Mediensektor sorgte Viacom CBS für prächtige Stimmung. Die Aktien des Fernseh- und Kabelnetzkonzerns setzten dank einer anziehender Abonnentenzahl für Streaming-Angebote zu einer zehnprozentigen Rally an.

Quartalsmeldungen gab es auch aus dem Pharmasektor, wo die Resultate von Teva unter anderem deutlich besser als prognostiziert ausgefallen waren. Entsprechend schnellten die Aktien des Generikakonzerns um zehn Prozent nach oben.

Eine Entscheidung über den Chefsessel bescherte ansonsten den Harley-Davidson-Aktien einen Kurssprung um 4,5 Prozent. Der frühere Puma-Chef Jochen Zeitz soll seine bisher nur übergangsweise vorgesehene Rolle an der Führungsspitze nun dauerhaft übernehmen.