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Chemieindustrie bleibt trotz Lockdown optimistisch für 2021

Fröndhoff, Bert
·Lesedauer: 4 Min.

Die neue Infektionswelle beeinträchtigt die Stimmung in der Branche noch nicht. 2021 erwartet die Chemie Wachstum – wenn auch nur ein bescheidenes.

Die deutsche Chemieindustrie zeigt sich trotz des neuerlichen Lockdowns in Deutschland und anderen europäischen Ländern zuversichtlich. „Die Stimmung in den Unternehmen hat sich trotz der zweiten Infektionswelle noch nicht eingetrübt“, sagte der Präsident des Verbands der Chemischen Industrie (VCI), Christian Kullmann, bei der Vorstellung der Jahresbilanz am Mittwoch.

Die aktuellen Maßnahmen in Europa verschlechterten die Geschäftsaussichten bisher kaum, weil die Nachfrage stabil sei, unterstrich Kullmann, der auch den Spezialchemiekonzern Evonik führt. Die Chemieindustrie profitiert aktuell besonders von der neuerlichen Stärke Asiens und vor allem Chinas, wo das Geschäft zum Teil sogar schon über dem Vorjahresniveau liegt.

Zugleich zeigt sich die US-Wirtschaft in der Krise stabil, und auch in Europa hat sich die Nachfrage zuletzt verbessert. Kullmann unterstrich jedoch, dass all dies auf wackeligen Füßen steht. „Die Firmen können im Nebel einer unsicheren Zeit nur auf Sicht fahren“, sagt er. Gerade das Europageschäft hänge davon ab, wie lange ein Lockdown aufrechterhalten wird.

Kullmann stellte sich hinter die Entscheidungen der Politik. „Der Lockdown ist sehr schmerzhaft, aber richtig. Wir tragen das voll und ganz mit, weil es oberstes Gebot der Staatsführung ist, die Infektionswelle zu brechen.“ Direkte Auswirkungen auf die Chemieindustrie sieht er vorerst nicht.

Schon während des ersten Lockdowns im Frühjahr hat die Branche ihre Produktion weitegehend aufrechterhalten. Die Hygienekonzepte in den Anlagen und die Umstellung auf mobiles Arbeiten der Verwaltung haben in den Unternehmen gut funktioniert.

Darauf setzt die Branche auch jetzt. Dazu kommt, dass Ende Dezember und Anfang Januar viele Firmen ohnehin Betriebsferien machen. Beeinträchtigungen in den Lieferketten und in der Logistik seien noch nicht erkennbar, erläuterte der VCI-Präsident. Dies sei bei einem länger andauernden Lockdown aber auch nicht auszuschließen.

Für das kommende Jahr erwartet der VCI eine Rückkehr des Wachstums. Der Verband rechnet mit einem Umsatzplus von 2,5 Prozent auf dann 191 Milliarden Euro. Die Chemie ist Deutschlands drittgrößter Industriezweig und beliefert nahezu alle Branchen. Sie gilt deswegen auch als guter Indikator für die allgemeine Konjunkturlage.

Die Chemiefirmen erwarten allerdings, dass eine Rückkehr auf das Niveau von 2019 frühestens 2022 erreicht werden kann. Für Kullmann ist schon jetzt klar: „Wir werden Ende nächsten Jahres nicht hier sitzen und die Champagnerkorken knallen lassen.“

Dafür gibt schon der Rückblick auf 2020 keinen Anlass. Nach dem guten Jahresstart ist auch das Geschäft der Chemiefirmen im Zuge des Konjunktureinbruchs kräftig zurückgegangen. Die Produktionsmenge sank in diesem Jahr um drei Prozent, der Umsatz ging um sechs Prozent auf 186 Milliarden Euro zurück.

Dabei zeigt sich in den Segmenten ein unterschiedliches Bild. Das Pharmageschäft war nur wenig beeinträchtigt, während bei speziellen Chemikalien und Kunststoffen um bis zu sechs Prozent weniger produziert wurde. Hier zeigte sich deutlich der Nachfrageausfall der Automobilindustrie, die eine der wichtigsten Kundengruppen der Chemiekonzerne ist.

Seit Sommer aber hat sich die Nachfrage stetig erholt. Das wird nach Einschätzung vieler Firmen nicht allein vom Wiederauffüllen der Lager bei den Kunden getragen, sondern von nachhaltiger Besserung am Markt – erst in Asien und zuletzt in Europa.

Beim Leverkusener Kunststoffhersteller Covestro mündete dies vergangene Woche in einer deutlichen Erhöhung der Gewinnprognose für 2020. Der Dax-Konzern rechnet nun mit einem bereinigten Gewinn von bis zu 1,5 Milliarden Euro, statt den bisher prognostiziertem 1,2 Milliarden Euro. Die verkauften Mengen seien im vierten Quartal deutlich gestiegen.

Investitionen in der Branche stagnieren

Auch bei der Münchener Wacker Chemie zeigt man sich zufrieden mit der aktuellen Entwicklung. „Es läuft sehr passabel. Die gute Entwicklung aus dem dritten Quartal setzt sich fort, und ich bin auch fürs nächste Jahr zuversichtlich“, sagte Vorstandschef Rudolf Staudigl dem Handelsblatt.

Laut einer aktuellen Studie der Baader Bank hat es im November in der automobilnahen Chemie einen Rekord an neuen Aufträgen aus der Autoindustrie gegeben. Diese dürfte auch im ersten Quartal 2021 anhalten. Die Ratingagentur Moody’s erwartet für die Branche einen leichten Dämpfer zu Jahresbeginn wegen des Lockdowns, aber eine deutliche Erholung ab dem zweiten Quartal.

Nach Einschätzung des VCI werden Chemieunternehmen mit Investitionen im kommenden Jahr zurückhaltend bleiben. 2020 sind die Ausgaben dafür um fünf Prozent gesunken. Im kommenden Jahr würden zwar einige Projekte nachgeholt, insgesamt wollen die Firmen aber ihr Investitionsbudget nur auf dem aktuellen Niveau halten.

Auch die Beschäftigtenzahl wird 2021 erstmals seit vielen Jahren sinken, wenn die Effekte der Sparprogramme bei vielen Firmen sichtbar werden. Ihre Budgets für Forschung und Entwicklung hingegen haben die Chemiefirmen im Krisenjahr stabil gehalten, viele wollen sie nun erhöhen, wie die Befragung des VCI ergab.