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Chefwechsel bei Boeing: Dennis Muilenburg tritt ab, David Calhoun übernimmt

Die 737-Max-Krise führt zu einem Vorstandswechsel beim Airbus-Rivalen. Boeing-Chef Muilenburg galt bereits seit längerem als angezählt.

Der Chef des Flugzeugbauers Boeing Dennis Muilenburg verlässt seinen Posten mit sofortiger Wirkung. Das teilte der Airbus-Konkurrent am Montag mit. Sein Nachfolger soll David Calhoun werden, der derzeit Chef des Verwaltungsrats ist. Bis zu seinem Amtsantritt am 13. Januar soll Finanzchef Greg Smith die Geschäfte führen.

Boeing steckt nach zwei Flugzeugabstürzen der 737 Max in der Krise. Das Modell ist seit März weltweit aus dem Verkehr gezogen. Die 737 Max war bis dahin ein wichtiger Bestseller aus dem Hause Boeing, und so hat der US-Konzern die Maschinen auch weiter produziert. In der vergangenen Woche verkündete Boeing schließlich einen vorübergehenden Produktionsstopp.

Dennis Muilenburg stand wegen seines Krisenmanagements schon länger in der Kritik und sah sich mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Schon seit Monaten hatten sich Beobachter gefragt, wie lange er sich noch halten kann. Dennoch kam die Ernennung von Calhoun einen Tag vor Weihnachten überraschend. Im Oktober hatte Muilenburg bereits den Verwaltungsratsvorsitz abgeben müssen.

Muilenburg hat im Verlauf der 737-Krise durchweg eine schlechte Figur abgegeben. Der Boeing-Chef ging zunächst auf Tauchstation und versteckte sich hinter vorgefertigten Pressemitteilungen und Video-Botschaften. Eine Entschuldigung bei den Opfern kam erst mit mehreren Monaten Verspätung.

Bei Anhörungen im Kongress konnte er ebenso wenig überzeugen wie bei dem Treffen mit Aktionären. Immer mehr Zeugenaussagen weisen darauf hin, dass Boeing bei der Zulassung des Unglücksmodells Warnungen seiner eigenen Ingenieure ignoriert hat.

Der Konzern steht im Verdacht, die Unglücksflieger überstürzt auf dem Markt gebracht und dabei die Sicherheit vernachlässigt zu haben. Boeing weist dies zwar zurück, hat aber verschiedene Fehler und Pannen eingeräumt. Das 737-Max-Debakel ist für den Hersteller eine große Belastung, die bereits immense Kosten, große Imageschäden, mehrere Ermittlungen und hohe Klagerisiken verursacht hat.

Am Dienstag wurde nun bekannt, dass das Unternehmen erneut verspätet eine Sammlung interner Dokumente über die Boeing 737 Max an die US-Luftfahrtbehörde FAA übermittelt hat. Laut einem Insider, der vom Nachrichtenunternehmen Bloomberg zitiert wird, habe die FAA bereits vor einigen Tagen von der Existenz weiterer interner Dokumente erfahren, hätte aber keine Details über deren Inhalt gehabt. Die FAA wollte das nicht kommentieren, sagte aber, dass die Dokumente nun untersucht würden.

Im Zentrum der Krise steht das für die 737 Max entwickelte Steuerungsprogramm MCAS, das laut Untersuchungsberichten eine entscheidende Rolle bei den Abstürzen gespielt hat. Boeing hatte bereits nach dem Unglück in Indonesien versprochen, die MCAS-Probleme per Software-Update zu beheben. Wenig später kam es zum Absturz in Äthiopien. Das Update hat noch immer keine Zulassung der US-Luftfahrtbehörde.

Zuletzt hatte Boeing bekanntgegeben, die Produktion des Krisenjets 737 Max angesichts der hohen Ungewissheit um eine Wiederzulassung ab Januar vorübergehend auszusetzen. Damit dürften sich die Probleme noch einmal deutlich verschärfen. Zuvor hatte die US-Luftfahrtaufsicht FAA Boeing deutlich zu verstehen gegeben, nicht auf eine rasche Wiederinbetriebnahme der 737 Max zu setzen.

FAA-Chef Steve Dickson habe Bedenken, dass der Flugzeugbauer einen „unrealistischen“ Zeitplan verfolge, hatte die Behörde Boeing gewarnt. Muilenburg hatte im November noch Zuversicht verbreitet, noch vor dem Jahreswechsel eine Genehmigung der FAA für die 737 Max zu erhalten. Der ungewöhnliche öffentliche Rüffel von Behördenleiter Dickson hatte den ohnehin schon angezählten Muilenburg zuletzt noch schlechter aussehen lassen.