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Chef der tibetischen Exilregierung alarmiert über Chinas Umgang mit Hongkong

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Der tibetische Exil-Regierungschef Lobsang Sangay
Der tibetische Exil-Regierungschef Lobsang Sangay

Der Ministerpräsident der tibetischen Exilregierung, Lobsang Sangay, sieht eindeutige Parallelen zwischen den aktuellen Geschehnissen in Hongkong und dem tibetisch-chinesischen Konflikt. "Beim Blick auf die chinesische Besetzung Tibets und deren Folgen sieht man, dass sich das in Hongkong wiederholt", sagte der 51-Jährige am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. China betrüge die Hongkonger genauso wie es 1951 das tibetische Volk betrogen habe.

Damals habe China den Tibetern weitgehende Autonomie zugesichert. "Ein Land, zwei Systeme, das wurde Tibet versprochen", sagte Sangay. Doch stattdessen habe Peking die Freiheiten des ehemaligen Himalaja-Königreichs gewaltsam untergraben. "Das sehen Sie jetzt in Hongkong: Den Menschen dort wurden Grundrechte versprochen, aber was passiert ist eine Verletzung aller dieser Bestimmungen."

China hatte Hongkong 1997 bei der Wiedereingliederung der damaligen britischen Kronkolonie in die Volksrepublik für 50 Jahre einen Autonomiestatus unter der Prämisse "Ein Land, zwei Systeme" vertraglich eingeräumt. Kritiker werfen der Regierung in Peking bereits seit Jahren vor, diesen Status nach und nach zu untergraben. Das kürzlich erlassene und international heftig kritisierte Sicherheitsgesetz, das den Zugriff chinesischer Behörden auf die Finanzmetropole enorm erhöht, belege dies, sagte Sangay.

In Tibet sei China ähnlich vorgegangen, sagte der an der US-Elite-Universität Harvard ausgebildete Völkerrechtler. "Wir waren Opfer eines nationalen Sicherheitsgesetzes." 1959 kam es in Tibet zum Aufstand, den China gewaltsam niederschlug. Der Dalai Lama, das spirituelle Oberhaupt der Tibeter, floh daraufhin nach Indien und und gründete in Dharamsala die tibetische Exilregierung.