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Der Chef der Messe Düsseldorf verabschiedet sich mit guten Zahlen

Die Messe Düsseldorf um den scheidenden Chef Dornscheidt hat ihren Umsatz 2019 um um fast 30 Prozent gesteigert. 2020 soll sich der Jahresüberschuss noch einmal nahezu verdoppeln.

Gut gelaunt betritt Werner Dornscheidt das Besprechungszimmer im Hotel Hessischer Hof. Zum letzten Mal präsentiert der 65-jährige die Zahlen der Messe Düsseldorf. Ende Juni geht Dornscheidt in den Ruhestand und übergibt sein Amt als Messe-Chef an Wolfram Diener. Da passt es gut, dass Dornscheidt hier – in unmittelbarer Nachbarschaft zum ewigen „Rivalen“, der Messe Frankfurt – noch einmal mit guten Zahlen aufwarten kann.

Die Messe-Gruppe erreichte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 369 Millionen Euro, deutlich mehr als die 294 Millionen Euro des Vorjahres. Die GmbH, die im Wesentlichen die deutschen Geschäfte umfasst, steigerte den Umsatz um 29,8 Prozent auf 338 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss der GmbH verdreifachte sich auf 49 Millionen Euro. „Wir hatten ein sehr gutes Jahr“, sagt Dornscheidt sichtlich zufrieden.

Auch für das neue Jahr ist die Geschäftsführung zuversichtlich. „Wir sehen sehr, sehr zuversichtlich in die Zukunft“, sagte Dornscheidt. So soll sich der Jahresüberschuss noch einmal nahezu verdoppeln, auf prognostizierte 82 Millionen Euro. Der Umsatz soll in der GmbH den Rekordwert von 474 Millionen Euro erreichen.

Das ist zum einen die Folge des typischen Messezyklus. Die Messe Düsseldorf ist spezialisiert auf sogenannte Investitionsgütermessen, die sich mit ihren Produkten wie Druck- oder Verpackungsmaschinen vorwiegend an Geschäftskunden richten. Diese Messen finden nicht jedes Jahr statt, sondern zum Teil nur alle drei oder gar vier Jahre.

Aktuell profitiert die Messegesellschaft davon, dass im Zeitraum August 2019 bis Ende 2020 wichtige Leitmessen stattfinden. So werden in den kommenden Monaten zum Beispiel noch die Druckfachmesse Drupa, die Medizintechnikmesse Medica und die Verpackungsmesse Interpack zahlreiche Aussteller und Besucher nach Düsseldorf locken.

„Es gibt alle paar Jahre die Kombination, dass alle großen Messen innerhalb von zwölf Monaten stattfinden“, erklärte Dornscheidt den starken Zuwachs. Erst 2021 werde es dann wieder etwas ruhiger werden. Noch sei zudem die wirtschaftliche Schwäche nicht zu spüren.

Wachstumschancen im Ausland

„Aber die Messen, die jetzt stattfinden, sind vor zwei Jahren gebucht worden. Wenn, dann werden wir die Delle erst in zwei Jahren sehen“, sagte der scheidende Messechef. Zum anderen profitiert die Messe-Gesellschaft im Konzern vom wachsenden Auslandsgeschäft.

Man habe damit vor über zehn Jahren begonnen und es zeige sich, dass die Strategie der Expansion im Ausland zur Abfederung der Schwankungen im Inland aufgehe, so Dornscheidt: „Da können wir natürlich noch mehr machen. Aber wir achten darauf, dass sich das Ganze auch rechnet.“

Der „Neue“ will deshalb an dem Ziel, den Auslandsanteil am Umsatz in der Gruppe von aktuell rund 19 Prozent bis 2030 auf 25 Prozent zu steigern, festhalten. „Ich sehe vor allem im Ausland große Wachstumschancen“, beschreibt Diener seine Stoßrichtung. „Südamerika ist ein attraktiver Subkontinent, auch wenn es dort nicht einfach ist“, nannte Diener ein Beispiel.

Auch hat er China, Lateinamerika, den Mittleren Osten und Nordafrika auf seiner Agenda. Damit will Diener die Strategie seines Vorgängers im Wesentlichen fortsetzen. Unter Dornscheidt hatte die Messe-Gesellschaft damit begonnen, ihre Messe-Erfahrung in den vier Bereichen Kunststoffverarbeitung, Verpackung, Medizintechnik und Metallbearbeitung durch „Ableger“ ins Ausland zu exportieren.

„Die Messe Düsseldorf hat sehr starke Brands“, so Diener. Die zentralen Leitmessen in den jeweiligen Bereichen sollen aber weiterhin in Deutschland und damit am Heimatstandort Düsseldorf bleiben. Den will das Unternehmen deshalb weiter ausbauen. Über 700 Millionen Euro will man in den kommenden zwölf bis 15 Jahren in die Modernisierung des Messegeländes stecken, sofern der Aufsichtsrat den Vorhaben zustimmt.

Bezahlt werden soll das alles aus eigenen Mitteln. „Wir haben unsere Profitabilität bei dem Wachstum in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert. Das ist wichtig für die geplanten Investitionen“, sagte Finanzchef Bernhard Stempfle. Zudem will Diener den Vertrieb weiter optimieren. „Wir werden auch noch mal unser Marketing intensivieren, etwa beim Thema Besucherwerbung.“