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Chef der Bundesnetzagentur warnt vor Gasmangel: Staat könnte vorschreiben, wo Bürger im Winter heizen dürfen

Eine junge Frau hat sich einen strombetriebenen Heizlüfter gekauft, weil heizen mit Gas so teuer geworden ist in Deutschland. - Copyright: Khvost/Shutterstock
Eine junge Frau hat sich einen strombetriebenen Heizlüfter gekauft, weil heizen mit Gas so teuer geworden ist in Deutschland. - Copyright: Khvost/Shutterstock

Das sind keine guten Vorzeichen für den kommenden Winter: Die Verbraucher in Deutschland müssen aus Sicht der Bundesnetzagentur deutlich mehr Energie sparen, um eine Gasmangellage im Winter abzuwenden. Behördenchef Klaus Müller sagte der Zeitung „Welt am Sonntag“, weil Russland die Gaslieferungen auf nur noch 20 Prozent der vereinbarten Menge zurückgefahren hat, ließe sich ein Mangel kaum noch verhindern.

Nur in zwei nicht besonders wahrscheinlichen Szenarien könnte es noch anders kommen. „Für diese Szenarien müssen die Verbraucher aber mindestens 20 Prozent einsparen – also viel mehr als bislang“, sagte Müller. „In allen anderen Szenarien droht schon im Dezember eine Gasmangellage oder wir weisen am Ende der kommenden Heizperiode niedrige Speicherfüllstände auf.“ Die Heizperiode geht meist von Oktober bis April.

Zusätzlich zu den Einsparungen im eigenen Land müssten auch die Durchleitungen von Gas an Nachbarländer um 20 Prozent reduziert werden, außerdem benötige man zehn bis 15 Gigawattstunden Gas aus anderen Ländern. „Wenn wir nicht kräftig sparen und kein zusätzliches Gas bekommen, haben wir ein Problem“, warnt der Netzagenturchef Müller.

Das droht den privaten Haushalten im Winter

Private Haushalte seien im Fall einer Gasmangellage nicht vor Einschränkungen geschützt. Grundsätzlich seien auch Verordnungen des Bundes denkbar, die nur noch das Beheizen einzelner Räume erlaubten. „Ich will über nichts spekulieren, weil wir diese Diskussionen noch führen“, sagte Müller. „Ich will aber deutlich sagen: Um Arbeitsplätze zu sichern, halte ich Sparmaßnahmen für private Haushalte, solange sie nicht den geschützten, lebensnotwendigen Bereich berühren, für legitim.“ Das heißt also: Der Staat könnte dem einzelnen Bürger vorschreiben, welche Zimmern der Wohnung noch geheizt werden dürfen.

Nach Müllers Aussagen würde die von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) geforderte Gasförderung in Deutschland per Fracking nicht helfen, eine Gasnotlage zu verhindern. „Wir müssen zwei Winter in den Blick nehmen, in denen wir noch auf russisches Gas angewiesen sind. Mir würden deshalb nur Maßnahmen helfen, die in den nächsten 24 Monaten Gas in die Speicher, in die Industrieanlagen oder in die privaten Heizungen füllen“, sagte Müller. „Das wird Fracking in Deutschland nicht schaffen.“

Müller rät vom Heizen mit Strom ab

Längere Laufzeiten für Atomkraftwerke schloss Müller nicht aus. Es gebe Herausforderungen, die Kohlekraftwerke mit Kohle zu versorgen, und eine besondere Situation in Frankreich, wo man auf deutschen Strom angewiesen ist. „Außerdem sehen wir mit Sorge, dass viele Menschen sich strombetriebene Heizlüfter kaufen“, sagte Müller. „Das ist eine wahnsinnig teure Idee, weil es selbst bei den aktuell astronomisch hohen Gaspreisen noch 50 Prozent teurer ist, mit Strom zu heizen als mit Gas. Aber es ist ein Fakt, dass die Geräte gekauft werden.“

cri mit dpa