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Charles Ponzi: Der Mann, der das Schneeballsystem erfand

Durch sogenannte Schneeballsysteme werden Anleger immer wieder um ihr Geld gebracht, das wohl bekannteste Beispiel dafür ist das Treiben des US-Börsenmaklers Bernie Madoff. Das Prinzip dahinter ist aber schon ein gutes Jahrhundert alt und wurde von einem gebürtigen Italiener erdacht.

Lange konnte Charles Ponzi seinen Betrug nicht geheim halten. (Bild: Getty Images)
Lange konnte Charles Ponzi seinen Betrug nicht geheim halten. (Bild: Getty Images)

Die Masche ist immer dieselbe: Anlegern werden derart große Gewinne versprochen, dass sie alle Regeln der Wahrscheinlichkeit außer Acht lassen und mit dem ganz großen Profit vor Augen alles glauben, was es in der realen und legalen Welt so einfach nicht geben kann. Eine Weile lang können die Erfinder von Schneeball-, Lawinen- oder Pyramidensystemen den Schein wahren und ihr Betrugsmodell aufbauen.

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So lange eben, wie neue Kunden auf den Zug aufspringen und genügend neues Kapital einbringen, das an die Teilnehmer ausbezahlt werden kann. Das Niveau der hohen Gewinnversprechen lässt sich aber nur über einen gewissen Zeitraum aufrechterhalten. Welch kriminelles Geschäftskonzept wirklich hinter solchen Schneeballsystemen steckt, merken die meisten erst, wenn es längst zu spät ist.

Bernie Madoff legte die Latte höher, doch das Prinzip erfand ein anderer

Ende 2008 wurde Madoff wegen Betrugs verhaftet, da er jahrzehntelang einen Investmentfonds nach dem Ponzi-Schema betrieben hatte. (Bild: Getty Images)
Ende 2008 wurde Madoff wegen Betrugs verhaftet, da er jahrzehntelang einen Investmentfonds nach dem Ponzi-Schema betrieben hatte. (Bild: Getty Images)

Das System dahinter ist viel älter, als die letzte Finanzkrise um das Jahr 2008 und Namen wie Bernie Madoff, der oft in einem Atemzug damit genannt wird und einen unglaublichen 65-Milliarden-Dollar-Betrug auf dem Kerbholz hat. Tatsächlich war es ein italienischer Einwanderer namens Charles Ponzi, der 1903 in die USA kam, um sich dort ein Leben in Reichtum aufzubauen. Nach ihm ist das Ponzi-System oder Ponzi-Schema benannt, quasi eine Unterart des Schneeballsystems.

Vom Kellner zum größten Betrüger seiner Zeit

Ganz im Sinne des amerikanischen Traums arbeitete Ponzi zunächst jahrelang als Kellner, merkte aber schon bald, dass es mit dem Reichtum auf diese Art eher schwer werden würde. Bald schon betätigte er sich als Kleinkrimineller und Scheckfälscher, der dabei auf den Geschmack kam. Seine zündende Idee, das ganz große Geld zu machen, verwirklichte er 1919. In Boston gründete er eine Firma namens Securities Exchange Company, deren Geschäft Ersatzbriefmarken, sogenannte International Reply Coupons (IRC), waren. Mit solchen internationalen Antwortscheinen kann man bis heute Briefen ins Ausland gleich das Rückporto beilegen, besonders gebräuchlich waren sie damals nicht.

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Ponzis Überlegung dahinter war durchaus clever: Während die Lira im Währungschaos der Nachkriegszeit verglichen mit dem Dollar deutlich an Wert verloren hatte, entsprachen die Coupon-Preise der lokalen Währung noch jenen vor dem Ersten Weltkrieg. Wer also in den USA 20 IRC für insgesamt einen Dollar kaufte, bekam dafür in Italien schon 66 davon. Tauschte man diese Antwortscheine dann wieder in amerikanische Briefmarken, lag die Rendite bei 230 Prozent.

Theoretisch genial, praktisch nicht durchführbar

Um das Geschäft zum Laufen zu bringen versprach Ponzi Investoren nach nur 45 Tagen ganze 50 Prozent Zinsen. Um die 40.000 Menschen kauften daraufhin IRC im Wert von 15 Millionen US-Dollar von ihm – viel zu viele, als dass der 1,60 m kleine Italiener mit dem großen Charme die Verschiffungs- und Umtauschaktion tatsächlich hätte durchführen können. Als die Sache aufflog und Ponzi zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt wurde, waren von den 15 Millionen gerade noch 1,5 Millionen übrig. Der Schaden war immens und in der Geschichte lange beispiellos. Bis Bernie Madoff kam und mit seinem 65 Milliarden-Dollar-Betrug eine neue Negativmarke setzte.