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Charité-Virologe Drosten: Sollten Kontaktbeschränkungen nicht wirken, muss über "1G"-Regel nachgedacht werden

·Lesedauer: 2 Min.
Virologe Christian Drosten steht bei einem Fototermin vor der Verleihung des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises 2021 auf der Bühne im Funkhaus.
Virologe Christian Drosten steht bei einem Fototermin vor der Verleihung des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises 2021 auf der Bühne im Funkhaus.

Auf die Frage, ob es in Deutschland einen Lockdown brauche, sagt der Charité-Virologe Christian Drosten, es gelte abzuwarten, "ob und wie die jetzt geltenden und noch einmal nachgezogenen Maßnahmen wirken". Greifen die Kontaktbeschränkungen nicht so wie erhofft, könnte man nach Drostens Ansicht Beschränkungen in Betracht ziehen, bei denen nur bereits geboosterte Menschen Zugang haben – was er als "1G" bezeichnete. Zweifach Geimpfte seien zwar auch bei Omikron vor schweren Verläufen geschützt, "aber praktisch nicht gegen eine Infektion", sagte der Virologe.

Auch die Virus-Weitergabe im Fall einer Ansteckung sei kaum reduziert. "Wer aber kürzlich geboostert ist, trägt wahrscheinlich weniger zur Weiterverbreitung bei und ist merklich gegen die Erkrankung geschützt. Bei Delta mögen 2G und 3G reichen, aber jetzt schreibt Omikron die Regeln."

Drosten: Deutschland besser gegen Omikron aufgestellt, als Südafrika und Großbritannien

Nach dem bisher bekannten Stand glaube er, dass die geltenden und nun noch nachgezogenen Kontaktmaßnahmen hierzulande den Zuwachs der Fallzahlen etwas langsamer ausfallen ließen als in anderen Ländern. "In Großbritannien und Südafrika sind die Zahlen auch deswegen so in die Höhe geschossen, weil keine Kontrollmaßnahmen mehr da waren." Etwa das Maskentragen scheine "besonders wirksam" zu sein. "Daher und weil die Leute auch im Privaten vorsichtig sind, sind wir in Deutschland schon besser aufgestellt."

Drosten warnt seit langem vor der großen Impflücke, gerade auch in der älteren Bevölkerung. "Wenn wir das Virus jetzt durchlaufen lassen, werden wir viele Tote haben und volle Intensivstationen. Davor darf man nicht die Augen verschließen, deshalb handelt ja auch die Politik", sagte er in dem Interview. Es sei noch unsicher, ob Omikron per se weniger schwer krank macht. "Neueste Studien aus Südafrika, England und Schottland stimmen darin überein, dass die Abschwächung des krank machenden Effekts zwar zu großen Teilen, aber eben nicht ausschließlich durch die zunehmende Immunität der Bevölkerung bedingt ist", sagte Drosten der Zeitung.

jg/dpa

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