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Ich bin mit einer Cessna geflogen, in die nur zwölf Passagiere passen und man direkt hinter dem Piloten sitzt – und würde es wieder machen

Die Autorin nach der Landung. - Copyright: Solveig Rathenow
Die Autorin nach der Landung. - Copyright: Solveig Rathenow

Wenn man in anderen Ländern unterwegs ist, trifft man auch auf andere Transportmittel. So ging es mir, als ich in Tansania war und von der Insel Sansibar aufs Festland in die Stadt Tanga wollte. Es gab zwei Wege: die Fähre nehmen, die über den Indischen Ozean knapp zwei Stunden in die Metropole Dar es Salaam brauchte, und von dort einen Tag lang mit dem Bus nach Tanga fahren.

Oder 30 Minuten Flug – mit einer kleinen Propeller-Maschine, einer Cessna Grand Caravan. Da mir auf der Fähre immer schlecht wird und die Überland-Busse in der Regel halsbrecherisch und wenig verkehrssicher fahren, entschied ich mich für den Flug.

Der Check-in auf Sansibar lief reibungslos. Rund zehn Minuten vor dem eigentlichen Abflug wurde unsere kleine Gruppe Passagiere aufs Rollfeld geführt. Dort wartete unsere Maschine der Airline Auric Air – eine kleine Luftfahrtgesellschaft, die in Ostafrika operiert und mit ihrer Flotte auch mal Passagiere von Safaris im Busch abholt. Dabei setzt die Airline, wie viele dieser kleinen ostafrikanischen Gesellschaften, auf ein unterschiedliches Preismodell. Ausländer bezahlen mehr, Passagiere mit einem tansanischen Pass weniger. Mein Ticket kostetet rund 149 Euro für den kurzen Flug. Hätte ich einen "resident permit" vorzeigen können, hätte ich nur knapp 70 Euro bezahlt.

So sah das Flugzeug von innen aus. Hinten die Abtrennung für das Handgepäck. - Copyright: Solveig Rathenow
So sah das Flugzeug von innen aus. Hinten die Abtrennung für das Handgepäck. - Copyright: Solveig Rathenow

Obwohl ich als Letztes einstieg, konnte ich dennoch vorn, schräg hinter dem Piloten sitzen. Die meisten Passagiere hatten im hinteren Bereich Platz genommen – vielleicht empfanden sie das als sicherer. Es gab keine festen Plätze, man konnte sich hinsetzen, wo man wollte. Beim Einsteigen musste ich mich ducken und auch im Inneren des Flugzeuges konnte man nur gebückt stehen. Die zwölf Plätze verteilten sich auf vier Reihen à drei Sitzen, wobei zwei, ähnlich einer breiten Couch, zusammen gehörten. Der Gang zwischen den Sitzen war so schmal, dass man nur seitwärts hindurch kam. Der Anschnallgurt erinnerte mich an den im Auto: Er ging nicht nur über das Becken, sondern auch über die Schulter.

Fächer für das Handgepäck gab es nicht, stattdessen wurde es im hinteren Bereich hinter einer Segeltuch-Plane abgestellt. Dort stand auch eine Tasche mit Wasserflaschen, aus der sich jeder Passagier eine nehmen konnte – der Bord-Service. Flugbegleiter flogen keine mit. Stattdessen steckte, als wir alle saßen, ein Bodenmitarbeiter der Airline seinen Kopf durch die vordere Tür und fragte alle namentlich von seiner Liste ab. Ganz voll waren wir nicht, sondern nur neun Passagiere. Dann schwang sich der Pilot durch die Vordertür ins Cockpit, nickte uns kurz freundlich zu und startete die Maschine.

Ein Mitarbeiter des Bodenpersonals verliest die Namen der Passagiere. - Copyright: Solveig Rathenow
Ein Mitarbeiter des Bodenpersonals verliest die Namen der Passagiere. - Copyright: Solveig Rathenow

Es gab überhaupt keine Abtrennung zwischen dem Piloten und den Passagieren, sodass ich alle Instrumente im Blick hatte und genau wie er direkt nach vorne durch die Frontscheibe gucken konnte. Es fühlte sich ein bisschen an, wie auf der Rückbank im Auto zu sitzen, wenn jemand anderes fährt – allerdings wollten wir gleich abheben. Der Sitz neben dem Piloten war frei. Ich fragte mich, was eigentlich wäre, wenn jemand an Bord seinen Suizid geplant hätte – und uns vielleicht dabei mit in den Abgrund reißen wollen würde. Oder vorhätte, das Flugzeug zu entführen. Zwar war es eine kleine Maschine, mit der man vermutlich nicht viel Schaden anrichten könnte, aber unmöglich war es nicht. Wer würde hier eingreifen?

Anscheinend war ich aber nicht die einzige mit diesen morbiden Gedanken, denn besonders ein Passagier schien sehr viel Wert daraufzulegen, unbeschadet anzukommen. Während wir bereits am Anfang der Abflugbahn standen, rief er aufgeregt aus dem hinteren Teil des Flugzeugs nach dem Piloten. Ob dieser das auch hören würde, dieses komische Geräusch der Maschine? Als würde etwas nicht rundlaufen. Das solle sofort überprüft werden. Der Pilot, der bereits vom Tower per Kopfhörer die Starterlaubnis erhalten hatte, drehte sich nur kurz um, schaute wieder nach vorne – und startete.

Trotz der Sorge des Mannes hoben wir zwar etwas ruckelig, aber dennoch sicher ab. Es wurde ein kurzer Flug, immer wieder unterbrochen von Rucklern und Wacklern. Anders als in einem großen Passagierflugzeug hatte ich das Gefühl, sehr viel mehr den Elementen ausgeliefert zu sein und diese auch deutlicher zu spüren. Dennoch verlief auch die Landung in Tanga einwandfrei. Angekommen, drehte sich der Pilot um und wies den Mann zurecht: Es sei gefährlich, einen Piloten anzusprechen, der sich kurz vor dem Abflug befinde. Der Mann entgegnete, dass es auch gefährlich sei, zu fliegen, wenn es nicht sicher sei, schließlich sei das hier ein Flugzeug und kein Müllauto. Andere Passagiere gaben ihm recht. Irgendwann stieg der Pilot genervt aus der Maschine.

Der Pilot kurz vorm Abflug. - Copyright: Solveig Rathenow
Der Pilot kurz vorm Abflug. - Copyright: Solveig Rathenow

Mir hat der Flug auf jeden Fall sehr viel Zeit gespart, auch wenn ich zwischendurch kein wirklich sicheres Gefühl hatte. Aber wenn ich mich zwischen dem Flug und der Odysee Fähre – Großtstadt – Tag im Bus entscheiden müsste, würde ich immer wieder das Flugzeug nehmen.

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