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Cavanis Teamkollegen verteidigen ihn gegen Rassismus-Vorwurf

Moritz Piehler
·Freier Autor
·Lesedauer: 3 Min.

Edinson Cavani steht im Zentrum einer aufgehitzten Debatte um einen angeblich rassistischen Kommentar. Jetzt mischen sich seine uruguayischen Teamkollegen ein und verteidigen den Stürmer.

Edison Cavani ist der zweitbeste Torschütze in der Geschichte Uruguays. (Bild: REUTERS/Andres Stapff)
Edison Cavani ist der zweitbeste Torschütze in der Geschichte Uruguays. (Bild: REUTERS/Andres Stapff)

Eigentlich kann man den englischen Fußballverband FA nur beglückwünschen, dass die konsequent gegen Rassismus in den eigenen Reihen vorgehen. Nicht einmal ein Jahr, nachdem die Black-Lives-Matter-Bewegung die Welt erfasst hat und gerade in der Premier League für zahlreiche Gesten der Solidarität sorgte, müssen im täglichen Umgang mit Rassismus klare Konsequenzen folgen. Nur ist die Sachlage im Fall Cavani bei weitem nicht so offensichtlich.

Sprachliche Feinheiten

Der uruguayische Nationalstürmer war erst im Herbst von Paris Saint Germain zu Manchester United gewechselt. Nachdem ihm beim 3:2 Sieg gegen Southampton gleich zwei Tore gelungen waren, gratulierte ihm ein Freund auf Instagram: “Deshalb liebe ich Dich, Matador” stand über einem Foto des jubelnden Torjägers. Cavani wollte sich bedanken und wählte dafür folgenschwere Worte.

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Er postete das Foto mit dem Satz: “Gracias, Negrito” und einem Handshake-Emoji. Seitdem erhob sich ein Sturm der Entrüstung. Die FA sah den Post als rassistisch an und beschloss, den Stürmer nicht nur für drei Spiele zu sperren, sondern brummte ihm auch noch eine Geldstrafe von 100.000 Pfund (umgerechnet etwas 110.000 Euro) auf. Zudem soll er in einer “Eins-zu-Eins-Beratung” über Rassismus aufgeklärt werden.

Dieser Post ist der Stein des Anstoßes. Eigentlich hatte Cavani sich nur bei dem Fan bedanken wollen. (Quelle: Screenshot Instagram)
Dieser Post ist der Stein des Anstoßes. Eigentlich hatte Cavani sich nur bei dem Fan bedanken wollen. (Quelle: Screenshot Instagram)

Cavanis selbst war mehr als überrascht über die drastische Strafe, schließlich ist im lateinamerikanischen Spanisch der Terminus “negrito” “kleiner Schwarzer” eher eine Liebkosung. So sehen es auch seine Nationalmannschaftskollegen, die sich nun für ihrem Mitspieler in die Bresche warfen. Angeführt von Calgliaris Diego Godín und Atléticos Luis Suárez veröffentlichten mehrere Spieler ein gemeinsames Statement, in dem sie wiederum der FA Diskriminierung vorwarfen.

Das Urteil der FA sei “weit davon entfernt, Rassismus zu verdammen”, heißt es dort. Stattdessen werde die Kultur Uruguays diskriminiert. Weiter warfen die Spieler den Verband vor, eine ethnozentrische subjektive Interpretation der Welt zu verbreiten. Ihren Teamkameraden nahmen sie in Schutz: “Edinson Cavani hat noch nie ein Verhalten gezeigt, dass in irgendeiner Form als rassistisch gelten könnte.” Deshalb forderten die Spieler die Rücknahme der Sperre.

Kein Wunder übrigens, dass Ex-Liverpool-Stürmer Suárez mitmischt. Der Stürmer hatte einst selbst Ärger in der Premier League, weil er Manchester Uniteds Patrice Evra während einer Partie als “Negrito” bezeichnet hatte. Die Debatte ist somit nicht wirklich neu.

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Cavani akzeptiert das Urteil, widerspricht aber dem Vorwurf

Cavani selbst will offensichtlich vermeiden, die Debatte weiter eskalieren zu lassen. Um den Einsatz der FA gegen Rassismus nicht in Frage zu stellen, entschloss sich Cavani, das Urteil nicht anzufechten. Er postete aber eine längere Antwort auf seinem Instagram-Account. “Ich möchte diesen unangenehmen Moment nicht weiter ausdehnen”, schrieb Cavani.

Er akzeptiere die Disziplinarstrafe, obwohl er mit den Feinheiten der Fremdsprache Englisch nicht so vertraut sei, teile er aber die Begründung nicht. “Ich entschuldige mich, falls ich jemanden beleidigt haben sollte. Nichts liegt mir ferner. Diejenigen, die mich kennen, wissen, dass ich mich immer um die einfachsten Freuden und Freundschaften bemühe.” Er sei mit sich im Reinen, weil er sich sicher sei, sich “im Sinne seiner Kultur mit Zuneigung ausgedrückt zu haben.”

Der Post bekam schnell tausende Likes auf Instagram. Durch die Sperre verpasste Cavani bereits Uniteds Sieg bei Aston Villa. Beim Tabellenzweiten United kommt der 33-Jährige bisher meist als Joker zum Einsatz. In neun Spielen traf er aber immerhin schon dreimal. Für PSG hatte der Stürmer in 200 Spielen 138 Tore erzielt, in 118 Spielen für Uruguays Nationalmannschaft traf Cavani 51 mal.

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