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Carlyle legt Milliardenfonds für Übernahmen in Europa auf

Das Private-Equity-Haus erhält für neue Deals mehr Kapital als erhofft. Trotz des Rückschlags bei der Osram-Offerte bleibt Carlyle dem deutschen Markt treu.

Einer der größten Firmenkäufer weltweit geht mit frischen Milliarden auf Shopping-Tour in Europa und Deutschland. Die Carlyle Group hat jetzt den jüngsten „Carlyle Europe Partners“-Fonds aufgelegt und weit mehr Gelder erhalten als zunächst gedacht. „Wir haben den Fonds bei 6,4 Milliarden Euro geschlossen, das war rund eine Milliarde mehr als ursprünglich geplant“, sagt Co-Europachef Gregor Böhm im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Carlyle gehört zu den führenden Private-Equity-Häusern mit insgesamt 223 Milliarden Dollar an verwalteten Vermögen. In den vergangenen 22 Jahren hat Carlyle in Europa gut 15 Milliarden Dollar in 78 Unternehmen investiert.

Böhm glaubt nicht, dass sich die goldenen Jahre der vergangenen Dekade für die Finanzinvestoren so einfach fortschreiben lassen. Auch die Private-Equity-Branche werde in einem Abschwung vor neue Herausforderungen gestellt. „Die größten Sorgen bereiten mir die aggressiven Business-Pläne einiger Manager. Wenn sich die ambitionierten Wachstumsraten nicht einstellen, kann es schnell zu einer Krise in den betroffenen Firmen kommen“, warnt der Beteiligungsmanager.

Die Kombination aus hoher Verschuldung und Druck auf den Cash flows könne Unternehmen in den Portfolios jedenfalls in Schwierigkeiten bringen. „Wenn es dann zu Abschreibungen kommt, sinken letztlich auch die Renditen der Private-Equity-Fonds“, glaubt Böhm. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass es künftig schwer werden wird, Renditen von über 20 Prozent zu erzielen. Sie rechnen eher mit Renditen von rund zwölf bis 15 Prozent.

Auch das Auflegen neuer Fonds dürfte tendenziell schwieriger werden. Zwar sei der Appetit auf Private Equity nach wie vor hoch – wobei alleine im dritten Quartal 2019 global 163 Milliarden Dollar aufgenommen wurden, wie das Analysehaus Preqin errechnet hat.

Investoren werden vorsichtiger

Allerdings konzentriere sich das Kapital „in der Hand einer kleinen Anzahl von großen Fonds“. Dies sei ein Anzeichen dafür, dass die Investoren vorsichtiger werden, meint Preqin. „Das Auflegen neuer Fonds wird in einem konjunkturellen Abschwung sicher schwieriger werden. Die Geldgeber waren durch hohe Rückflüsse aus einigen Private-Equity-Fonds verwöhnt. „Diese Zeit ist vorbei“, konstatiert Carlyle-Manager Böhm.

Carlyle hält dem deutschen Markt die Treue, die Pipeline für Transaktionen sei mit Firmen und Konzernteilen gut gefüllt. „Dass wir bei Osram nicht zum Zuge kamen, schreckt Carlyle nicht ab. „Der deutsche Markt bleibt hoch attraktiv für uns, 2020 kann ich mir hier neue Deals gut vorstellen“, sagt Böhm.

Die Führung des Lichtkonzerns Osram hatte sich lange gegen eine Übernahme gewehrt. Sie setzte anfangs voll auf die Finanzinvestoren Bain und Carlyle, die 35 Euro je Aktie geboten hatten. Die Finanzinvestoren sicherten in einer Investorenvereinbarung zu, das Unternehmen nicht zu zerschlagen.

Allerdings ging der Plan nicht auf, der österreichische Sensorik-Spezialist AMS funkte mit einer Gegenofferte von 38,50 Euro dazwischen. Trotzdem werden sich Finanzinvestoren auch gegen Strategen aus der Industrie durchsetzen können, zumal ihr Image bei den Gewerkschaften nach Ansicht eines Investmentbankers besser geworden ist.

„Private Equity-Unternehmen werden in Deutschland zunehmend als einfallsreiche und kompetente Partner für viele erfolgreiche Unternehmen gesehen und bieten, im Vergleich zu traditionellen Investoren, flexiblere Lösungen mit kreativen Strukturen und Ansätzen“, sagt Markus Bolsinger, Partner bei der Kanzlei Dechert.

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