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Cannabis-Gründerin Anna Kouparanis: „Risiko wird immer noch viel zu hoch bepreist“

·Lesedauer: 5 Min.
Die 28-jährige Anna Kouparanis startete erst ihren eigenen Cannabishandel und dann ein Ärzteportal.
Die 28-jährige Anna Kouparanis startete erst ihren eigenen Cannabishandel und dann ein Ärzteportal.

Sie ist eine der wenigen Frauen in der Cannabis-Branche: Die Frankfurterin Anna Kouparanis gründete vor einem Jahr Algea Care. Das Portal verbindet Schmerzpatienten mit Ärzten in ihrer Nähe, die medizinisches Cannabis verschreiben. An Algea Care arbeiten außerdem Kouparanis' Bruder Niklas, bekannt als früherer CEO von Farmako, sowie Julian Wichmann und Samuel Menghistu. Das Gründerteam hat für seine Dachmarke Bloomwell Group, zu der Algea Care gehört, im Oktober 8,6 Millionen Euro Wagniskapital eingesammelt.

Gründerszene wollte von Anna Kouparanis wissen, was ihre Highlights im Jahr 2021 waren.

Anna, was hast du in diesem Jahr neu über dich gelernt?

2021 war für mich ein extrem erfolgreiches Jahr. Mit der Bloomwell Group konnten wir große unternehmerische Erfolge sowohl im operativen Geschäft als auch im Fundraising feiern. Für mich persönlich bedeutete dieser Erfolg, stärker im öffentlichen Rampenlicht zu stehen. Anfangs sehr ungewöhnlich, bin ich inzwischen stolz darauf, als Frau andere Frauen zu inspirieren, ihren Weg ins Gründertum und vielleicht sogar in die Cannabis-Industrie einzuschlagen.

Eine andere Randnotiz: Ich war früher eher der Office-Typ. In diesem Jahr habe ich endgültig meinen Frieden mit dem Homeoffice schließen können. Anders als ich einst gedacht habe, kann ich komplett ortsunabhängig genauso effizient und fokussiert arbeiten wie im Büro. Für mich ist das tatsächlich ein kleiner Erfolg – schließlich gibt mir diese Erkenntnis eine ganz neue Form von Flexibilität und Unabhängigkeit.

Stichwort Mental Health: Wie hältst du dich psychisch fit?

Für mich ist meine Arbeit ein Glücksfall. Wir hatten mit dem Aufbau der Bloomwell Group so viel zu tun, dass das Jahr gefühlt an mir vorbei geflogen ist. Ich glaube, dass der Faktor Spaß bei der Arbeit ganz wesentlich ist, um mental gesund durch die Pandemie zu kommen.

Abgesehen davon halte ich mich psychisch vor allem durch einen gesunden Lebensstil fit. Ich glaube, dass physische und psychische Gesundheit sich da gegenseitig bedingen und versuche durch eine gesunde Ernährung, Sport, wenig Alkohol und erholsamen Schlaf meinen Körper und Geist gesund zu halten. Darüber hinaus ist mir auch der Kontakt zu und Austausch mit meiner Familie und meinen Freunden extrem wichtig. Mein soziales Umfeld ist ein absoluter Fels in der Brandung für mich und gibt mir Kraft.

Die Homeoffice-Regelungen änderten sich in diesem Jahr mehrfach. Wie habt ihr die Änderungen gehandhabt?

Für uns war das tatsächlich kein großes Problem, da wir nach Ausbruch der Pandemie gegründet haben. Dadurch waren Homeoffice und die Digitalisierung von Arbeitsprozessen von Anfang an Teil unseres Geschäftsmodells. Die vielen Video-Meetings und ein gewisser Anteil an Homeoffice-Tagen werden langfristig bei uns nicht ganz verschwinden, sondern in gewissem Maße zum täglichen Arbeitsalltag dazu gehören. Nichtsdestotrotz können wir allesamt den Tag kaum erwarten, an dem wir wieder ins Büro gehen können, ohne vorherigen Test oder ohne Anwesenheitsliste. Kaum vorstellbar, dass das früher ganz normal war.

Wie würdest Du die Entwicklung der Startup-Szene im vergangenen Jahr beschreiben?

Die deutsche Startup-Szene hat in diesem Jahr einen großen Boom erlebt. Höhere Finanzierungssummen, mehr mediale Aufmerksamkeit – und teils auch signifikantes Wachstum. In der Cannabis-Industrie hat die sich anbahnende Legalisierung einen großen Beitrag dazu geleistet, dass junge Unternehmen schlagartig im Interesse von Öffentlichkeit und Kapitalgebern stehen. Hier sollten wir bei all der großen Erwartungshaltung eines nicht vergessen: Die Industrie wird stark reguliert sein, es braucht viel Expertise.

Wichtig ist nun, dass die deutlich höheren Finanzierungssummen in sinnvolle Geschäftsmodelle fließen, die gesellschaftlichen Mehrwert generieren und sich operativ rentieren. Man braucht sich nur volle Wartezimmer bei Ärzten oder die umständliche Terminfindung anschauen.

Was hast du in diesem Jahr besonders vermisst?

Als familienorientierter Mensch haben mir vor allem unsere großen Familienfeiern gefehlt. Normalerweise ist vor allem das griechische Osterfest bei uns immer ein riesiges Spektakel, auf das ich mich jedes Jahr freue. Das Osterfest und auch andere Familientreffen haben wir leider dieses Jahr ausfallen lassen. Ich hoffe sehr, dass es im nächsten Jahr wieder möglich sein wird, größere Familienfeiern stattfinden zu lassen, ohne sich Sorgen um das Übertragen irgendwelcher Virusvarianten machen zu müssen. Ich freue mich jetzt schon wie ein kleines Kind auf das nächste griechische Osterfest in großer geselliger Runde.

Hast du ein Hobby neu für dich entdeckt?

Wie viele andere habe auch ich mich während der Lockdowns an kreative Hobbys rangewagt und mit dem Malen angefangen. Auch wenn ich noch nicht zur großen Künstlerin geworden bin, kann ich mich dabei sehr gut entspannen.

Wen hättest du dieses Jahr gern mal zum Lunch getroffen?

Ich hoffe, das hört sich jetzt nicht zu kitschig an: Meinen Großvater. Ihm verdanke ich sehr viel, da er damals als Gastarbeiter nach Deutschland kam und uns damit erst das Leben ermöglicht hat, das wir heute führen. Sein Mut und seine Unerschrockenheit haben auch meine Unternehmerinnen-Ideologie und mein ganzes Wesen stark beeinflusst. Mein Großvater ist und bleibt eines meiner größten Vorbilder. Ich hätte mich sehr gerne mit ihm zusammengesetzt und ihm von unseren ganzen Erfolgen im letzten Jahr, aber auch von unseren Zukunftsplänen erzählt. Ich glaube, er wäre unglaublich stolz auf das, was mein Bruder und ich mit Bloomwell aufgebaut haben, und könnte uns auch sicher hilfreiche Tipps für die Zukunft mitgeben. Leider weilt mein Großvater nicht mehr unter uns.

Wofür hast du dieses Jahr das meiste Geld ausgegeben?

Zählen Investitionen auch? Dann für Krypto-Coins. Ich bin überzeugt, dass die Blockchain, NFTs und andere Coins ihre Daseinsberechtigung haben. Stand jetzt, bin ich zu einem guten Zeitpunkt auf den Zug aufgesprungen. Warten wir einmal ab.

Welche Startup-News hättest du dieses Jahr gern gelesen?

Ich hätte mir sehr gewünscht, dass sich die Quote der Startup-Gründerinnen noch weiter verbessert – am liebsten direkt verdoppelt. Darüber hinaus hätte es mich gefreut zu lesen, dass sich deutsche VCs die Investment-Runden der Startups zurückerobern. Wir haben auf dem deutschen Markt ein riesiges Potenzial, das noch lange nicht vollständig ausgeschöpft ist. Mit Measure 8 Venture Partners haben wir auch einen US-amerikanischen Risikokapitalgeber, der natürlich sehr wertvolles Wissen aus den nordamerikanischen Märkten mitbringt. Dennoch: Auch deutsche VCs sollten gewillt sein, solche Runden bei entsprechenden Unternehmensbewertungen mitzugehen. Risiko wird immer noch viel zu hoch bepreist.

Welchen Trend fandest du 2021 überbewertet?

Wie wahrscheinlich viele in meinem Alter habe ich den ganzen Hype um Tiktok-Tänze gar nicht verstanden. Vermutlich liegt das daran, dass ich einfach nicht Teil der Zielgruppe bin oder ich war einfach zu langsam und der Trend ist an mir vorbeigegangen.

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