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BVB-Coach Addo kündigt Klartext an

BVB-Coach Addo kündigt Klartext an
BVB-Coach Addo kündigt Klartext an

Im vergangenen März führte Otto Addo ganz nebenbei Ghana in zwei aufregenden Playoff-Spielen gegen Nigeria zur WM in Katar, wo er auch die afrikanische Auswahl trainieren wird.

Seinen Haupt-Job übt er aber für Borussia Dortmund aus, wo er zum einen Edin Terzic als Co-Trainer zur Seite steht und zum anderen die Top-Talente des Vereins betreut. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Im Gespräch mit Business-Coach und Autor Mounir Zitouni erzählt Addo, wie sich die Arbeit mit den Talenten im Detail gestaltet und worauf es dabei ankommt.

  • Leadertalk - der SPORT1 Podcast von und mit Business-Coach und Autor Mounir Zitouni - die aktuelle Folge mit Frank Kramer bei Spotify und Apple

Er beschreibt die aufregende Qualifikation für die WM und kündigt eine Anti-Rassismus-Initiative an (u.a. mit Gerald Asamoah oder Patrick Owomoyela), die betroffenen Spielern helfen soll, mit rassistischen Beleidigungen und Angriffen umzugehen. (NEWS: Addo verlängert! BVB klärt Personalie)

Otto Addo will lauter werden. Er hat selbst Rassismus am eigenen Leib erfahren und will anderen Opfern nun verstärkt helfen, indem er einen Verein gründet. „Ich glaube, dass es wichtig ist, dass die Älteren, die schon Erfahrung mit Rassismus gesammelt haben, diese Erfahrung weitergeben, Tipps geben, wie man damit umgehen kann. Wir müssen uns noch besser organisieren, stärker und aktiver gemeinsam dagegen vorgehen.“

Und weiter: „Wir sind gerade dabei, uns mit Patrick Owomoyela, Gerald Asamoah, Sahr Senesie (Anm. d. Red.: Halbbruder und Berater von Antonio Rüdiger) zu organisieren und wollen flächendeckender als Gesprächspartner agieren. Das fehlt uns Afro-Deutschen in Deutschland: Dass wir ein Sprachrohr haben, dass gerade die Spieler in den unteren Ligen, die das erleben, jemanden haben, an den sie sich wenden können. Ich weiß, dass der DFB aktiv ist, aber nicht so, wie wir uns das wünschen. Es ist deshalb an der Zeit, dass wir uns selber organisieren, uns formieren und Flagge zeigen.“

BVB-Coach: „Man hat Dinge toleriert, die nicht zu tolerieren sind“

Addo will keine Ruhe geben, zu lange, so sein Eindruck, hat man Dinge toleriert, die nicht zu tolerieren sind, wenn es um Ausgrenzung geht. „Das ist auch etwas, was ich gelernt habe, dass wir uns wehren können, dass wir uns wehren müssen und dass sich auch Dinge dadurch ändern. Es ist ganz wichtig, dass man die Dinge beim Namen nennt und Vergehen jeglicher Art registriert werden.“ (ÜBERSICHT: Die fixen Transfers aller Bundesliga-Klubs)

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Dass Addo und Daniel Thioune (Fortuna Düsseldorf) die einzigen dunkelhäutigen Profitrainer in Deutschland sind - auch das soll sich ändern. „Es geht auch um gleiche Startbedingungen. Menschen mit Migrationshintergrund sind vermehrt in unteren Schichten verankert. Von daher muss man auch im Sport viel bessere Startbedingungen für Trainer schaffen.“

Sein Trainerprofil schuf Addo 2017 selbst, als er von seinem Co-Trainer-Posten beim FC Nordsjaelland zurück nach Deutschland kam. „Ich war in Dänemark und habe danach ein Konzept erarbeitet und bin damit an Mönchengladbach herangetreten und die haben genauso etwas gesucht damals: Ein Trainer, der sich um die jüngeren Spieler kümmert, aber auch um den Unterbau, die nächsten jungen Spieler, die kurz davorstehen, den Schritt zu den Profis zu schaffen.“

Addo sieht sich selbst als „Prozessbeschleuniger.“ Er führt aus: „Am Ende geht es darum, dass der junge Spieler versteht, wo der Weg ist, um in die Profimannschaft zu kommen. Wir haben das Ziel, dass der Spieler irgendwann ohne mich intrinsisch darauf hinarbeitet, besser zu werden.“ Ein gutes Beispiel dafür sei Bellingham. „Ein Bellingham sieht sofort, was er anders machen muss. Ohne dass ich ihm was sage, analysiert er die Szenen und weiß, was er machen muss. Das ist der Unterschied zu einem jüngeren Spieler.“

Mit Dortmunder Unterstützung zur WM

Die Basis seiner Arbeit mit den Talenten: Vertrauen! „Je besser ich mich mit jemanden verstehe, desto mehr nimmt er Kritik an, desto härter kann ich ihn auch angehen. Aber wenn ich mich mit ihm gar nicht verstehe, dann hört er mir gar nicht erst zu. Diesen Zugang muss ich erst einmal herstellen. Das Wichtigste ist, dass man sich Zeit nimmt und zuhört“, sagt der 47-jährige Ex-Profi, der sich ungemein auf die WM in Katar freut. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Dass der gebürtige Hamburger es schaffte, Ghana zur WM zu führen, hat auch mit Dortmunder Unterstützung zu tun. „Für die WM-Playoffs gegen Nigeria habe ich mir Hilfe von meinem ehemaligen Mitspieler Philipp Laux geholt, unserem Sportpsychologen in Dortmund.

Die Mannschaft war am Boden, weil sie beim Afrika-Cup als Letzter der Vorrundengruppe ausgeschieden war. Und dann ging es darum, welche Worte man wählt, um die Jungs aufzubauen. Da habe ich mich mit Philipp zusammengesetzt und mir viele Sachen aufgeschrieben. Ich habe mir auch viele Tipps von unserem Athletik-Trainer in Dortmund Hannes Weber geholt.“

Mounir Zitouni (51) war von 2005 bis 2018 Redakteur beim kicker und arbeitet seitdem als Businesscoach, betreut Sportler, Trainer und Führungskräfte in punkto Auftreten, Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung. Der ehemalige Profifußballer (OFC, SV Wehen, FSV Frankfurt, Esperance Tunis) hat zuletzt die Autobiographie von Dieter Müller verfasst und veröffentlicht regelmäßig eine Kolumne auf www.sport1.de.

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