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„Ein Business Angel sollte nicht in Panik verfallen“

Die Expertin für Start-ups in der Finanzbranche spricht über die Tugenden guter Business Angel und die Gefahr des Coronavirus für die Start-up-Branche.

Susanne Chishti lebt in London und ist Geschäftsführerin des Business-Angel-Netzwerks Fintech Circle. Die rund 70 Mitglieder des Netzwerks haben sich auf Investments in Finanz-Start-ups spezialisiert.

Frau Chishti, Finanzierungsrunden werden oft nur dann publik, wenn große Venture Capitalists beteiligt sind. Warum bleiben Business Angel lieber anonym?
Viele Business Angels agieren lieber diskret, da sie nicht mit ihrem Reichtum hausieren gehen wollen. Zum Teil wollen sie sich auch vor einer Flut an Finanzierungsanfragen schützen. Häufig wird deshalb höchstens der Name eines Angel-Netzwerks oder einer Beteiligungsgesellschaft öffentlich. Auch die Gründer haben ein großes Interesse daran, dass ihr Geschäftsmodell zunächst im Verborgenen bleibt. So schützen sie sich vor frühen Nachahmern.

Was macht einen guten Business Angel aus?
Im Idealfall war ein Angel selbst schon als Unternehmer tätig und kann sein Praxiswissen weitergeben. Er sollte ein gutes Verständnis der Branche und vielseitige Kontakte haben. Wichtig ist auch eine gewisse Gelassenheit. Gerade in jungen Unternehmen gibt es immer wieder Höhen und Tiefen. Ein Business Angel sollte den Gründern Mut zusprechen und nicht selbst in Panik verfallen.

Der Business Angel-Verband BAND schätzt, dass nur sieben Prozent der Angels in Deutschland Frauen sind. Warum sind es so wenige?
Solange die Spitzenpositionen in Unternehmen von Männern dominiert werden, wird auch der Kreis der potenziellen weiblichen Business Angels klein bleiben. Schließlich braucht man für die Investments Geld und Erfahrung in der Wirtschaft. Hinzu kommt: Für Business Angels ist es enorm wichtig, dass sie nicht allein investieren, sondern in einer Gruppe. So können sie sich gegenseitig helfen und Aufgaben verteilen. Bisher sind solche Netzwerke meist noch sehr männlich geprägt. Für Frauen ist es häufig nicht einfach, Zugang zu solchen Clubs zu bekommen.

Brauchen wir mehr Business Angels in Deutschland?
Für Deutschland als Start-up-Standort wäre es absolut wünschenswert, mehr Business Angels zu haben. Um solche Investitionen attraktiv zu machen, können steuerliche Anreize helfen. Großbritannien ist dabei ein Vorbild, hier können Investoren bis zu 50 Prozent ihrer Investments in junge Firmen von der Steuer absetzen.

Welche Auswirkungen erwarten Sie durch das Coronavirus?
Es ist noch zu früh, um zu sagen, ob das Coronavirus tatsächlich zu einer weltweiten Wirtschaftskrise führen wird. Falls es soweit kommt, werden auch die Start-up-Investments zurückgehen. Insofern könnte das Coronavirus auch Start-ups treffen. Schon jetzt zeigen die fallenden Aktienkurse, dass Investoren ihr Geld aus etablierten Unternehmen abziehen. Investments in Start-ups sind im Vergleich dazu noch um ein vielfaches risikoreicher. Schließlich wird im Durchschnitt nur jedes zehnte Unternehmen zu einem großen Erfolg.
Frau Chishti, vielen Dank für das Interview.