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Burgerbetrieb Peter Pane liefert nun auch Essen per Bike

Der Bäckerei-Erbe Patrick Junge hat die Corona-Zeit mit seiner Kette genutzt, um einen Lieferdienst aufzubauen. Das hilft ihm bei der Wiederöffnung.

Das berufliche Schicksal von Patrick Junge entschied ein Duell um 12 Uhr mittags am 6. Juni 2012. Damals tauschte er mit seinem 20 Jahre älteren Cousin zwei Zettel aus. Jeder der beiden Duellanten hatte darauf vermerkt, was er dem anderen für dessen Hälfte an der geerbten Bäckereikette Junge zahlen würde. Patrick Junge war das Lübecker Traditionsunternehmen, dessen Geschäftsführer er zehn Jahre lang gewesen war, nach dem Duell los.

Begonnen hat seine Karriere als Burgerbrater jedoch, indem er zunächst als Franchisenehmer die Expansion der Kette Hans im Glück in Norddeutschland organisierte. Neben der Entscheidung im Familienunternehmen, wer die Bäckerei weiterführt, vollzog der 43-Jährige noch andere plötzliche Wenden in seinem Leben. Eine davon war der Entschluss vor vier Jahren, als er sich mit seinen Burgerfilialen von der Kette Hans im Glück lossagte und kurzerhand das Konkurrenzunternehmen Peter Pane gründete.

Eine weitere könnte Corona sein. Seit Beginn der Gastronomieschließungen baut Junge einen eigenen Lieferdienst auf, der die Pandemie überdauern könnte. Zudem übernimmt er gerade einzelne Restaurantflächen von mehreren Ketten, die in der Coronakrise in die Insolvenz gegangen sind. Dabei helfen dem Gastronomen seine zupackende Art – und sein Kampfgeist.

„Unsere Kellner haben Tablett und Schürze gegen Fahrrad, E-Bike und Elektro-Smart getauscht“, sagt Junge. „Wir werden damit die Krise überstehen und sind als Mannschaft sogar noch enger zusammengerückt“, ist er optimistisch. Damit setzt sich Peter Pane deutlich von anderen Gastronomen ab – Vapiano und Maredo beispielsweise sind bereits in die Insolvenz gerutscht. Von ihnen übernimmt Junge sogar Flächen.

Auch nach der am Mittwoch zwischen Bund und Ländern vereinbarten schrittweisen Wiedereröffnung von Restaurants wird sich Junges Kette Peter Pane wohl durch die Krise langfristig weiterentwickeln.

Dem Unternehmer Junge hilft dabei, dass er auf frühere Pläne aufbauen kann: Schon vor einem Jahr dachte er über einen Lieferdienst nach, ließ die Idee aber zunächst in der Schublade. In der Coronakrise reichte ihm eine Auslieferung über Lieferando nicht mehr aus. Der Service sei wegen der vielen Bestellungen am Anschlag und zudem kostspielig, meint er.

Erste Anzeigenfehler ausgemerzt

Also kaufte oder mietete er 300 Fahrräder, 120 Elektroräder und 50 Kleinwagen und wies seine IT-Abteilung an, einen eigenen Onlineshop aufzubauen. Bis zu 60 Prozent seines Umsatzes könne er so sichern, hofft Junge. „Zunächst dient es dazu, dass niemandem gekündigt werden muss und wir im Unternehmen zusammenhalten“, sagt Junge. Allerdings arbeiten die 1500 Mitarbeiter weniger, Kurzarbeitergeld ist beantragt.

Investieren musste er trotzdem – etwa in Onlinewerbung, aber auch in zwei Millionen Speisekarten, die er verteilen ließ, um das neue Angebot bekannt zu machen. „Wir sind noch in der Pionierphase“, beschreibt Junge den Stand. Erste Anfängerfehler seien inzwischen ausgemerzt – so fehlte etwa zum Start der Ausweis von Allergenen. Mitte Mai soll eine überarbeitete Version des Shops online gehen.

Denn nach der Wiedereröffnung soll das Auslieferangebot mit zusätzlichen Fahrern bleiben – und dann zehn Prozent Umsatz obendrauf einspielen. Zudem erwägt Junge, den Service weiteren Gastronomen anzubieten und so zur regionalen Alternative zu Lieferando zu werden. „Wenn alles gut läuft, wird das ein separater Onlineshop für die Gastronomie“, sagt er. Eine eigene Tochterfirma, die Peter bringt’s GmbH, hat er dafür bereits gegründet.

Seitdem vor einem Jahr der niederländische Bringdienst Takeaway mit der Marke Lieferando das Deutschlandgeschäft von Delivery Hero mit der Marke übernommen hat, gibt es nur noch einen bundesweiten Lieferdienst. Allerdings sei es schwer, Lieferungen profitabel zu betreiben, gibt Branchenexperte Michael Lidl zu bedenken.

Der Partner der Hotel- und Gastronomieberatung Treugast sieht in der schnellen Umsetzung aber ein Zeichen von „Unternehmergeist und Agilität“: „Imagefördernd ist es auf jeden Fall – bei Kunden und bei Mitarbeitern.“ Zudem helfe es in der Krise, den Schaden zu minimieren.

Flächen von insolventen Restaurantketten übernommen

Die bisherigen Expansionspläne für seine Holding Paniceus sieht Junge durch die Krise nur um wenige Wochen zurückgeworfen. Baustellen für geplante Eröffnungen in Berlin und Bielefeld laufen derzeit langsamer. Eine Filiale in Erfurt hat er im April trotz der Corona-Auflagen eröffnet – zunächst als reinen Lieferladen.

Die Coronakrise eröffnet sogar überraschende Expansionschancen. Denn einigen Ketten, die bereits vor der Krise angeschlagen waren, sind in die Insolvenz gerutscht. Von solchen taumelnden Gastronomen übernehme er Restaurantflächen: je zwei vom Steakhaus Maredo und der Asia-Kette COA sowie eine von Vapiano, sagt Junge dem Handelsblatt.

Derzeit hat er 35 Filialen, davon nur fünf als Franchise. Bis zum Jahresende sollen es 42 sein, ein Jahr später 50. Entsprechend plante er vor der Krise den Umsatz. 2019 seien 63 Millionen Euro Nettoumsatz bei zehn Prozent operativer Gewinnmarge (Ebitda) zusammengekommen, für 2020 waren vor den Schließungen 85 Millionen Euro Umsatz bei zwölf bis 14 Prozent Marge angesetzt, 2021 will Junge möglichst 100 Millionen Euro Umsatz erreichen. Dafür plant er deutschlandweit neue Filialen. In Österreich ist er in Wien vertreten, im ganzen Land sieht er Platz für zehn Läden.

Alles gelingt ihm allerdings auch nicht: Den Versuch, mit „Hook Dogs“ eine Kette für Hotdogs zu etablieren, hat er zunächst aufgegeben und die Filialen weitgehend auf Peter Pane umgestellt. Offenbar sind Burger die zeitlosere Mahlzeit.

Experte Lidl hält das Wachstum trotz des abflauenden Burgerbooms für möglich. „Peter Pane hatte durch den Streit mit Hans im Glück nicht den einfachsten Start, aber Junge hat dennoch Wachstumskraft bewiesen“, sagt der Berater.

Damit will Junge stärker wachsen als die Gastronomie insgesamt. „Entscheidend sind die Menschen, die hinter den Konzepten stehen. In der harten Schule der Bäckerei Junge habe ich gelernt, dass ein System nie stillstehen darf“, sagt er. Daran seien Konzepte wie Vapiano und Maredo gescheitert.

Zu Jahresbeginn musste auch Junges langjähriger Kontrahent Thomas Hirschberger seine Kette Hans im Glück verkaufen – an die Gründer der SB-Bäckerei Backwerk. „Das sind Vollprofis, die Hans im Glück sehr gut führen werden“, erwartet Junge. Der Markt sei groß genug für zwei ähnliche Burgerkonzepte.