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Das bundesweite ÖPNV-Ticket ist der Start zur Verkehrswende – aber es braucht noch etwas anderes

Der ÖPNV wird nicht alleine durch das Neun-Euro-Ticket gerettet. - Copyright: Getty Images / Bloomberg
Der ÖPNV wird nicht alleine durch das Neun-Euro-Ticket gerettet. - Copyright: Getty Images / Bloomberg

Das Neun-Euro-Ticket war ein voller Erfolg. Jetzt muss ein Nachfolger her, der die Verkehrswende anschiebt. Seit Jahren wird die Frage gestellt, wie man den ÖPNV attraktiver machen kann. Die Ideen waren vielfältig und reichten bis hin zu der obskuren Idee, eine erste Klasse im öffentlichen Nahverkehr einzuführen. Doch dann kam die Energiekrise und die Idee der Bundesregierung, die Verbraucher mittels eines günstigen ÖPNV-Tickets zu entlasten. Die von Bundeskanzler Scholz (SPD) als „beste Idee der Regierung“ beschriebene Maßnahme war auch auf allen Ebenen erfolgreich.

Wie der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen mitteilte, senkte das Ticket den CO₂-Ausstoß um 1,8 Millionen Tonnen und führte dazu, dass 17 Prozent der Nutzer nicht das eigene Auto, sondern den ÖPNV genutzt haben. Unterstützt werden die Angaben durch Daten, die das Unternehmen Here erhoben hat. Die Mobilitätsfirma stellte fest, dass die Nutzung schienengebundener Angebote seit der Einführung des Tickets stark gestiegen ist, während der Straßenverkehr bis Ende Juli leicht zurückging, obwohl die Urlaubszeit eigentlich für mehr Verkehr sorgen sollte. Offenbar haben viele Bürger das günstige Angebot genutzt, um mit Regionalbahnen durch Deutschland zu fahren.

Die Finanzierung steht nicht

Die Finanzierung eines bundesweit gültigen, elektronischen Tickets ist nicht ganz einfach, aber durchaus machbar, wenn man die Prioritäten verschiebt. Also weniger Steuergeld für die auf das autobasierte Mobilität und mehr für den öffentlichen Nahverkehr und andere Angebote. Denn nur mit einem günstigen ÖPNV-Ticket werden sich die CO₂-Emissionen im Verkehrssektor allein nicht auf die Werte senken lassen, die die Bundesregierung sich bis 2030 zum Ziel gesetzt hat.

Nach vielen Diskussionen haben Politik und Verkehrsbetriebe sich jetzt wohl darauf geeinigt, dass man das bundesweite E-Ticket fortführen will. So hat es zumindest Verkehrsminister Wissing (FDP) verkündet. Sein Parteikollege, Finanzminister Lindner, hat die Finanzierungsfrage an die Länder abgegeben, aber auch angekündigt, dass der Bund einen Teil dazu beitragen will. Angesichts der bisherigen Aussagen ist das eine Kehrtwende der FDP, auch wenn man abwarten muss, wie hoch der Preis für das Ticket am Ende ist. Diskutiert werden in der Politik gerade monatliche Preise für bundesweite Tickets zwischen 49 und 69 Euro.

Der ÖPNV braucht Startups

Das Signal, dass von der Einführung eines bundesweit gültigen ÖPNV-Tickets ausgeht, zeigt auch, dass ein Umdenken in der Politik auf Bundes- und Kommunalebene stattfindet, wie man die Verkehrs- und Infrastrukturpolitik in den nächsten Jahren gestalten will. Was positiv zu bewerten ist. Aber das Neun-Euro-Ticket hat auch gezeigt, wo die Lücken in der Versorgung liegen. Denn sowohl die Vorstädte von Metropolen als auch ländliche Regionen haben bisher vom neuen Ticket überhaupt nicht profitiert. Hier fehlt es einfach am Ausbau des ÖPNV, der aber infrage gestellt wird, wenn die Länder nun das Geld verwenden, um das günstige E-Ticket zu finanzieren.

Der tägliche Wahnsinn auf vielen Flughäfen ist Ausdruck einer verfehlten Planung.
Der tägliche Wahnsinn auf vielen Flughäfen ist Ausdruck einer verfehlten Planung.

Allein werden Bund und Kommunen also den Ausbau nicht leisten können. Das muss auch nicht sein, denn die Privatwirtschaft hat die Instrumente und Technologien, die Lücke zu stopfen. Dafür müssen die Kommunen aber auch offen für eine enge Zusammenarbeit mit den Anbietern von Carsharing, Ridesharing und Ridehailing sein. Gleichzeitig müssen die Startups ihre Strategie anpassen. Statt kurzfristige Quartalsergebnisse im Auge zu haben, wird dann die langfristige Bindung als Dienstleister für die öffentliche Hand im Vordergrund stehen. Wenn hier eine Einigung gelingt, profitieren am Ende alle Seiten.

Don Dahlmann ist seit über 25 Jahren Journalist und seit über zehn Jahren in der Automobilbranche unterwegs. Jeden Montag lest Ihr hier seine Kolumne „Drehmoment“, die einen kritischen Blick auf die Mobility-Branche wirft.