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Bundesregierung für Aussetzen der Slot-Regelung für Fluglinien wegen Corona-Krise

Lufthansa-Maschinen in München

Die Bundesregierung ist angesichts der Corona-Krise in intensiven Beratungen mit der EU-Kommission, um eine Aussetzung der sogenannten Slot-Regelungen für europäische Fluggesellschaften zu erreichen. "Besondere Sorgen bereitet mir, dass die Airlines ihre Start- und Landerechte verlieren könnten", sagte der Beauftragten der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt, Thomas Jarzombek, der "Bild"-Zeitung (Mittwochsausgabe).

"Um sie zu behalten, müssten die Airlines auch in der Krise weiterfliegen. Mit fast leeren Flugzeugen. Das wäre wirtschaftlich und klimapolitisch ein Irrsinn", fügte Jarzombek hinzu. "Diese Regelung muss daher so schnell wie möglich ausgesetzt werden. Dafür setze ich mich ein." Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums sagte der Zeitung, die EU-Kommission habe "eine kurzfristige Prüfung zugesagt".

In Brüssel sagte EU-Katastrophenschutzkommissar Janez Lenarcic, die Kommission prüfe die Slot-Regelungen "sehr genau". Sie werde "nicht zögern", angesichts der Herausforderungen in den kommenden Tagen und Wochen zusätzliche Maßnahmen vorzuschlagen. Dies gelte auch für verfügbare zusätzliche Hilfsmittel.

Zuvor hatte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) laut "Bild" mitgeteilt, die Folgen der Ausbreitung des Coronavirus für die weltweite Flugindustrie seien schlimmer als die der Terroranschläge auf New York und Washington vor 19 Jahren.

"Die Flugbuchungen gehen aufgrund der Corona-Krise massiv zurück und viele Passagiere treten ihren gebuchten Flug nicht an", zitierte die "Bild" BDL-Sprecher Ivo Rzegotta. "Dabei übersteigt die aktuelle Abwärtsentwicklung alle bisher gemachten Erfahrungen mit externen Schocks - der Nachfragerückgang ist stärker als bei der Sars-Krise, den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und der Weltwirtschaftskrise von 2008/2009."

Bei den Slot-Regelungen der EU geht es um Start- und Landerechte. Fluggesellschaften müssen diese an großen Verkehrsflughäfen während eines Flugplans zu 80 Prozent tatsächlich nutzen, um die Slots nicht zu verlieren.

Zahlreiche Airlines reduzieren wegen des Coronavirus derzeit ihre Flugpläne deutlich. Am Dienstag kündigte Air France-KLM an, tausende Flüge zu streichen. Zuvor hatte bereits die Lufthansa den Wegfall von bis zu 50 Prozent ihrer Flüge angekündigt.