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Bundesliga im Visier: Bremer Justizsenatorin will das Geldwäschegesetz für den Profisport verschärfen

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Fan-Protest beim FC Bayern München: "Für Geld waschen wir alles rein"
Fan-Protest beim FC Bayern München: "Für Geld waschen wir alles rein"

Das Blut tropft aus der Waschmaschine FC Bayern München. Rechts daneben steht Präsident Herbert Hainer, einst CEO von Adidas, der ein blutverschmiertes Unterhemd in seinen Händen hält. Links steht Oliver Kahn, die Torwartlegende, heute Vorstandschef beim deutschen Rekordmeister. In einer Hand hält er ein langes, weißes Gewand, „Thawb“ genannt; in der anderen Hand einen prall gefüllten Koffer mit Geldscheinen.

Auf dem Rasen vor ihnen läuft gerade die zweite Halbzeit der Bundesligapartie gegen den SC Freiburg. Es ist Anfang November, elfter Spieltag, Bayern wird das Spiel am Ende mit zwei zu eins gewinnen. Fans haben vor der Südtribüne ein riesiges Banner mit eben jener Szene gehisst, um gegen das Sponsoring der nationalen Fluggesellschaft Katars, Qatar Airways, zu protestieren. Dieses soll den Münchnern jährlich 17 Millionen Euro einbringen.

Das arabische Emirat am Persischen Golf, Ausrichter der Fußballweltmeisterschaft in diesem Jahr, steht seit vielen Jahren wegen der eingeschränkten Meinungsfreiheit oder Kriminalisierung von Homosexualität in der Kritik. Besonders aber wegen Menschenrechtsverletzungen gegenüber den vielen Arbeitsmigranten, die auf Großbaustellen im Einsatz sind. Über 15.000 von ihnen sind einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International aus dem August 2021 zufolge zwischen 2010 und 2019 in Katar gestorben.

„Für Geld waschen wir alles rein“, steht über den grinsenden Vereinsbossen auf dem Transparent beim Spiel FC Bayern München gegen den SC Freiburg.

Der Profifußball hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Milliardengeschäft entwickelt. Die Summen für Transfers, Werbeverträge oder TV-Rechte sind in die Höhe geschossen. Der Einfluss von Investoren nimmt zu, vor allem im Ausland. In Deutschland verhindert die sogenannte „50+1-Regel“, dass ein Investor die Mehrheit der Stimmrechte an einer ausgegliederten Kapitalgesellschaft kaufen kann. Die Mitglieder des Vereins sollen stets das Sagen haben. Doch auch hierzulande gibt es Investoren wie etwa den Unternehmer Lars Windhorst, der mit seiner Investmentfirma bereits hunderte Millionen in Hertha BSC investiert hat.

Die Europäische Kommission hat 2019 in einem Bericht zu den Risiken der Geldwäsche eine Bewertung des Profifußballs vorgenommen. Dieser sei nicht nur eine beliebte Sportart, „sondern auch eine weltweite Industrie mit erheblichen wirtschaftlichen Auswirkungen“. Seine Organisation sei komplex und die fehlende Transparenz hätte den „Nährboden für den Einsatz illegaler Finanzmittel“ geschaffen. „Fragliche Geldsummen ohne offensichtlichen oder erklärbaren finanziellen Gewinn werden darin investiert.“ Die mit dem Sport verbundenen Risiken seien in der EU seit Langem bekannt. So wurde schon 2007 im „Weißbuch Sport“ der Kommission auf die Bedrohungen und Herausforderungen durch Geldwäsche im Sportsektor hingewiesen.

"Fragliche Geldsummen"

Trotzdem hat sich in Deutschland seitdem kaum etwas getan. Dabei sah es vor etwas mehr als einem Jahr für einen kurzen Moment danach aus, als würde die Politik das Thema ernsthaft angehen. Im Oktober hatte die Bremer Justizsenatorin Claudia Schilling (SPD) den Vorsitz der Justizministerkonferenz inne und schlug einen Beschluss vor, womit die Vereine im Profifußball zur Einhaltung des Geldwäschegesetzes (GWG) verpflichtet werden sollten, wie das „Handelsblatt“ berichtete. Ob Geld von Investoren oder Sponsoren: Einfach die Hand aufhalten wäre damit kaum noch möglich – zumindest nicht ohne Bedenken.

Denn durch das GWG müssen die Verpflichteten Vermögensgegenstände melden, die mit einer Geschäftsbeziehung oder Transaktionen in Zusammenhang stehen, die aus strafbaren Handlungen stammen, die eine Vortat der Geldwäsche darstellen können. Hierfür müssen sie über ein wirksames Risikomanagement verfügen, das eine Risikoanalyse und interne Sicherungsmaßnahmen umfasst. So muss auch ein Geldwäschebeauftragter auf Führungsebene bestellt werden, der für die Einhaltung der geldwäscherechtlichen Vorschriften zuständig ist.

"Ominöse Geldquellen"

Doch die Justizministerinnen und Justizminister konnten sich nicht auf den Beschluss einigen. Sie baten lediglich die Konferenzen der Finanz- und Sportminister darum, sich mit der Frage zu befassen, „ob der Kreis der Verpflichteten nach dem Gesetz über das Aufspüren von Gewinnen aus schweren Straftaten (Geldwäschegesetz – GWG) auf den Bereich des professionellen Sports erstreckt werden sollte.“ Der Vorstoß aus Bremen versandete. "Am Ende waren die Ministerinnen und Minister der B-Seite nur zu einer sehr verwässerten Aussage zu diesem Thema bereit. Ich kann angesichts der immer wiederkehrenden Schlagzeilen von Korruption, ominösen Geldquellen und Investoren diese Haltung einiger meiner Kollegen nicht verstehen“, teilte die Bremer Justizsenatorin Schilling im Anschluss an die Konferenz mit.

Nach Informationen von Business Insider hat Schilling nicht aufgegeben und plant einen neuen Anlauf. Nach Auskunft eines Sprechers arbeitet die Bremer Senatorin für Justiz und Verfassung gerade an einem Entwurf, der zunächst in den Bremer Senat und anschließend in den Bundesrat eingebracht werden soll. Der Entwurf sieht demnach ein Gesetz zur Änderung des Geldwäschegesetzes vor, mit dem Geldwäsche im Bereich des Berufssports bekämpft werden soll. Bereits am kommenden Dienstag solle der Entwurf in den Bremer Senat eingebracht werden.

Damit sollen Vereine und Unternehmen, die mit Mannschaften in den oberen Ligen vertreten sind, ebenso Spielerberater, in den Kreis der Verpflichteten nach dem Geldwäschegesetz aufgenommen werden. Diese würden damit auf eine Ebene mit zum Beispiel Kredit- und Finanzinstituten, Notaren, Immobilienmaklern oder Veranstaltern von Glücksspielen gestellt werden. Somit solle ein durchsetzungsstarker Regulierungsrahmen geschaffen werden.

"Teils undurchsichtige Deals mit Spielerberatern und Investoren"

„Bestechungs- und Korruptionsaffären, Geld aus ominösen Quellen, teils undurchsichtige Deals mit Spielerberatern und Investoren: Die Schlagzeilen kennen wir alle und sie machen deutlich, dass insbesondere der Profi-Sport besonders gefährdet ist, durch kriminelles Geld zersetzt zu werden“, sagte Schilling zu Business Insider. „Dem wollen wir durch eine Erweiterung der Sorgfalts- und Meldepflichten nach dem Geldwäschegesetz auf professionelle Sportclubs und Spielerberater entgegenwirken.“

Das Thema Geldwäsche im Profifußball könnte somit in den nächsten Wochen wieder diskutiert werden. Vielleicht schon am Freitagabend, wenn der FC Bayern München zur besten Sendezeit in die Rückrunde startet.

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