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Bundesbankpräsident fordert entschlossenen Kampf gegen Inflation

FRANKFURT (dpa-AFX) - Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hat erneut ein entschlossenes Handeln gegen die Rekord-Inflation in der Eurozone gefordert. "Je zögerlicher die Geldpolitik jetzt handelt, desto mehr läuft sie Gefahr, in eine Situation zu geraten, in der sie später umso abrupter und stärker straffen müsste, um Preisstabilität zu gewährleisten", warnte Nagel am Montag in Frankfurt. Es gelte nun, mit voller Konzentration die Inflation zu bekämpfen. Ein neues Anti-Kriseninstrument der Europäischen Zentralbank sieht er kritisch.

"Was die Geldpolitik auf jeden Fall verhindern muss, ist, dass sich die mittel- bis langfristigen Inflationserwartungen von unserem Inflationsziel wegbewegen", sagte Nagel auf der Konferenz "Euro Finance Summit". Das erfordere ein "entschlossenes geldpolitisches Handeln", sagte er mit Blick auf die EZB. Es sei klar, dass am 21. Juli nur der erste Zinsschritt anstehen könne. Sollte sich der mittelfristige Inflationsausblick nicht bessern, "halte ich einen größeren Zinsschritt für ganz klar angemessen".

Der EZB-Rat hat angesichts der Rekord-Inflation nach langem Zögern den Ausstieg aus ihrer ultralockeren Geldpolitik beschlossen: Bei der nächsten regulären Sitzung des EZB-Rates am 21. Juli will die EZB die Leitzinsen erstmals seit elf Jahren erhöhen, zunächst um je 0,25 Prozentpunkte. Für die September-Sitzung hat die Notenbank einen weiteren - womöglich größeren - Zinsschritt in Aussicht gestellt.

Höhere Zinsen könnten vor allem für hochverschuldete Staaten in Südeuropa zur Belastung werden. Zuletzt waren schon die Renditen von italienischen Staatsanleihen kräftig gestiegen. Die EZB will dagegen einschreiten und hat ein neues Anti-Kriseninstrument angekündigt. Dazu äußerte sich Nagel skeptisch. Es sei Aufgabe der Mitgliedstaaten, das Vertrauen in ihre Finanzpolitik zu stärken. Er mahne zur Vorsicht, "mit geldpolitischen Instrumenten Risikoprämien begrenzen zu wollen".

Nur in Ausnahmesituationen und unter engen Voraussetzungen ließen sich ungewöhnliche geldpolitische Maßnahmen gegen Fragmentierung rechtfertigen. Bei einer EZB-Entscheidung über ein "Anti-Fragmentierungsinstrument" wäre es zentral, dass dieses "zeitlich eng begrenzt" sei, forderte Nagel. "Klar ist, dass unser Fokus derzeit auf den sehr hohen Preissteigerungsraten liegen muss."

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