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Bundesbank hielt Zweifel an Wirecard-Aktion der Bafin zurück

Nicholas Comfort und Birgit Jennen
·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Als die Bafin 2019 ein Leerverkaufsverbot für die Wirecard AG erwog, zweifelte die Bundesbank am Sinn einer solchen Maßnahme. Doch die Währungshüter sahen sich letztlich als unzuständig und traten dem Aufseher nicht entschieden entgegen. Das geht aus Akten des Bundestags-Untersuchungsausschusses hervor, die Bloomberg News einsehen konnte.

Anders als die Bafin befanden die Bundesbank-Experten, dass die Berg- und Talfahrt der Wirecard-Aktie kein Störpotenzial für den breiteren Markt habe, zeigt interne Korrespondenz aus den Akten. Doch nach einem Gespräch zwischen Vizepräsidentin Claudia Buch und ihrer Bafin-Kollegin Elisabeth Rögele im Februar 2019 entschied sich die Bank, diese Einschätzung nicht offiziell zu den Akten zu geben.

“Die Bafin ist die Herrin des Verfahrens”, erklärte Buch am Freitag im Wirecard-Untersuchungsausschuss. “Wir wären bereit gewesen, eine Stellungnahme abzugeben. Aber die Bafin hat keine Stellungnahme angefragt. Und wir waren der Meinung, dass dies auch nicht unbedingt notwendig ist.”

Die Einschätzung der Bundesbanker war damals jedenfalls gelassener als die der Bafin. “Exzessive Preisbewegungen und Spillover-Effekte auf andere Marktteilnehmer erscheinen daher eher unwahrscheinlich”, lautete das Resümee eines Bundesbankers in einer E-Mail, die sich in den Akten findet. “Auch ist die gesamtwirtschaftliche Bedeutung des Unternehmens im Vergleich zu anderen Finanzinstituten eher gering. Die Ausführungen der Bafin zu möglichen Verwerfungen werden daher zumindest bezweifelt.”

Die Wirecard-Aktie schwankte 2019 extrem hin und her, nachdem vor allem die Financial Times über Unregelmäßigkeiten in der Bilanz berichtete, die erst im folgenden Jahr über dem Unternehmen zusammenbrachen. Die Bafin schien lange mehr Energie darauf zu verwenden, gegen Shortseller und Journalisten vorzugehen, die den Skandal aufdeckten, als auf die Klärung der Vorwürfe gegen die Wirecard. Rögele und Bafin-Chef Felix Hufeld haben inzwischen ihren Rücktritt angekündigt.

“Die Bafin wollte das Leerverkaufsverbot offenbar unter allen Umständen und hat es regelrecht durchgeboxt – und sich damit auf die Seite von Wirecard gestellt”, sagte Danyal Bayaz, Obmann der Grünen im Untersuchungsausschuss. Die Shortseller seien der Behörde “meilenweit voraus” gewesen, so Bayaz: “Der Skandal ist, dass die Behörde sich geweigert hat, ihre Hinweise zu illegalen Geschäften Wirecards überhaupt einmal anzuhören, geschweige denn ihnen nachzugehen.”

Das Finanzministerium hatte den Abgeordneten mitgeteilt, dass die Bundesbank sich nicht zu dem Thema geäußert habe, weil die Frage nicht die Finanzstabilität betreffe, für die sie zuständig sei. Eine Sprecherin der Bundesbank verwies auf diese Mitteilung.

Die Bafin begründete ihr Verbot später damit, sie hätte die Marktintegrität wahren müssen - ein Bereich, für den im Unterschied zur Finanzstabilität die Bafin und nicht die Bundesbank zuständig ist, wobei die Abgrenzung der beiden Themen nicht immer leicht fällt.

Eine Bafin-Sprecherin bekräftigte die Position der Behörde, dass das Leerverkaufsverbot nicht zum Schutz von Wirecard erfolgt sei, sondern weil man von der Münchener Staatsanwaltschaft spezifische Hinweise auf geplante Manipulationen erhalten habe.

Überschrift des Artikels im Original:Bundesbank Missed Chance to Push Back on Wirecard Short Sale Ban

(Neu: Kommentare von Buch im Untersuchungsausschuss.)

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