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Bundesbank-Bericht: So entwickeln sich die Vermögen der Deutschen

Die Vermögen der deutschen Haushalte wachsen. Allerdings ist der Reichtum hierzulande weiterhin ungleicher verteilt als zum Beispiel in Italien.


Alle drei Jahre befragt die Bundesbank rund 5000 deutsche Haushalte, wie reich sie sind. Das Ergebnis des am Montag veröffentlichten Berichts: Die Vermögen nehmen zu. An der ungleichen Verteilung verändert sich aber nur wenig.

Dass reiche Haushalte noch reicher geworden sind, liegt vor allem daran, dass die Immobilienpreise stiegen. Aber auch die Ärmeren wurden ein bisschen reicher. Das führt die Bundesbank vor allem auf höhere Einkommen zurück. Außerdem spielt ihrer Analyse nach eine Rolle, dass wegen der niedrigeren Zinsen die Kreditkosten gesunken sind. Damit bleibt mehr Spielraum zum Sparen.

Die Ergebnisse für 2017, die jetzt erst im Monatsbericht veröffentlicht worden sind, zeigen einen klaren Aufwärtstrend. Der Mittelwert des Vermögens nach Abzug der Schulden erreichte 233.000 Euro. Das sind 8,5 Prozent mehr als drei Jahre zuvor. Der Mittelwert ist die Summe aller Vermögen geteilt durch die Anzahl aller Haushalte. In der Statistik wird dieser Wert häufig auch arithmetisches Mittel genannt.

Der mittlere Wert - auch Median - hingegen erreichte nur 70.800 Euro. Der Median ist der Wert, der genau in der Mitte steht, wenn alle Vermögen ihrer Höhe nach geordnet werden. Er liegt sogar 17 Prozent höher als vor drei Jahren.

Die hohe Abweichung von Mittelwert und mittlerem Wert voneinander zeigt aber an, dass die Vermögen in Deutschland sehr ungleich verteilt sind. Denn wenn bei der Berechnung des Mittelwertes alle Vermögen aufaddiert werden, werden höhere Summen stärker gewichtet.

Der Median bzw. mittlere Wert hingegen sagt, dass die Hälfte der Haushalte weniger als 70.800 Euro hat. Das heißt, das also selbst im besten Fall nur knapp ein Drittel der Haushalte den Mittelwert von 233.000 Euro erreicht.

Interessant ist der Vergleich mit anderen Ländern. In Italien zum Beispiel lag der Mittelwert 2016 bei 206.000 Euro, der Median aber deutlich höher bei 126.000 Euro. Hier ist die Verteilung also ausgeglichener. In den USA dagegen hatten die Haushalte 2016 im Schnitt umgerechnet etwa 625.000 Euro, aber der Median lag im Verhältnis dazu recht niedrig bei 88.000 Euro.


Die Unterschiede zwischen den drei Ländern zeigt auch der Gini-Koeffizient. Er ist eine statistische Maßzahl für Ungleichheit. Sie liegt in Deutschland bei den Vermögen seit Jahren bei rund 75. In Italien schwankt sie etwa um 63, in den USA ist sie in den letzten Jahren auf 86 gestiegen.

Für Deutschland gibt die Bundesbank noch eine weitere aufschlussreiche Aufschlüsselung. Danach besitzt die ärmere Hälfte der Bevölkerung seit Jahren rund drei Prozent des Vermögens. Die reichsten zehn Prozent kamen zuletzt auf 55 Prozent, dabei spielen neben Immobilien auch Unternehmensanteile eine große Rolle.

Das ist etwas weniger als 60 Prozent drei Jahre zuvor. Als mögliche Gründe nennt die Bundesbank aber selber eine möglicherweise unzureichende Erfassung der Vermögen am oberen Rande – sie vermeidet bewusst, hier einen echten Trend zu konstatieren.

Wichtig für das Verständnis in Deutschland ist auch: Hier besitzen nur 44 Prozent der Haushalte Häuser oder Wohnungen, während zum Beispiel in Italien und Spanien der entsprechende Wert bei weit über der Hälfte liegt. Anders gesagt: Der mittlere Haushalt im statistischen Sinn hat überhaupt keinen Immobilienbesitz.

Vor allem hierauf ist zurückzuführen, dass die Vermögen in Deutschland relativ ungleich verteilt sind. Eine Frage ist auch, wie teuer die Immobilien in den jeweiligen Ländern sind. In einzelnen Hauptstädten wie Paris oder Rom sind Wohnungen sehr teuer, was den Durchschnitt der Vermögen nach oben drückt, ohne dass dem notwendigerweise ein entsprechender Wohnkomfort gegenüber steht.