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Brexit-Banken wollen 675 Milliarden Euro nach Deutschland verlagern

·Lesedauer: 3 Min.

Die Verschiebung von Bankgeschäften von London nach Frankfurt nimmt Fahrt auf. Die Bundesbank fordert von den Instituten aber weitere Anpassungen. Es seien noch nicht „alle Hürden genommen“.

Durch den Brexit dürften in Frankfurt bis Anfang nächsten Jahres rund 2500 neue Arbeitsplätze bei Banken und Finanzdienstleistern entstehen. Foto: dpa
Durch den Brexit dürften in Frankfurt bis Anfang nächsten Jahres rund 2500 neue Arbeitsplätze bei Banken und Finanzdienstleistern entstehen. Foto: dpa

Für die Finanzbranche rückt die Stunde der Wahrheit näher. Nach dem Austritt der Briten aus der Europäischen Union (EU) endet 2021 eine Übergangsphase, in der für das Vereinigte Königreich noch EU-Regeln gelten. Banken können viele Geschäfte dann nicht mehr von London aus betreiben.

Viele Geldhäuser haben deshalb Niederlassungen in der EU auf- oder ausgebaut und Geschäft in großem Umfang auf den Kontinent verschoben. Nach Angaben der Bundesbank haben die Institute bisher alleine nach Deutschland Bilanzpositionen von 278 Milliarden Euro verlagert und wollen diese Summe bis Anfang nächsten Jahres auf 675 Milliarden Euro aufstocken.

„Es ist erfreulich, dass viele Institute mit der Verlagerung ihrer Geschäfte bereits weit vorangeschritten sind“, sagte Joachim Wuermeling, der oberste Bankenaufseher der deutschen Bundesbank, an diesem Montag. „Einige Banken und deren Kunden wollen aber offenkundig bis zur letzten Minute mit den tatsächlichen Verlagerungen warten: Sie sollten besser jetzt handeln.“

Wegen der Coronakrise verzögert sich bei vielen Instituten der geplante Personalaufbau in Frankfurt. Vor dem Hintergrund der Pandemie wird es die Finanzaufsicht den Instituten vermutlich gestatten, dass einige Mitarbeiter für einen Übergangszeitraum vom Home Office in Großbritannien aus für deutsche Niederlassungen arbeiten.

Dauerhaft bestehen bleiben wird diese Möglichkeit jedoch nicht. „Verlagerungen von Bilanzpositionen und Mitarbeitern sind – bei aller von der Aufsicht gewährten Flexibilität – zeitnah abzuschließen“, fordert Wuermeling. „Die Pandemie darf nicht als Vorwand dienen, notwendige Anpassungen weiter hinauszuzögern.“

Insgesamt haben nach Angaben der Bundesbank 40 Kreditinstitute, Wertpapierfirmen und Finanzdienstleister in Deutschland neue Lizenzen erhalten oder bestehende Genehmigungen erweitert. Weitere 24 Anträge von weniger bedeutsamen Firmen werden noch bearbeitet.

„Der Brexit kann kommen“

Laut Bundesbank planen die in Deutschland lizenzierten Brexit-Banken bis Anfang nächsten Jahres 2500 Mitarbeiter in die EU zu verlagern. Zu den Instituten, die ihr Personal in Frankfurt bereits deutlich aufgestockt haben, zählen unter anderem die US-Institute JP Morgan und Goldman Sachs.

Der Finanzaufsicht ist es wichtig, dass die deutschen Einheiten der internationalen Banken voll handlungsfähig sind und dass auch das Risikomanagement vor Ort angesiedelt ist. Die Möglichkeiten, auf Dienstleitungen aus London zurückzugreifen, soll nur sehr eingeschränkt möglich sein.

Wuermeling ist der Ansicht, dass die im Zuge des Brexits nach Deutschland kommenden Institute insgesamt gut auf das Ende der Übergangsfrist vorbereitet sind. „Allerdings sind noch nicht alle Hürden genommen“, mahnt der Bundesbank-Vorstand. „Die Banken müssen die verbleibenden Wochen nutzen, um die Vorbereitungslücken zu schließen.“

Aus Sicht von Wuermeling sind die größten Risiken im Zuge des Brexits makroökonomischer Natur. Im Finanzsektor erwartet er keine Turbulenzen. „Aus unserer Sicht kann der Brexit daher kommen“, sagte der Bankenaufseher. „Auch wenn ein Rest an Unwägbarkeit bleibt, kann der Schalter jetzt umgelegt werden.“ Eine Gefahr für die Finanzstabilität sehe er durch den Brexit nicht.

In der EU buhlen neben Frankfurt auch Paris, Amsterdam, Dublin und Luxemburg um die Ansiedlung von Finanzinstituten aus London. Viele internationale Banken entscheiden sich bei ihrer Europazentrale für die Mainmetropole – auch wegen der räumlichen Nähe zur Europäischen Zentralbank, die für die Aufsicht über die größten Geldhäuser zuständig ist. Im Handelsgeschäft stocken viele Institute dagegen eher in Paris auf.

Aus Sicht der Bundesbank ist der Wettbewerb zwischen den europäischen Standorten legitim. Er sollte jedoch nicht dazu führen, dass einzelne Mitgliedstaaten mit laxeren Regeln um Banken werben, mahnt Wuermeling. „Ein harter Brexit darf nicht den Startschuss zu einem Deregulierungswettlauf geben.“

Abgesehen vom Wettbewerb innerhalb der EU wäre es aus Sicht von Bankern und Finanzmarktaufseher wichtig, auch die Beziehungen zu Großbritannien weiter zu pflegen. „Es ist ziemlich offensichtlich, dass London global gesehen ein sehr wichtiges Finanzzentrum bleiben wird“, sagte Felix Hufeld, der der Chef der deutschen Finanzaufsicht Bafin, vergangene Woche.

Hufeld fordert deshalb, dass sich die EU und Großbritannien zusammenreißen und sich möglichst schnell auf neue Wege der Kooperation nach dem Brexit verständigen. „Wenn wir das nicht tun, sitzen die lachenden Gewinner in Städten wie New York und Shanghai.“