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Bund übernimmt Uniper: Das steckt hinter der größten staatlichen Rettungsaktion der bundesdeutschen Geschichte

Der staatliche Einstieg bei Uniper gehört zu den größten der Geschichte der Bundesrepublik. - Copyright: JENS SCHLUETER/AFP via Getty Images
Der staatliche Einstieg bei Uniper gehört zu den größten der Geschichte der Bundesrepublik. - Copyright: JENS SCHLUETER/AFP via Getty Images

Am früheren Dienstag hatten Business Insider und Bloomberg exklusiv über die kurz bevorstehende Übernahme des Düsseldorfer Gaskonzerns Uniper berichtet. Nach den abschließenden Verhandlungen steht nun fest, dass der Bund Mehrheitsaktionär wird, teilte der bisherige Mehrheitsaktionär Fortum am Mittwoch mit. Nach Abschluss einer Kapitalerhöhung und dem Erwerb der Uniper-Anteile von Fortum werde der Bund etwa 98,5 Prozent der Anteile an Uniper besitzen.

Damit übernimmt der deutsche Staat alle bisher vom finnischen Energiekonzern Fortum gehaltenen Uniper-Anteile. Der finnische Konzern hält derzeit knapp 78 Prozent an Uniper. Über den möglichen Kaufpreis wurde nichts bekannt.

Die Bundesregierung steht damit kurz vor der größten staatlichen Rettungsaktion der Geschichte der Bundesrepublik. Wir beantworten alle wichtigen Fragen:

Was ist Uniper?

Uniper ist der größte Gasimporteur und Gashändler Deutschlands. 2021 konnte das Unternehmen einen Umsatz von 163 Milliarden Euro verzeichnen – nur Volkswagen hatte mehr. Mehrheitseigentümer war bisher das finnische Unternehmen Fortum, das zum Großteil dem finnischen Staat gehört. Der Bund stieg beim strauchelnden Energiekonzern im Juli mit 30 Prozent ein. Insgesamt schnürte die Bundesregierung bereits ein milliardenschweres Rettungspaket in Höhe von 15 Milliarden Euro.

Warum ist Uniper so wichtig?

Uniper ist zu groß, um zu scheitern. Die Energieversorgung Deutschlands hängt davon ab. Der Versorger betreibt neben seinem Kerngeschäft Gas – das mehr als 80 Prozent des Umsatzes ausmacht – auch Wasser-, Kohle- und Kernkraftwerke in Europa und Russland.

In Europa und Russland besitzt Uniper eigenen Angaben zufolge eine Stromerzeugungskapazität von 33 Gigawatt – ein Gigawatt entspricht der Leistung eines typischen Kernkraftwerks. 2021 hatte der Energieversorger demnach genügend Erdgas im Portfolio, um 22 Millionen deutsche Haushalte zu beheizen. Hierzulande beziehen Hunderte Stadtwerke ihr Gas für die Haushalte über Uniper. Auch die Industrie ist von dem Versorger abhängig. Zudem ist der Konzern auch einer der größten Flüssiggashändler.

Ist die Rettung alternativlos?

Nach Recherchen von Business Insider hat die Bundesregierung vor dem ersten Rettungspaket Ende Juli auch geprüft, Uniper pleitegehen zu lassen. Anlass: Zuvor hatten die Ratingagenturen damit gedroht, die Kreditwürdigkeit des Unternehmens herabzustufen, weil sie die wirtschaftliche Fähigkeit zur Fortführung der Geschäftsaktivitäten anzweifelten.

Am Ende entschied sich die Regierung dagegen. Relevant war insbesondere für das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin, dass durch eine Uniper-Pleite unabsehbare Folgeinsolvenzen von bis zu 200 deutschen Stadtwerken und großen Industrieunternehmen hierzulande befürchtet wurden. Wie groß die Gefahr jedoch tatsächlich ist, also wie hoch damit zum Beispiel die Kosten für einen Rettungsschirm für Stadtwerke wären, blieb bis zuletzt offen. Eine Übernahme Unipers sei indessen rechtlich möglich, heißt es übereinstimmend aus Regierungskreisen.

Was ändert sich für die Kunden?

Für die Gas-Kunden von Uniper wird sich voraussichtlich nach der Verstaatlichung vorerst nichts ändern. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) will auch weiterhin an der Gasumlage festhalten, durch die Gasimporteure ihre Mehrkosten auf die Kunden verteilen können. Kritik am Festhalten an der Umlage gab es zuletzt aus der Opposition.

Der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Jens Spahn begrüßte am Dienstag die bevorstehende Verstaatlichung - es brauche aber Klarheit über Kosten und die Rolle des finnischen Großaktionärs. Spahn sagte im Fernsehsender Welt: "Wir wollen gerne mal sehen, welche Milliardensummen mittlerweile insgesamt für Uniper aufgewendet worden sind. Und eines ist auch ziemlich klar: Die Gasumlage braucht es dann erst recht nicht mehr, wenn es ein Staatsunternehmen ist, dann sollte eben auch der Staat dort entsprechend über Bürgschaften zum Beispiel die Gaslieferungen absichern, aber nicht die Bürger zusätzlich belasten. Die Gasumlage gehört abgeschafft. Das ist spätestens jetzt klar."

Was kostet die Rettung?

Die Bundesregierung rechnet nach Recherchen von Business Insider intern mit Gesamtkosten von rund 30 Milliarden Euro für die Übernahme. Die Uniper-Übernahme ist damit die mit Abstand größte staatliche Rettungsaktion der Geschichte.

Was wird aus den Arbeitsplätzen?

Weltweit beschäftigt Uniper 11.500 Mitarbeiter. Was genau mit ihnen nach einer staatlichen Übernahme passiert, ist nicht klar. Noch im Juli begrüßte die Gewerkschaft Verdi eine Mehrheitsbeteiligung des Bundes an dem Unternehmen. Zuvor war vor einer Zerschlagung des Gasriesen gewarnt worden, da sonst Tausende Arbeitsplätze in Gefahr wären. Für die Mitarbeiter dürfte die staatliche Übernahme also vorerst ein gutes Zeichen sein.

Mit Material der DPA