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„BTC ist kaum noch zu stoppen“: Die Übersetzer des Bitcoin Standards im Interview

David Scheider

BTC-ECHO: Ihr habt den Bitcoin Standard von Saifedean Ammous übersetzt. Wieso habt ihr euch für dieses Buch entschieden? 

Fabio: Der Bitcoin Standard war das erste Buch, das ich über Geldtheorie und Wirtschaftswissenschaften in Bezug auf Bitcoin gelesen habe. Das hat mich voll erwischt: Ich hatte zwar davor schon etwas über die Österreichische Schule gehört. Der Bitcoin Standard bringt aber all das auf den Punkt und schlägt dazu noch die Brücke zu Bitcoin. Die Idee war, das Buch für alle zugänglich zu machen – auch für Interessierte, die kein Englisch sprechen. 

BTC-ECHO: Auf eurer Website Aprycot.de finden sich eine Menge deutschsprachiger Ressourcen zu Bitcoin, etwa Artikel, Videos und Podcasts. Wieso dieser Fokus auf Bitcoin? 

Fabio: Wie viele im Space haben wir auch die klassische Reise durchgemacht. Nachdem wir Bitcoin entdeckt hatten, wirkte zunächst die „Blockchain-Technologie“ als das revolutionäre Phänomen. Irgendwann ist uns aber klar geworden, dass eigentlich Sound Money (etwa: solides Geld) der wichtigste Use Case für die Blockchain-Technologie ist. Insbesondere der Freiheits-Aspekt fasziniert uns dabei. Bitcoin hat einfach die am weitesten fortgeschrittenen Netzwerkeffekte und ist kaum noch zu stoppen, deshalb dieser Fokus. 

Stefan: Andere Kryptowährungen können mit dem Bitcoin-Wertversprechen einfach nicht konkurrieren. 

Fabio: Genau, im Zuge dieses Projekts haben wir uns dann entschlossen, Aprycot Media zu gründen. Dort sammeln wir deutschsprachige Inhalte, mit denen man Neulingen Bitcoin recht schnell näherbringen kann.

„Seit Gold ist Bitcoin das erste Gut, das die Eigenschaften soliden Geldes erfüllt.“

BTC-ECHO: Ihr habt Sound Money, einen Begriff, für den es bisher kein etabliertes deutsches Pendant gibt, mit „solidem Geld“ übersetzt. Was versteht ihr darunter? 

Stefan: Heute wird Geld schlicht durch einen Fingerdruck – häufig in Form von Kredit – geschaffen. Sound Money ist das Gegenteil davon: Es gibt nur eine begrenzte Geldmenge, die man nicht nach Belieben erhöhen kann. 

Fabio: Die Geldschöpfung muss aus der Hand der Menschen gelöst werden. Früher war das Geldsystem mit Gold als Währung einfach fairer. Nur diejenigen, die Arbeit investiert haben, konnten Gold beziehungsweise Geld finden. Heute ist Geld nicht mehr selten und diejenigen, die näher an der Geldschöpfung sitzen, profitieren davon enorm. Wir finden, das ist ungerecht. Seit Gold ist Bitcoin das erste Gut, das die Eigenschaften soliden Geldes erfüllt. 

BTC-ECHO: Für Bitcoiner ist der Bitcoin Standard das Standardwerk schlechthin. Neben den Passagen über die Geschichte des Geldes finden sich allerdings auch sehr umstrittene Thesen. Die Ad-Hominem-Attacken gegen Keynes etwa oder die Ansicht, dass nur Kunst, die in langen, mühsamen Prozessen erschaffen wurde, „gute Kunst“ ist. Wie seid ihr beim Übersetzen mit diesen Passagen umgegangen? 

Stefan: Allgemein haben persönliche Angriffe natürlich in einem Sachbuch nichts zu suchen. Da schlägt Saifedean vielleicht teilweise ein wenig über die Stränge. In dem Buch finden sich definitiv Thesen, mit denen wir nicht übereinstimmen. Aber vielleicht sorgen genau diese Passagen für interessante Diskussionen.

Fabio: Ich denke, die Haltung, dass Kunst heutzutage nicht mehr das ist, was sie mal war, soll die Idee unterstützen, dass das Geldsystem die Zeitpräferenz erhöht. Das heißt, früher hatten die Menschen eine geringere Zeitpräferenz und haben daher mehr Arbeit – auch in ihr künstlerisches Schaffen – investiert. Trotzdem gehören auch für mich unsachliche Argumente wie dieses in kein Sachbuch. Letzten Endes lässt sich über Geschmack in Sachen Kunst aber natürlich auch streiten.

BTC-ECHO: Die Passagen finden sich dann also auch in der Übersetzung? 

Stefan: Klar, wir als Verlag können und möchten ja nicht zensieren. 

BTC-ECHO: Im Podcast mit Alex Roos hattet ihr angekündigt, das Projekt über Tallycoin zu crowdfunden. Laut Website habt ihr allerdings nur etwa acht Prozent eures Investitionsziel erreichen können. Wie habt ihr die Übersetzung letztlich finanziert? 

Fabio: Wir hatten lange überlegt, wie wir das Projekt finanzieren. Haben uns aber dann für die Bitcoin-Variante entschieden, weil das Buch auch in dem Space seine Wurzeln hat. Leider haben wir das angestrebte Ziel verfehlt. Allerdings konnten wir durch die dadurch erzielte Aufmerksamkeit zwei Sponsoren gewinnen: Puzzle ITC sowie den Gründer der Bitcoin Schweiz GmbH Jürg Kradolfer. Trotzdem mussten wir den Großteil der Finanzierung aus eigener Tasche stemmen. 

BTC-ECHO: Welches Projekt steht als nächstes an?

Stefan: Wir stehen bereits mit ein paar anderen Autoren und Verlagen im Gespräch – fix entschieden ist allerdings noch nichts. Gerne wollen wir nochmal ein Buch übersetzen, welches genau, steht aber noch nicht fest. Auch ein Podcast ist in Planung. 

 

Source: BTC-ECHO

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