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Nach „brutalen“ Wochen – Autoabo-Firma Finn sammelt über 100 Millionen Euro ein

Teile des deutschen Teams hinter Finn. Gründer Max-Josef Meier (4.v.l.) starte das Unternehmen 2019
Teile des deutschen Teams hinter Finn. Gründer Max-Josef Meier (4.v.l.) starte das Unternehmen 2019

Das hochgefundete Münchner Autoabo-Startup Finn hat sich wieder Geld besorgt. Im Zuge einer Series-B-Runde kamen umgerechnet rund 104 Millionen Euro (110 Millionen Dollar) zusammen, wie Gründerszene vorab erfuhr. Das neue Eigenkapital überwies mehrheitlich der französische VC Korelya. Die Pariser sind bereits am Berliner Unicorn Getyourguide und dem Sharing-Dienst Bolt beteiligt.

Weitere Mittel für Finn steuerten unter anderem die Londoner VCs Keen Ventures und Greentrail Capital bei. Bestehende Investoren wie White Star Capital, HV Capital, Heartcore Capital, UVC Partners und Picus Capital beteiligten sich ebenfalls erneut an dem Münchner Unternehmen. Die Bewertung von Finn liegt nach Gründerszene-Informationen leicht unterhalb von 500 Millionen Euro. Im Vergleich zur vorherigen Runde im Dezember 2020 entspräche das grob einer Verfünffachung.

Zwei Faktoren dämpfen Nachfrage

Dass die Runde zu diesen Konditionen abgeschlossen werden konnte, darüber ist Finn-Gründer Max-Josef Meier im Gespräch mit Gründerszene sichtlich erleichtert. Sein Startup bewegt sich in einem turbulenten Marktumfeld. „Die letzten Wochen waren ziemlich brutal“, sagt Meier. Tech-Unternehmen wie die Gebrauchtwagenplattformen Auto1 oder Carvana hätten an der Börse massiv an Wert verloren. Zudem sorgten Engpässe bei Computerchips bei Autoherstellern weiter für Lieferprobleme. Auch Finn könne daher aktuell nicht so viele Fahrzeuge anbieten wie geplant. Hinzu kommen steigende Spritpreise infolge des Ukraine-Krieges. „Das hat die Nachfrage zusätzlich gedämpft“, erklärt Meier. Momentan bestehe die Finn-Flotte zu einem Drittel aus E-Autos, den Großteil machten Verbrenner aus.

Wachsen konnte das Startup zuletzt dennoch. Im vergangenen Jahr habe sich die Zahl der gebuchten Auto-Abos verzehnfacht – von 1.000 auf derzeit rund 10.000. Die Umsätze seiner Firma möchte Meier auf Nachfrage nicht kommentieren. Bei einer Gebühr von monatlich 299 Euro für das günstigste Fahrzeug im Finn-Sortiment (Fiat 500) ergäbe sich jedoch ein wiederkehrender Monatsumsatz von mindestens drei Millionen Euro.

Am häufigsten abonniert werden laut Meier die Modelle Opel Crossland (369 Euro) und Jeep Compass (ab 499 Euro). Die „Brot und Butter SUVs“, wie er sagt. Dementsprechend dürfte der Monatsumsatz höher liegen. Finn hat rund 10.000 Fahrzeuge diverser Hersteller im Sortiment. Um die Autos vorzufinanzieren, hat Finn zusätzlich Fremdkapital aufgenommen. Mehr als 680 Millionen Dollar flossen dafür bereits in das Unternemen. Die Fahrzeuge bezieht Finn direkt bei den Herstellern. Neben Opel, Fiat, BMW und Audi gehören dazu etwa auch Modelle von Tesla.

Wette auf Ende des Autokaufs

Kunden können die Fahrzeuge zu Laufzeiten zwischen ein und zwölf Monaten abonnieren – und auch kurzfristig wieder kündigen. Von klassischen Leasingangeboten abheben will sich Finn durch ein umfangreiches All-Inclusive-Paket. So sind die Kosten etwa für Versicherung, Werkstattbesuche und Kfz-Steuer bereits inkludiert. Oben drauf kommen nur die Kosten für Sprit oder Strom.

Finn hofft damit vom Trend hin zu weniger Autokäufen zu profitieren. Daran glauben auch Experten vom CAR-Center Automotive Research in Duisburg: Dessen Vorsitzender Ferdinand Dudenhöffer geht davon aus, dass 2030 jährlich bis zu eine Million Neuwagen per Abo an den Mann gebracht werden. Auch Tesla-Chef Elon Musk fabuliert schon länger vom Ende des klassischen Autobesitz.

Besondere Konkurrenzsituation in den USA

Finn-Gründer Max-Josef Meier will sein Angebot deshalb schnell in weitere Regionen bringen. Bereits vor einem Jahr war das Startup in die USA expandiert. Dort sollen Kunden statt wie bisher in vier künftig in acht Bundesstaaten die Auto-Abos nutzen können. Dazu zählen Kalifornien und Florida.

Eine Besonderheit aus Sicht von Gründer Meier: „Normalerweise gibt es in den USA für jedes Geschäftsmodell schon zwei bis drei Unicorns, weshalb man sich als deutsches Unternehmen lieber auf andere Länder konzentriert. In unserem Bereich ist das anders.“ So gebe es in den Staaten derzeit nur wenige, eher kleine Anbieter für Auto-Abos. Go und Autonomy zum Beispiel. „Die befinden sich aber noch in der frühen Seed-Phase, das verschafft uns einen Wettbewerbsvorteil“, so Meier.

Bis Jahresende plane Finn deshalb auf rund 25.000 Fahrzeuge aufzustocken, der Großteil davon entfalle auf den US-Markt. In Deutschland ist die Konkurrenz indes größer. Hierzulande muss sich Finn unter anderem mit Cluno, Instadrive und den Autohersteller-eigenen Abo-Angeboten um Kunden streiten. Immerhin: Das Geschäft in Deutschland könnte sich bald selbst refinanzieren. „Wir werden im Heimatmarkt demnächst die Profitabilität erreichen“, lässt Meier verlauten.

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