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Britisches Ministerium gibt versehentlich Mailadressen afghanischer Dolmetscher preis

·Lesedauer: 2 Min.
Taliban-Kämpfer in Kabul (AFP/BULENT KILIC)

Das britische Verteidigungsministerium hat versehentlich die E-Mailadressen von mehr als 250 afghanischen Dolmetschern preisgegeben und diese damit womöglich in Gefahr gebracht. Der britische Verteidigungsminister Ben Wallace entschuldigte sich am Dienstag für den "inakzeptablen" Fehler und suspendierte einen Mitarbeiter seines Ministeriums. Der Fehler "könnte Dolmetscher das Leben kosten, besonders wenn sie sich noch in Afghanistan befinden", sagte ein Dolmetscher der BBC.

"Zu sagen, ich sei darüber verärgert, war eine Untertreibung", sagte Wallace und entschuldigte sich während einer Fragestunde vor dem Parlament. Er habe eine Untersuchung angeordnet. Für den Umgang mit Daten und Korrespondenzen seien bereits neue Richtlinien erlassen worden. Der Verteidigungsminister bestätigte, dass die E-Mail von einem Mitarbeiter seines Ministeriums verschickt worden sei. Dieser sei für die Dauer der Untersuchung vom Dienst freigestellt.

Eine Sprecherin des Ministeriums hatte die Datenpanne am Montagabend eingestanden. Die BBC hatte zuvor berichtet, das Verteidigungsministerium habe Dolmetschern, die nach Großbritannien einreisen wollen, eine E-Mail geschickt, in der es Hilfe bei der Ausreise aus Afghanistan versprach. Dabei waren alle Empfängeradressen für alle anderen Empfänger sichtbar. Häufig waren die Adressen zudem mit einem Profilfoto versehen, das ebenfalls allen Empfängern angezeigt wurde.

Die Ministeriumssprecherin sagte später, es seien Untersuchungen zu einem "Datenschutzverstoß" der für Ausreisen aus Afghanistan zuständigen Behördenabteilung eingeleitet worden. "Wir entschuldigen uns bei allen, die von diesem Verstoß betroffen sind, und arbeiten hart daran, dass sich so etwas nicht wiederholt", fügte sie hinzu.

Der konservative Abgeordnete und frühere Staatsekretär im Verteidigungsministerium, Johnny Mercer, sprach von einem "kriminell fahrlässigen" Vorfall. Viele ehemalige Ortskräfte müssten nun wohl erneut untertauchen, um einer Vergeltungsaktion zu entgehen. Dem BBC-Bericht zufolge schickte das Ministerium 30 Minuten nach der ersten Mail eine weitere, in der es die Dolmetscher aufforderte, ihre E-Mailadressen zu ändern.

Nach der Machtübernahme der Taliban befürchten ehemalige Mitarbeiter westlicher Streitkräfte, Organisationen und Botschaften in Afghanistan Vergeltungsaktionen der Islamisten. Im August hatte es bereits eine ähnliche Datenpanne gegeben: Die Zeitung "The Times" berichtete damals, in der britischen Botschaft in Kabul seien Dokumente mit persönlichen Informationen über Angestellte und Bewerber zurückgelassen worden.

Premierminister Boris Johnson hatte Anfang September gesagt, nach Ende der Evakuierungsmaßnahmen befänden sich noch 311 Menschen mit Schutzstatus in Afghanistan. "Wir werden alles tun, um sicherzustellen, dass diesen Menschen die sichere Ausreise gewährt wird, die sie verdienen", sagte er im Parlament. Großbritannien hatte über 15.000 Menschen aus Afghanistan ausgeflogen.

ck/ju

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