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Brexit und Virussorgen belasten das Pfund – Es droht ein historisches Tief

·Lesedauer: 3 Min.

Die britische Währung gibt zum Wochenanfang deutlich nach. Im Falle eines harten Brexits fürchten Devisenexperten weitere Verluste.

Bei den Brexit-Verhandlungen zwischen den Briten und der EU ist eine weitere Frist verstrichen. Das Europaparlament hatte eine Einigung bis zum Wochenende gefordert, um ein Abkommen noch in diesem Jahr ratifizieren zu können. Daraus wird nun nichts mehr werden.

Zudem haben Frankreich und andere EU-Staaten wegen der raschen Ausbreitung einer Mutation des Coronavirus ihre Grenzen zu Großbritannien geschlossen. Die Insel befürchtet deshalb Versorgungsengpässe.

Beide Faktoren belasten am Montag das britische Pfund deutlich. Der Kurs gab zeitweise um mehr als ein Prozent gegenüber dem Euro und dem US-Dollar nach. Devisenexperten halten aber noch deutlich höhere Verluste für möglich, wenn es tatsächlich zu einem harten Brexit kommt und Großbritannien ohne ein Abkommen aus dem europäischen Binnenmarkt ausscheidet.

„Der Markt geht bisher immer noch davon aus, dass die Klippe eines harten Brexits umschifft wird“, sagt Commerzbank-Devisenexperte Ulrich Leuchtmann. Sollte dies nicht gelingen, hält er es für möglich, dass sich die britische Währung in Richtung der Parität zum Euro entwickelt. Aktuell notiert sie bei etwa 0,91 Pfund je Euro.

Die Schwankungen des Pfund-Kurs zum Euro und US-Dollar haben zuletzt zugenommen, wie sich an der impliziten Volatilität ablesen lässt.

Auch am Montag wollen Vertreter von Großbritannien und der EU die Brexit-Gespräche fortsetzen. Die beiden wichtigsten Streitpunkte sind nach wie vor Fischereirechte und Wettbewerbsbedingungen. Beim ersten Punkt geht es darum, wie die Fangquote in den britischen Hoheitsgewässern künftig aufgeteilt werden soll. In der zweiten Frage darum, inwieweit sich Großbritannien künftig an EU-Standards halten muss, um den Zugang zum Binnenmarkt zu behalten.

Hoffnung auf eine Einigung

Aktuell ist Großbritannien für eine Übergangsfrist bis Jahresende weiter Teil des EU-Binnenmarkts, obwohl es die Staatengemeinschaft Ende Januar verlassen hat. Bis Ende des Jahres muss daher der künftige Status eigentlich geklärt sein. Selbst wenn sich beide Seiten noch einigen, ist es zeitlich aber kaum möglich, ein Abkommen noch rechtzeitig zu verabschieden.

„Im besten Fall einigen sich beide Seiten noch auf ein Abkommen, das dann später ratifiziert wird,“ sagt Commerzbank-Analyst Leuchtmann. Auch eine Verlängerung der Verhandlungen über das Jahresende hinaus sei denkbar. Solange beide Seiten noch miteinander reden, ergibt es aus seiner Sicht keinen Sinn, einen harten Brexit einzupreisen. Wenn es jedoch dazu kommt, hält er das Pfund für sehr anfällig.

Wirtschaftlich droht Großbritannien im Falle eines harten Brexits eine schwere Rezession. Dies könnte die britische Notenbank zu einer weiteren Lockerung ihrer Geldpolitik zwingen – was das Pfund tendenziell belasten würde.

Besonders starke Auswirkungen auf den Wechselkurs hätte wahrscheinlich die Einführung von Minuszinsen. Die britische Notenbank hat in diesem Jahr erklärt, einen solchen Schritt zu prüfen. Bislang signalisierte sie aber eher, darauf verzichten zu wollen. Das könnte sich bei einem harten Brexit ändern.

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Commerzbank-Analyst Leuchtmann hält das Pfund jedoch auch wegen wirtschaftlicher Ungleichgewichte für anfällig. „Der große Sorgenfaktor im Falle eines harten Brexits wären die Kapitalflüsse“, sagt er. Traditionell schreibt Großbritannien hohe Defizite im Handel von Waren und Dienstleistungen mit dem Ausland. Das heißt: Das Land ist auf Kapitalzuflüsse aus dem Ausland angewiesen, um hierfür zu bezahlen. Normalerweise ist dies kein Problem.

Im Falle eines harten Brexits könnten Investoren allerdings zögern mit weiteren Anlagen – was den Pfund-Kurs unter Druck setzen würde. Eine stärkere Pfund-Abwertung könnte dann helfen, die Leistungsbilanz der Briten wieder mehr ins Gleichgewicht zu bringen. Durch ein billigeres Pfund wären britische Produkte auf dem Weltmarkt günstiger und damit wettbewerbsfähiger.

Noch aber gibt es die Hoffnung auf eine Einigung. Auch im vergangenen Jahr steckten die Verhandlungen lange fest, bis sich beide Seiten auf den letzten Drücker doch noch auf einen Kompromiss verständigten. Allerdings ist die Ausgangslage heute vielleicht noch komplizierter geworden.