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Das sagt Brand zur deutschen Olympia-Enttäuschung

·Lesedauer: 6 Min.
Das sagt Brand zur deutschen Olympia-Enttäuschung
Das sagt Brand zur deutschen Olympia-Enttäuschung

Für die deutschen Handballer ist der Traum von einer Olympiamedaille in Tokio jäh geplatzt. Unerwartet deutlich musste sich das Team von Bundestrainer Alfred Gislason Ägypten im Viertelfinale mit 26:31 geschlagen geben.

Die Zielvorgabe des Deutschen Handball-Bundes, die Goldmedaille zu holen, wurde damit klar verpasst. Im Gespräch mit SPORT1 macht Handball-Legende Heiner Brand deutlich, wie das Scheitern einzuordnen ist. (Olympia 2021: Alle Entscheidungen im SPORT1-Liveticker)

Darüber hinaus spricht der 69 Jahre alte Weltmeistertrainer von 2007 über Kapitän Uwe Gensheimer, die Rolle von Gislason und die allgemeine Situation im deutschen Handball.

Brand: Verdienter Sieg der Ägypter

SPORT1: Herr Brand, wie war Ihr Eindruck von der deutschen Mannschaft im Viertelfinale? Die Niederlage gegen Ägypten fiel am Ende ja doch deutlich aus.

Heiner Brand: Zunächst einmal muss man sagen, dass die deutsche Mannschaft alles gegeben hat, was in ihrer Möglichkeit stand. Es war eine sehr starke ägyptische Mannschaft, die vor allem im Angriff in der ersten Halbzeit schon sehr viel Druck ausgeübt und generell überragend gespielt hat. Insgesamt war es ein verdienter Sieg der Ägypter, ohne der deutschen Mannschaft zu viele Vorwürfe zu machen. Die deutsche Mannschaft hatte in diesem Spiel im Endeffekt keine Chance. Sicherlich hätte es etwas besser ausgesehen, wenn der ägyptische Torwart nicht einige Hundertprozentige zunichte gemacht hätte. Aber das gehört dazu, in der Anfangsphase hat Andreas Wolff auch ein paar wichtige Bälle gehalten.

SPORT1: Im Vorhinein wurde vom DHB das Ziel Medaille ausgegeben, das letztendlich klar verfehlt wurde. Waren die starken Ägypter der Hauptgrund, dass es nicht geklappt hat, oder muss man sich beim DHB Gedanken machen, was besser hätte laufen können?

Brand: Man muss festhalten, wer dieses Ziel ausgegeben hat, es waren nicht die Handballfachleute. Alfred Gislason wollte zwar ins Halbfinale kommen, was möglich gewesen wäre. Mit einer konsequenteren Spielweise und ein bisschen mehr Glück in der Vorrunde hätte man im Viertelfinale eine bessere Ausgangslage haben können. Also war das Halbfinale durchaus ein realistisches Ziel. Die andere Geschichte war Bob Hanning, der schon 2013 von der Goldmedaille in Tokio gesprochen hat. Das muss man trennen von dem, was die Mannschaft gesagt hat. Die Mannschaft war sich ebenso wie der Trainer der Schwere der Aufgabe bewusst. Ihnen war klar, dass das kein Selbstläufer wird und dass man verlieren kann, wenn es in die K.o.-Runde geht. Da muss man differenzieren, wer was sagt.

“Für mich als Sportler ist es ohnehin uninteressant, was ein Funktionär sagt”

SPORT1: Hätte Hanning sein Ziel dann insbesondere nach der enttäuschenden WM Anfang des Jahres revidieren müssen?

Brand: Nein, für mich als Sportler ist es ohnehin uninteressant, was ein Funktionär sagt. Es ist relevanter, was Trainer und Mannschaft sagen. Ich glaube schon, dass sie die Situation richtig eingeschätzt haben und wussten, dass sie einiges erreichen konnten, aber dann hätte alles auch optimal laufen müssen.

SPORT1: Welche Spieler haben Sie in Tokio überzeugt, von wem hätten Sie mehr erwartet?

Brand: Die Mannschaft hat mich insgesamt nicht enttäuscht. Es gab sicherlich ein paar zu viele schwache Momente in der Schlussphase des Spiels gegen Frankreich und auch gegen Spanien. Die beiden Torhüter haben insgesamt ein starkes Turnier gespielt. In Abwehr und Angriff haben die Spieler im Rahmen ihrer Möglichkeiten agiert. Klar gibt es die eine oder andere Situation, in der Philipp Weber mehr die Kontrolle behalten hätte müssen oder Julias Kühn mehr liefern müssen. Viel geholfen hat der Mannschaft Steffen Weinhold, insbesondere mit seiner Dynamik im Angriff. Ansonsten will ich keinen besonders hervorheben oder von keiner größeren Enttäuschung sprechen. Von Kapitän Uwe Gensheimer hätte ich mir sicherlich mehr Durchsetzungskraft, aber auch mehr Einsatzzeiten gewünscht. Aber Gislason wird seine Gründe gehabt haben, warum er auch gegen Ägypten nicht gespielt hat. Ich weiß nicht, ob er verletzt war oder was dahinter steckt. Da gibt es sicherlich Gründe vonseiten des Trainers, die kann ich als Außenstehender aber nicht beurteilen.

Darum hatte es Gislason schwer

SPORT1: Wie beurteilen Sie generell Gislasons Handeln in der Vorbereitung und während des Turniers?

Brand: Er hat einen sehr souveränen Eindruck hinterlassen. Man muss auch berücksichtigen - und das ist immer ein Problem in Deutschland - dass die Spieler durch die lange Liga-Saison schon sehr hohen Belastungen ausgesetzt waren, insbesondere die aus den Spitzenvereinen. Angesichts einer so kurzen Erholungs- und Vorbereitungszeit bei der deutschen Mannschaft ist ein Team wie Ägypten im Vorteil, das zwar einige Spieler in Frankreich oder Spanien hat, sich aber insgesamt besser und länger auf so ein Turnier vorbereiten kann. So etwas muss man nicht unbedingt am Trainer festmachen, sondern insgesamt betrachten. Aber das ist bei uns ja schon seit 20 Jahren so, dass wir, was die Vorbereitung betrifft, schlechtere Bedingungen haben, wobei die Verantwortlichen der Bundesliga jetzt im Gegensatz zu früheren Jahren versuchen, die Nationalmannschaft zu unterstützen. Aber der Terminplan gibt eben nicht mehr her.

SPORT1: Platz zwölf bei der WM 2021, jetzt das Viertelfinal-Aus bei Olympia: Wo steht der deutsche Handball im internationalen Vergleich?

Brand: Er steht sicherlich nicht ganz oben, das kann man nach den letzten Resultaten sagen. Aber er gehört immer noch in die Spitze hinein. Die Mannschaft ist auch immer in der Lage, das hat man in der Vorrunde gesehen, Spitzenmannschaften Probleme zu bereiten. Aber es fehlt eben an den Erfolgen in den wichtigen Momenten. Dennoch zählt die deutsche Mannschaft - und das werden die Trainer der anderen Nationen bestätigen - noch immer zur Weltspitze. Insbesondere so ein zwölfter Platz bei einer WM sagt nichts über das wahre Leistungsvermögen einer Mannschaft aus. Ob man am Ende Sechster oder Zwölfter wird, entscheiden Kleinigkeiten. Zu ganz oben fehlt allerdings die Konstanz, das machen andere Mannschaften wie Dänemark, Schweden oder Norwegen, die wir geschlagen haben, momentan besser.

Brand über deutschen Handball: “Man muss sich schon Gedanken machen”

SPORT1: Das heißt, man muss sich um die deutsche Handball-Nationalmannschaft in den nächsten Jahren keine Sorgen machen?

Brand: Man muss sich schon Gedanken machen und die Gründe für die fehlenden Resultate bei den vergangenen Turnieren analysieren. Die Mannschaft ist von der Altersstruktur her nicht die jüngste. Das wird immer so hingestellt, aber es sind schon einige Spieler klar über 30 und einige an der Grenze. Als ganz Junger ist im Augenblick nur Juri Knorr dabei. Sicherlich wird Wolff im Tor noch einige Jahre spielen können. Mit Timo Kastening und Johannes Golla ist schon ein Fundament da. Aber bei den anderen muss man abwarten, wie lange sie noch spielen. Also Gedanken muss man sich schon machen, aber ich denke, insgesamt ist man auf einem guten Weg, weil auch in der Bundesliga jetzt viele Junge zum Einsatz kommen, die ihre Erfahrungen sammeln können. Aber man darf die individuelle Ausbildung nicht außen vor lassen. Man muss anerkennen, dass Mannschaften wie Frankreich oder Ägypten individuell besser besetzt sind, zumindest was die Angriffsleistung betrifft.

Alles zu den Olympischen Spielen 2021 bei SPORT1:


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