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Brüssel macht Weg frei für Verkauf der ThyssenKrupp-Edelstahlsparte

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Brüssel (dapd). Bei ThyssenKrupp geht eine Ära zu Ende. Die EU-Kommission hat Deutschlands größtem Stahlkonzern grünes Licht für den Verkauf seiner traditionsreichen Edelstahlsparte Inoxum an den finnischen Konkurrenten Outokumpu gegeben. ThyssenKrupp (Xetra: 750000 - Nachrichten) -Chef Heinrich Hiesinger sagte am Mittwoch, das 2,7-Milliarden-Euro-Geschäft sei ein "wichtiger Meilenstein" für die strategische Weiterentwicklung des Stahlherstellers zu einem diversifizierten Industriekonzern.

Durch die Fusion von Outokumpu (Düsseldorf: 472618.DU - Nachrichten) und Inoxum entsteht ein neuer Weltmarktführer im Edelstahlsektor mit mehr als 15.000 Beschäftigen. Die Übernahme soll nach Angaben aus Finnland noch in diesem Jahr vollzogen werden.

Allerdings genehmigte die EU-Kommission den Zusammenschluss nur unter Auflagen. Outokumpu musste sich verpflichten, das Inoxum-Edelstahlwerk im italienischen Terni zu verkaufen. Denn die Wettbewerbshüter befürchteten, dass der neue Edelstahlkonzern sonst dank seiner Marktmacht Preiserhöhungen hätte erzwingen können.

EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia sagte, durch die Trennung vom Standort Terni werde "sichergestellt, dass sich das Aufkommen eines neuen europäischen Marktführers nicht negativ auf die Verbraucher und die Unternehmen in Europa auswirkt". Für den Verkauf haben die Finnen sechs Monate Zeit.

Outokumpu erhofft sich von dem Zusammenschluss trotz der Auflagen Einsparungen von fast 200 Millionen Euro jährlich - ein wichtiger Wettbewerbsvorteil auf dem hart umkämpften Edelstahlmarkt. Vor den Auflagen der EU war der Konzern sogar von einem Synergiepotenzial von mindestens 225 Millionen Euro ausgegangen.

Durchbruch für ThyssenKrupp-Chef Hiesinger

Für ThyssenKrupp-Chef Hiesinger ist der Verkauf des Sorgenkindes ein wichtiger Durchbruch bei seinen Bemühungen, den Schuldenberg des Essener Konzerns abzubauen und das Unternehmen weniger abhängig vom konjunkturanfälligen Stahlgeschäft zu machen.

Offen war zunächst, inwieweit die Auflagen der EU-Kommission Auswirkungen auf den Kaufpreis haben. Doch hieß es in Essener Unternehmenskreisen, an der Größenordnung werde sich nichts ändern. Ohnehin erhalten die Essener nach früheren Angaben nur rund eine Milliarde Euro des Kaufpreises in bar. Hinzu kommt eine Beteiligung von gut 29 Prozent an dem neuen Edelstahl-Marktführer.

An den Plänen zur Schließung der Inoxum-Schmelzbetriebe in Krefeld und Bochum hält Outokumpu trotz der Trennung vom Werk Terni fest, wie ein Inoxum-Sprecher der Nachrichtenagentur dapd sagte.

Für ThyssenKrupp ist der Verkauf ein historischer Einschnitt. Vor 100 Jahren, am 18. Oktober 1912, hatte der Krupp-Konzern beim Reichspatentamt in Berlin das erste Patent für rostfreien Stahl angemeldet. Es war die Geburtsstunde der Edelstahlsparte des Unternehmens. Unter dem Markennamen Nirosta - ein Kunstwort für nichtrostender Stahl - begann danach der Siegeszug der Erfindung um die Welt.

dapd