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BP verkauft Petrochemiegeschäft für fünf Milliarden US-Dollar

Der britische Ölkonzern BP setzt den Konzernumbau fort. Dafür trennt sich das Unternehmen mit einem Milliardendeal von seinem Petrochemiegeschäft.

BP-Chef Bernard Looney macht einen weiteren Schritt in Richtung seines Ziels, den Energieriesen zu einem grünen Unternehmen zu machen: Er kündigte am Montag überraschend den Verkauf des Petrochemie-Geschäfts für Aromaten und Acetyle an. Für fünf Milliarden Dollar soll der Bereich mit mehr als einem Dutzend Standorte an den Spezialchemie-Konzern Ineos gehen.

Das Geschäft hat aus Sicht des BP-Chefs mehrere Vorteile: Zum einen bringt es dringend benötigtes Geld in die Kasse. BP hatte gerade angekündigt, bis zu 17,5 Milliarden Dollar abschreiben zu müssen, weil der Wert des Ölpreises und damit auch der von Ölförderanlagen neu eingeschätzt wurde. Zudem läuft derzeit ein Stellenabbau von bis zu 10.000 der 70.000 Arbeitsplätze.

Mit der Ankündigung kann BP-Chef Looney zudem das Ziel erfolgreich abhaken, bis 2021 insgesamt 15 Milliarden Dollar durch Verkäufe von Unternehmensteilen einzunehmen – und das ein Jahr früher als erwartet. 

Und darüber hinaus verabschiedet sich BP mit dem Verkauf von einem Geschäft, das nicht selten wegen seiner Auswirkungen auf die Umwelt in der Kritik steht. Unter Petrochemie versteht man die erste Stufe der Verarbeitung von rohölbasierten Rohstoffen zu petrochemischen Grundstoffen, etwa für die Kunststoffproduktion aber auch Wasch- und Reinigungsmittel oder Zwischenprodukte für Pharmazeutika.

Aber bei der Produktion von petrochemischen Produkten wird viel Energie benötigt. Und weil die Nachfrage nach diesen Produkten stark ansteigt, erwarten etwa die Experten der Internationale Energieagentur IEA, dass bis 2050 mehr Öl und Gas für Petrochemie verbraucht wird als für Kraftstoffe zum Antrieb von Motoren.

BP will bis 2050 klimaneutral werden

Derartige Aussagen dürfte BP-Chef Looney nicht gern hören – schließlich hat er schon zu seinem Amtsantritt die „grüne Neuerfindung“ von BP angekündigt: Der Energiekonzern solle bis spätestens 2050 klimaneutral werden. Zugleich sollen die Treibhausgasemissionen sämtlicher BP-Aktivitäten weltweit sowie den Treibhausgasausstoß aus der Öl- und Gasförderung auf null gesenkt werden. Außerdem soll noch die Treibhausgasintensität aller von BP vertriebenen Produkte um 50 Prozent fallen.

Es ist ein ambitioniertes Vorhaben für einen Energiekonzern – und die Voraussetzungen dafür sind nicht ideal: Wenige Monate nachdem der 50-Jährige den Chefposten bei BP übernommen hatte, stürzte der Preis für US-Öl im Zuge der Coronakrise zum ersten Mal in der Geschichte ins Minus, und für das erste Quartal musste BP einen Milliardenverlust von 4,37 Milliarden Dollar ausweisen.

Das Vorhaben, den Geschäftsbereich mit über 1700 Mitarbeitern und einem Dutzend Standorten in Nordamerika, Europa und Asien zu verkaufen, passt daher in seinen langfristigen Plan. Strategisch gesehen sei die Überschneidung mit dem Rest von BP begrenzt und es werde beträchtliches Kapital erfordern, um diese Geschäfte auszubauen, erklärte Looney nun.

„Während wir daran arbeiten, ein fokussierteres, integrierteres BP aufzubauen, haben wir andere Möglichkeiten, die besser auf unsere zukünftige Ausrichtung abgestimmt sind. Die heutige Vereinbarung ist ein weiterer bewusster Schritt beim Aufbau einer BP, die durch die Energiewende konkurrieren und erfolgreich sein kann.“ Er sei „jedoch zuversichtlich, dass die Unternehmen als Teil von Ineos, einem weltweit führenden Unternehmen für Petrochemie, florieren werden“.

Der Deal soll in mehreren Stufen über die Bühne gehen, Dabei erhält der Ölkonzern eine Vorabzahlung von 400 Millionen Dollar, weitere 3,6 Milliarden fließen bei Abschluss der Transaktion, der zum Jahresende erwartet wird. Die letzte Milliarde des Kaufpreises soll bis spätestens Juni 2021 gezahlt werden.

Die deutschen Petrochemie-Werke von BP in Gelsenkirchen und Mülheim sind nicht Teil der Transaktion, sie bleiben bei BP.