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BP akzeptiert Rekordstrafe von 4,5 Milliarden Dollar

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New Orleans (dapd). Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko 2010 hat für den Energiekonzern BP und drei Mitarbeiter weitreichende Folgen. Der Ölmulti erklärte sich am Donnerstag in einem Gerichtsverfahren zur Zahlung einer Rekordstrafe von 4,5 Milliarden Dollar (rund 3,5 Milliarden Euro) bereit.

Zudem bekannte sich der Konzern nach Informationen der Nachrichtenagentur AP im Zusammenhang mit dem Tod von elf Ölarbeitern schwerer Straftaten schuldig. Drei leitende Mitarbeiter wurden angeklagt.

Bei der Einigung vom Donnerstag auf 4,5 Milliarden Dollar handelt es sich laut Generalstaatsanwalt Eric Holder um die höchste Strafzahlung, die in den USA je gegen ein Unternehmen verhängt wurde. "Wir glauben, dass diese Einigung im Interesse von BP und seinen Aktionären ist", sagte BP-Chef Carl-Henric Svanberg. Dadurch würden bestimmte Risiken abgewendet und Kapazitäten frei, sich auf bestehende Zivilklagen zu konzentrieren, erklärte er. Holder sagte, ein Großteil des Geldes solle für die Beseitigung der Umweltschäden der Ölpest verwendet werden.

Den Angaben zufolge erklärte sich BP überdies der Sabotage schuldig, weil das Unternehmen den US-Kongress über das wahre Ausmaß der Katastrophe belogen haben soll. David Rainey, damals stellvertretender Leiter der Abteilung für Erkundungen im Golf von Mexiko, wurde nun angeklagt, weil er den Kongress getäuscht haben soll. Zwei (Other OTC: ZWECF.PK - Nachrichten) weitere leitende Mitarbeiter der Bohrstelle, Robert Kaluza und Donald Vidrine, wurden überdies der fahrlässigen Tötung angeklagt. Sie sollen demnach ihren Pflichten in Bezug auf die Sicherheit der Arbeiter nicht nachgekommen sein. Den Angaben zufolge hätten sie die Ingenieure vor Ort anrufen und sie auf Probleme bei den Bohrungen hinweisen müssen.

Bei der Explosion der Ölplattform "Deepwater Horizon" am 20. April 2010 waren elf Arbeiter ums Leben gekommen. Danach gelang es fast drei Monate lang nicht, das Bohrloch zu verschließen. Die Plattform, die 80 Kilometer vor der Küste des US-Staates Louisiana Erkundungsbohrungen im Macondo Ölfeld vorgenommen hatte, war zwei Tage nach der Explosion gesunken. Weil die Schutzventile versagten, flossen in den folgenden Monaten aus dem Bohrloch in 1.500 Metern Tiefe geschätzte 780 Millionen Liter Erdöl ungehindert ins Meer und verursachten die größte Umweltkatastrophe aller Zeiten. Erst am 15. Juli gelang es, das Ölleck am Meeresboden schließen.BP trägt Hauptverantwortung für Ölpest

Das Öl hinterließ eine Spur (Berlin: S2J.BE - Nachrichten) von Tod und Zerstörung. Es verschmutzte weite Teile der US-Küste und drang tief ins Mississippi-Delta (BSE: DELTACORP.BO - Nachrichten) ein. Neben den verheerenden Folgen für Flora und Fauna wurde auch die Wirtschaft, etwa die Seefischerei, durch die Ölteppiche schwer in Mitleidenschaft gezogen. Bei der Untersuchung der Ölpest wurden gravierende Mängel bei der staatlichen Überwachung der Ölindustrie offenbar. In der Folge wurden Tiefwasserbohrungen zeitweilig verboten, da die Behörden und die Ölindustrie zunächst die Risiken analysieren, die Sicherheit erhöhen und bessere Notfallpläne entwickeln mussten.

Das Image des Ölmultis, relativ umweltfreundlich zu arbeiten, wurde durch den Vorfall zerstört. BP-Tankstellen wurden boykottiert, der Firmenchef Tony Hayward musste wegen der vielen gravierenden Vorwürfe gegen BP und den zahlreichen schweren Schnitzern des Unternehmens beim Umgang mit dem Desaster zurücktreten. Neben BP wurden auch der Betreiber der Bohrplattform Transocean und der Zementlieferant Halliburton angeklagt.

Im Januar 2011 kam eine Regierungskommission zu dem Ergebnis, dass die Ölkatastrophe durch Entscheidungen zur Einsparung von Zeit und Geld von BP, Transocean (NYSE: RIG - Nachrichten) und Halliburton (NYSE: HAL - Nachrichten) verursacht wurde. Die Küstenwache kam zudem nach ihrer Untersuchung zu dem Schluss, dass BP die Hauptverantwortung für das Unglück trägt. Die Firma habe Regelungen des Bundes verletzt, wichtige Warnungen missachtet und gravierende Fehlentscheidungen getroffen.

Grobe Fahrlässigkeit

Viele weitere Verfahren, die auch noch sehr teuer werden können, sind gegen BP noch anhängig und sollen nach Richter Barbiers Planung im Januar verhandelt werden. Eine Entscheidung des Richters könnte die Kooperationsfirmen von BP dabei von Milliardenforderungen entlasten. Nach seiner Einschätzung könnten Transocean und Halliburton dann nicht verpflichtet sein, eine Reihe von Schadensersatzansprüchen wegen der Ölpest aufgrund von Verträgen mit BP zu bezahlen.

Die beteiligten Unternehmen haben sich auch gegenseitig verklagt. BP fordert von Transocean 40 Milliarden Dollar. Das US-Justizministerium hat in einer Klageschrift bereits formuliert, dass es BP "grobe Fahrlässigkeit" und "vorsätzliches Fehlverhalten" vorwirft. Das nun in die Strafzahlung mündende Verfahren räumt die im Januar anstehenden Klagen nicht aus.

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