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Boeings 737 Max darf in Europa wieder abheben – unter Bedingungen

Koenen, Jens
·Lesedauer: 5 Min.

Die europäische Behörde EASA gibt Boeings wichtigstes Flugzeug wieder frei. Was alles geändert werden muss, damit die Maschinen in die Luft dürfen.

Die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA hat den Kurz- und Mittelstreckenjet 737 Max am Mittwoch wieder freigegeben. Für den schwer angeschlagenen US-Flugzeugkonzern Boeing ist das eine wichtige Nachricht auf der hart umkämpften Mittelstrecke. Selbst wenn es noch einige Zeit dauern dürfte, bis die Max in Europa wieder mit Passagieren abhebt, und das Modell ein schweres Imageproblem hat: Der Hersteller kann aktuell jede Auslieferung gebrauchen.

Das Desaster mit der Max hat den US-Konzern in eine schwere Krise geführt, die durch die Folgen der Pandemie zusätzlich beschleunigt wurde. Während der Rivale Airbus im vergangenen Jahr 566 Flugzeuge ausliefern konnte, waren es bei Boeing bescheidene 157 Verkehrsjets.

Der 737 Max war im März 2019 nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Todesopfern die Betriebserlaubnis entzogen worden. Eine zu aggressiv programmierte Steuerungssoftware, MCAS, von der die Piloten zudem nichts wussten, hatte die tragischen Unglücke mitverursacht. Boeing muss die Maschinen nun nachrüsten.

Frühestens in der zweiten Jahreshälfte werden nun europäische Fluggesellschaften das Flugzeug wieder einsetzen. Die Nachrüstung kostet Zeit, auch die Piloten müssen nachgeschult werden. Zudem brauchen die Airlines wegen der Corona-Pandemie derzeit keine neuen Flugzeugkapazitäten.

Die Max dürfte zum Neustart eines der am intensivsten überprüften Flugzeuge der Welt sein. Dafür sorgen folgende Auflagen der Flugsicherheitsbehörden:

  • Sowohl die FAA als auch die EASA verlangen zum einen, dass die neue und geprüfte Version der Steuerungssoftware MCAS aufgespielt wird.

  • Daneben müssen im Cockpit zusätzliche Anzeigegeräte für die sogenannten AoA-Sensoren installiert werden, die den Anstellwinkel des Jets messen. Boeing hatte immer nur die Daten eines Sensors gezeigt. Wich dieser Wert wegen eines Fehlers von dem eines zweiten Sensors ab, wurde das den Piloten anders als in den meisten anderen Flugzeugen nicht angezeigt.

  • Die EASA hat zudem noch einen dritten AoA-Sensor empfohlen, diesen aber nicht zwingend vorgeschrieben. Dem will Boeing in einigen Monaten durch die Installation eines zusätzlichen „virtuellen Sensors“ nachkommen.

  • Anders als die US-Kollegen der FAA verlangen die Spezialisten der EASA zudem einen Knopf, mit dem bei einer Notsituation der sogenannte „Stick-Shaker“ abgeschaltet werden kann. Piloten hatten beklagt, dass der sich schüttelnde und auch lärmende Steuerungshebel den Stress im Cockpit unnötig erhöhe und ablenke.

  • Gleichzeitig schreibt die EASA vor, dass die Flugzeugführer künftig schneller bei ungewöhnlichen Flugsituationen den Autopiloten abschalten und selbst die Steuerung des Jets übernehmen. „Wir haben schwierige Fragen gestellt, bis wir Antworten bekommen haben, und Lösungen eingefordert, die unsere Sicherheitsanforderungen erfüllten“, sagte EASA-Chef Patrick Ky. Doch der Prozess sei damit noch nicht beendet. Ky sprach von „einem Meilenstein auf einem langen Weg“.

Dennoch dürfte der eine oder andere Fluggast weiterhin beim Boarding ein ungutes Gefühl haben. Einige Airlines wollen den Namen Max deshalb gar nicht auf der Bordkarte oder am Jet selbst nennen. Doch das Vertrauen der Passagiere dürfte wachsen, je länger der Jet im Einsatz ist. In den USA fliegt die Max bereits seit Dezember wieder im Linienverkehr. Doch welche Fluggesellschaft setzt auf das Modell?

  • In Europa war die Max bis zur Zwangsstillegung unter anderem bei einigen Airlines des Reisekonzerns Tui im Einsatz, allerdings nicht bei der deutschen Tuifly. „Nach der Wiederzulassung durch die EASA werden wir nun die weiteren Schritte prüfen“, sagte ein Sprecher von Tui Deutschland.

  • Die Billigairline Norwegian hat 18 Max in der Flotte. Das Management hatte im vergangenen Sommer angekündigt, 92 Bestellungen für die Max stornieren zu wollen. Allerdings steckt die Airline in einer existenziellen Krise und hat vor wenigen Tagen beschlossen, sich aus dem Langstreckengeschäft zurückzuziehen und nur noch Kurz- und Mittelstrecke zu fliegen. Wie schnell dabei die Max wieder zum Einsatz kommen wird, wurde bisher nicht gesagt.

  • Der größte Betreiber der Max in Europa ist die irische Billigairline Ryanair. Sie hat die Zahl der bestellten Max im Dezember sogar von 135 auf 210 erhöht. Ryanair betreibt auch bisher eine reine 737-Flotte, will das eingesetzte Vorgängermodell aber ersetzen. Die erste Max könnte hier im Laufe des Sommers eingeflottet und zunächst in Großbritannien eingesetzt werden.

  • Sunexpress – ein Joint Venture von Lufthansa und Turkish Airlines – erwartet die erste Max gegen Ende des Jahres. Ähnlich ist die Situation bei der deutschen Tuifly, die auch einige der neuen Flugzeuge bestellt hat.

Zölle verteuern die Max

Bis neue Max nach Europa geliefert werden, muss allerdings noch ein anderes Problem gelöst werden. Wegen des Dauerstreits zwischen der EU und den USA um Subventionierung der Hersteller Airbus und Boeing wurden auf beiden Seiten des Atlantiks Zölle auf Flugzeuge und Flugzeugteile verhängt.

Das verteuert die neuen Jets. Ryanair-Chef Michael O’Leary hatte deshalb vor einiger Zeit gefordert, dass Boeing diese zusätzlichen Kosten übernimmt. Der US-Konzern hat sich dazu bisher nicht geäußert. Gleichzeitig gibt es in der Branche die Hoffnung, dass der Zollwettstreit unter dem neuen US-Präsidenten Joe Biden entschärft werden kann.

Rund 1000 Max-Bestellungen wurden mittlerweile storniert. Experten wie Steven Ferencz Udvar-Hazy, der CEO des Leasingunternehmens Air Lease, kann sich zwar vorstellen, dass einige dieser Stornierungen wieder rückgängig gemacht werden, sobald die Pandemie unter Kontrolle gebracht werden kann.

Insgesamt hat die 737 die besten Zeiten hinter sich. Boeing muss sich rasch an die Entwicklung eines Nachfolgers machen. Der Rivale Airbus ist mit seiner modernisierten A320neo und den Varianten, die mit zusätzlichen Tanks auch auf die Langstrecke gehen können, viel besser für den Luftverkehr nach der Pandemie gerüstet.

Hinzu kommt: Die A320 hat laut Experten eine etwas bessere Effizienz als die Max. Udvar-Hazy von Air Lease kann sich deshalb vorstellen, dass Airbus längerfristig Boeing weitere Aufträge bei den Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen abnimmt und sich hier bis zu 65 Prozent des Markts sichern kann.