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Bochumer Fachhochschule bietet Studiengang für den Nachbergbau

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Bochum (dapd-nrw). Den Begriff "Strukturwandel" kennt das Ruhrgebiet seit Jahrzehnten. Doch eine akademische Ausbildung von Fachleuten zur Nachnutzung von ehemaligen Bergbaustandorten gab es bislang nicht. Die Technische Fachhochschule (TFH) Georg Agricola in Bochum beschreitet in diesem Bereich nun Neuland. Sie bietet ab dem Sommersemester als erste Hochschule in Deutschland einen Master-Studiengang Geoingenieurwesen und Nachbergbau an. Bis zu 40 Studenten pro Semester sollen dort lernen, wie nach der Schließung von Bergwerken die ehemaligen Montanstandorte sinnvoll - und das heißt nicht zuletzt betriebswirtschaftlich erfolgreich - vermarket werden können.

Dass es erst jetzt einen solchen Studiengang gibt, bringt Professor Christian Melchers doch etwas ins Grübeln. "Vermutlich hängt es damit zusammen, dass jetzt definitiv feststeht, dass bis 2018 der subventionierte Steinkohlenbergbau endet", sagt Melchers, der an der TFH die Stiftungsprofessur für den neuen Master-Studiengang übernommen hat. Deutschland habe damit weltweit "eine Vorreiterrolle" bei der Entwicklung der ehemaligen Zechengelände, betont der 35-Jährige.

Berufsbegleitender Studiengang geht über sechs Semester

Der Master-Studiengang wendet sich an junge Ingenieure mit einem Bachelor-Abschluss, die bereits einen Job haben und durch die Ausbildung ihre Qualifikationen und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern wollen. Der berufsbegleitende Studiengang geht über sechs Semester und macht im Anschluss eine Promotion möglich. Inhaltlich geht es vor allem um die sogenannten Ewigkeitslasten, die durch den Bergbau verursacht werden - also Themen wie Wasserhaltung, Schachtsicherung oder die Sanierung belasteter Flächen.

"Nachbergbau ist ein Markt, in dem viele Fachleute gebraucht werden", ist sich Melchers sicher. Schließlich gebe es im Ruhrgebiet immer noch mehr als 100 Halden. Und da nicht auf jeder Halde Windkrafträder Sinn machten, müssten alternative Nutzungen erwogen werden. Da habe etwa die Idee, Pumpspeicherwerke auf den Abraumhalden zu errichten, durchaus Charme, betont der Professor.

Finanziell unterstützt wird die Professur von Melchers, der studierter Geologe und Paläontologe ist, für zunächst fünf Jahre durch die RAG-Stiftung. Damit bekennt sich die Stiftung zu ihrer Verantwortung für die Folgen und Kosten des Bergbaus in der Region.

Zudem soll an der TFH ein Kompetenzzentrum für den Nachbergbau aufgebaut werden. Damit würden "wissenschaftliche Themen und Fragestellungen zu den Ewigkeitsaufgaben" aufgegriffen, die durch die RAG-Stiftung ab 2019 zu finanzieren seien, sagt Bärbel Bergerhoff-Wodopia, Vorstand Personal bei der RAG-Stiftung.

Angebot stößt auf großes Interesse

Noch bis Ende Februar können sich Interessenten bei der TFH bewerben. Bei den potenziellen Studenten stößt das neue Lehrangebot offenbar auf großes Interesse. "Wir hatten innerhalb kurzer Zeit etwa 50 Anfragen", berichtet Melchers. Zu einer abendlichen Info-Veranstaltung im Bochum kamen etwa 40 Interessenten.

Zu den Zuhörern gehörte Patrick Steinmetz, der möglichst noch in diesem Jahr an der TFH seinen "Bachelor of Engineering (Mailand: ENG.MI - Nachrichten) " ablegen will. "Wegen der Schließung der Bergwerke bis 2018 wird hier mit dem neuen Studiengang eine Ausbildung angeboten, die eine Lücke füllt", sagt der 22-Jährige. Spätestens mit dem Wintersemester 2013/14 will er sich für den Master-Studiengang einschreiben.

Auch Kommilitone Steffen Novak ist "stark interessiert". Mit den Problemen der Ewigkeitslasten werde das Ruhrgebiet noch etliche Jahre zu tun haben, deshalb mache die akademische Ausbildung von Fachleuten "Sinn", erklärt der 23-Jährige.

Wobei es nach Ansicht von Melchers keinen Königsweg zur Nutzung der ehemaligen Bergwerksgelände gibt. "Die unterschiedlichen Standorte müssen individuell nach ihren Gegebenheiten entwickelt werden", sagt der Professor. Das könne ein Standort für regenerative Energieerzeugung sein oder eben ein Logistikzentrum, wenn das Zechengelände in der Nähe einer Autobahn liegt.

"Und hin und wieder kann natürlich auch eine Landmarke entstehen", betont er. Diese weithin sichtbaren Orientierungspunkte wie das Tetraeder in Bottrop oder der Obelisk auf der Halde Hoheward in Recklinghausen sind die signifikanten Hinweise auf die Bergbauvergangenheit der Region. Für die Nachnutzung von Bergwerksstandorten sollten sie aber wohl eher die Ausnahme bleiben.

dapd

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