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BMW fährt fast 10 Milliarden Euro Gewinn vor Steuern ein — und warnt Aktionäre vor Rohstoff- und Chipkrise

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Firmenzentrale der BMW AG in Muenchen am Petuelring.
Firmenzentrale der BMW AG in Muenchen am Petuelring.

BMW hat am Dienstag seine Geschäftszahlen für das Halbjahr- und zweite Quartal vorgelegt. Diese ziegen: den Blues aus der Corona-Pandemie haben die Münchner abgeworfen. Im ersten Halbjahr verkaufte die BMW-Gruppe 1,34 Millionen Fahrzeuge – darunter auch Minis und Rolls-Royce - und verdiente 9,73 Milliarden Euro vor Steuern.

Im Vorjahreszeitraum, mitten in der Corona-Pandemie, verdiente BMW noch 498 Millionen Euro vor Steuern und verkaufte lediglich 962.575 Fahrzeuge. Allein bei den verkauften Stückzahlen steigerten sich die Münchner im Vergleich zum Vorjahr um 39,1 Prozent. BMW-Chef Oliver Zipse geht von einer Ergebnismarge vor Zinsen und Steuern in der Autosparte für das Gesamtjahr von 7 bis 9 Prozent aus.

Knappe Rohstoffe sorgen für Mehrbelastungen von bis zu 1 Milliarde Euro

Am Dienstagmorgen standen allerdings nicht nur die starken Zahlen der Bayrischen Motorwerke im Vordergrund. Finanzchef Nicolas Peter warnte die Anteilseigner des Konzerns vor Belastungen durch knappe Rohstoffe wie Nickel, Aluminium oder Kupfer, deren Preise entsprechend steigen. Peter rechnet mit Zusatzkosten von bis zu einer Milliarde Euro. Die Chipkrise werde dem Konzern außerdem zusetzen. Mit zunehmender Dauer von Lieferengpässen werde die Situation um eine knappe Halbleiterversorgung angespannter, hieß es von Finanzchef Nicolas Peter.

Nach der Bekanntgabe der Zahlen und der Belastungen, die auf die Münchner zukommen, fiel die BMW-Aktie am Dienstagmorgen um 3,35 Prozent auf 82,06.

Bei BMW sind auch klassische Investoren Anteilseigner, etwa die DWS und Blackrock. Die Fondsmanager dieser Investoren fragen die Autobauer mittlerweile vor allem danach, wie schnell sie ihr Model-Portfolio elektrifizieren und eine wettbewerbsfähige Software entwickeln. Die Konkurrenz der Münchner aus Stuttgart und Wolfsburg geht in beiden Bereichen große Schritte nach vorn. Daimler will ab 2030 ausschließlich Stromer produzieren, Volkswagen will bis dahin als Volumenhersteller den Anteil der E-Autos auf 60 Prozent hieven. Beide Konzerne stellen tausende Mitarbeiter für die Entwicklung einer hauseigenen Software für die Fahrzeuge ein und haben sogar eigene Tarifverträge für die Developer aufgesetzt.

Der Druck auf die Vorstandsetagen in München steigt

BMW hingegen ist stolz auf den eigenen „Sonderweg“. Ab 2030 will man zwar den Anteil der E-Autos an den produzierten Fahrzeugen auf 50 Prozent anheben, das Tempo ist im Vergleich zu den anderen beiden deutlich geringer. Bisher hat BMW mit dem iX, i3, und i4 lediglich drei eigene E-Modelle vorgestellt. Der i4 ist dabei nicht einmal „born electric“, wie man im Fachjargon sagt. Das heißt, dass es sich bis auf den Antriebsstrang um einen völlig normalen BMW handelt.

Die Münchner steigen bisher auch anders als Daimler und Volkswagen nicht selbst die Herstellung von Batteriezellen ein. Sie betreiben in Bayern zwar ein Forschungszentrum für die Zelle, vor dem Schritt in die eigene Herstellung schrecken sie bisher zurück. Aus Unternehmenskreisen heißt es allerdings, dass das Tempo der beiden Wettbewerber aus Stuttgart und Wolfsburg den Druck auf die Vorstandsetagen in München erhöht, entschiedenere Schritte Richtung Elektrifizierung zu gehen.

Mit Material der dpa

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