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Der „Blockchain-Perso“: Bitkom erarbeitet Konzepte für digitale Identitäten

Moritz Draht
·Lesedauer: 3 Min.
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Praktikable Lösungen für „Self-Sovereign Identities“ werden nicht zuletzt durch den „Digitalisierungsschub“ der Corona-Krise immer dringlicher. Der Digitalverband Bitkom hat jetzt ein Positionspapier zu dezentralen digitalen Identitäten vorgelegt und skizziert darin spezifische Anwendungsfälle.

Mit der Verlagerung alltäglicher Anwendungen aus dem physischen in den virtuellen Raum wächst auch die Notwendigkeit nach sicheren Authentisierungs-Lösungen im Cyberspace. Bislang liegen die sensiblen Nutzerdaten meist in den zentralen Servern von Privatanbietern. Von Datenschutz keine Spur. An wen und wozu diese Daten weitergegeben werden, darüber lässt sich häufig nur spekulieren. Die Bundesregierung hat daher bereits in einem Schaufenster-Projekt für innovative Konzepte digitaler Identitäten aufgerufen. Der Digitalverband Bitkom legt nun nach und skizziert verschiedene Anwendungen für dezentrale Idenitäten auf Blockchain-Basis.

Allzweckwaffe Blockchain-Technologie

Der Personalausweis ist der Schlüssel, mit dem man sich Zugang zu Dienstleistungen verschafft, Verträge schließt und sich zumindest im Schengen-Raum frei über Grenzen hinweg bewegen kann. Doch der Personalausweis der analogen Welt sucht sein Pendant im virtuellen Raum. Die Authentisierung im Internet erfolgt weit weniger transparent, als mit einem amtlich beglaubigten Ausweisdokument. Die Erfassung und Speicherung sowie eventuelle Weitergabe von sensiblen Daten ist für Nutzer meist nicht einsehbar.

Dabei ist der Datenschutz das oberste Gebot, wenn es um die Entwicklung von Konzepten für „Self-Sovereign Identities (SSI)“ geht. Das hat nicht zuletzt die hitzig geführte Debatte um die Datenspeicherung einer Corona-App bewiesen. Wie Patrick Hansen, Bereichsleiter beim Bitkom mitteilt, hat die Diskussion über zentrale oder dezentrale Speichervorgänge einer Corona-App gezeigt, „dass die Frage von Datensouveränität und Datensparsamkeit künftig massiv an Bedeutung gewinnen wird“.

Der Schlüssel heißt hierbei laut Hansen Blockchain-Technologie:

Dezentrale digitale Identitäten können mit Hilfe der Blockchain-Technologie ein wichtiger Beitrag für mehr Datensouveränität und Datensparsamkeit sein.

Selbstbestimmung von Daten

In dem Positionspapier „Self Sovereign Identity Use Cases – von der Vision in die Praxis“ hat Bitkom vier alltagsnahe Use Cases für SSI vorgestellt. In diesen werden die Vorteile in der Abgleichung von Compliance Daten großer Pharmakonzerne, der Zugangsverwaltung für Gebäude, Verwaltung fälschungssicherer Bildungszertifikate und Validierung von Lieferantenzertifikaten zwischen Unternehmen erörtert.

Daraus wird klar, dass digitale dezentrale Identitäten auf Blockchain-Basis sämtliche Verwaltungsprozesse beschleunigen oder automatisieren können und damit Intermediäre verdrängen, was letztlich Kosten für Anbieter und Verbraucher einspart. Darüber hinaus gewährleistet die Blockchain-Technologie die Manipulationssicherheit von Daten.

Dezentralen digitalen Identitäten kommt eine besondere Bedeutung zu, weil sich mit ihnen nicht nur Menschen, sondern auch zum Beispiel auch Maschinen oder Unternehmen ausweisen können. Durch vertrauenswürdige, dezentrale Identitäten und Zertifikate lassen sich zahlreiche Prozesse effizienter gestalten, beispielsweise beim Risiko- und Compliance-Management in der Lieferkette.

Dezentrale Identitäten auf Blockchain-Basis geben demnach vor allem Nutzern die Kontrolle und Souveränität über ihre Daten wieder. Zudem können ganze Wirtschaftszweige und Geschäftsmodelle von den automatisierten SSI-Prozessen profitieren. Bis zu einem einheitlichen und interoperablen Modell müssen laut Positionspapier jedoch noch einige regulatorische Hürden genommen werden.

 

Source: BTC-ECHO

Der Beitrag Selbstbestimmung auf Blockchain-Basis: Bitkom entwirft digitale Identitäten erschien zuerst auf BTC-ECHO.