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Bloß nicht zu bieder, aber auch nicht brachial: Wie Porsche bei 911 und Cayenne mit den "GTS"-Modellen auf die goldene Mitte zielt

·Lesedauer: 5 Min.
Testwagen 911 Targa 4 GTS und Cayenne GTS beim Tausch im Porsche-Stammwerk.
Testwagen 911 Targa 4 GTS und Cayenne GTS beim Tausch im Porsche-Stammwerk.

Im Besetzen noch so kleiner Modellnischen hat es die Stuttgarter VW-Tochter Porsche zu einiger Meisterschaft gebracht. Bei der Markenikone 911 etwa weist der Neuwagen-Konfigurator derzeit nicht weniger als 22 Versionen aus: Vom 385 PS starken Carrera Coupé für 111.231 Euro bis hin zum Turbo S Cabriolet mit 650 PS für stolze 240.822 Euro.

Auch bei Porsches großem Geländewagen Cayenne haben Interessenten die Qual der Wahl – zwischen 19 Varianten. Hier beginnt die Palette beim klassischen Steilheck-SUV mit 340 PS für 81.243 Euro und reicht bis hinauf zum schnittigen Turbo GT mit coupéartigem Dachverlauf, 640 PS stark und 200.957 Euro teuer.

Die goldene Mitte des Modellportfolios

Steht "Turbo" auf einem Sportwagen der Schwaben, ist das Fahrzeug zwar besonders schnell – besagter Top-Elfer schafft 330 km/h – , aber eben auch überaus kostspielig. Viele der Einstiegsmodelle von Porsche wiederum sind manchen Freunden des Hauses allzu brav und bieder. Diese Menschen fragen beim Händler dann gern nach der "goldenen Mitte", wie Porsche-Verkäufer übereinstimmend berichten.

Und die legen den Ratsuchenden dann meist drei Buchstaben ans Herz: "GTS".

Die klangvolle Abkürzung steht für Gran Turismo Sport. Also für durchaus langstreckentaugliche Fahrzeuge mit einer gewissen Extraprise, aber keiner bisweilen brachialen Sonderportion Dynamik à la "Turbo". Sie sollen Personenkraftwagen im besten Sinne aller Wortbestandteile sein.

Der Cayenne hat zwanzig PS weniger als der 911

Grund genug für Business Insider, sich mit zwei aktuellen Vertretern von Porsches "GTS"-Klasse eingehend zu beschäftigen. Als Testwagen zur Verfügung standen vor Kurzem ein 911 Targa 4 GTS und ein Cayenne GTS. Nacheinander, jedoch im direkten Anschluss. Wir wollten wissen, was sie können – und was nicht: Der ab 166.209 Euro erhältliche "Elfer" mit besagten drei Buchstaben sowie 480 PS und der entsprechende 460-PS-Cayenne mit seinem Grundpreis von 118.014 Euro.

Beginnen wir mit dem "Targa der Mitte". Dessen technisches Highlight ist fraglos das auf Knopfdruck spektakulär auf- oder zuklappende Dachmittelteil. Eben noch unterwegs in einem dem Coupé ähnelnden "Elfer", fühlen sich wenige Sekunden später die bis zu vier Insassen des "GTS"-Zweitürers fast wie im Cabriolet. Was die Freude der Person auf dem Fahrersitz noch zu heben vermag: Auf Wunsch verbaut Porsche ein Handschaltgetriebe. Im Testauto flutschten dessen sieben Gangstufen so präzise, so knackig rein und raus, dass niemals der Wunsch nach einer – wahlweise verfügbaren – automatisierten Doppelkupplungs-Box aufkam.

Doch auch dies sei betont: Geräumig ist so ein Targa 4 GTS nicht. Weder im vorn platzierten Kofferfach noch auf den arg beengten beiden Rücksitzen. Ein Manko seines Cockpits: Die äußeren der fünf Rundinstrumente werden vom Lenkrad teilweise verdeckt.

In dreieinhalb Sekunden schießt der Elfer auf Hundert

Frei von Beanstandungen hingegen sind die Fahrleistungen im Targa 4 GTS: von null auf Tempo hundert geht es in 3,5 Sekunden, und die Höchstgeschwindigkeit liegt immerhin sieben km/h oberhalb der vor allem am Stammtisch relevanten "300"-Schwelle.

Ein empfehlenswertes Extra des mit seinen Sonderausstattungen gut 186.000 Euro kostenden Testwagens ist das Surround-Sound-System von Bose: Das Ohr fährt schließlich mit, daher ist diese fulminante Beschallungsanlage ihre 1.416,10 Euro wert.

Das Nachtsichtgerät des Cayenne überzeugt

Und das bemerkenswerteste Extra im Cayenne GTS, Porsches opulentem Offroader der Mitte? Das war im Testbetrieb zweifelsohne der sogenannte Nachtsichtassistent für 2.213,40 Euro. Wirklich erstaunlich, wie präzise das Gerät etwa die Konturen vorausfahrender, schlecht beleuchteter Autos oder von weit entfernten Fußgängern am Straßenrand an das Kombiinstrument liefert. Bei tiefster Dunkelheit, wohlverstanden, und aus Bereichen, die das Licht der Scheinwerfer kaum oder noch gar nicht bestreicht.

Raum für Passagiere und Gepäck hat der Cayenne GTS konzeptbedingt im Überfluss zu bieten. Und allemal ausreichende Agilität: 4,8 Sekunden vergehen aus dem Stand bis Tempo hundert, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 270 km/ h. Da muss so manche gehobene Limousine passen.

Fünf Meter Länge und 2,8 Tonnen Gewicht

Sozialkompatibel jedoch ist der bei voller Beladung über 2,8 Tonnen schwere Porsche nicht sonderlich. Fast fünf Meter lang ist dieser Schuppen auf 21-Zoll-Rädern und über zwei Meter breit. An der Ampel kann es passieren, dass Passanten oder die Mitmenschen im Kleinwagen nebenan verächtliche Blicke hinüberwerfen – oder demonstrativ stur wegschauen.

Ausladende Offroader werden eben oft angefeindet für ihren vergleichsweise hohen Platz- und Spritverbrauch. Letzteren beziffert Porsche beim Cayenne GTS im kombinierten Betrieb mit 13,3 bis 14,1 Litern pro hundert Kilometer. Nach Durchsicht der Tankquittungen ist das recht realistisch. Die CO2-Emissionen betragen kombiniert happige 301 bis 309 Gramm pro Kilometer Strecke.

Beide Motoren werden zwangsbeatmet

Die komfortable Achtgang-Tiptronic S passt prima zur bequemen Behaglichkeit des Cayenne GTS, der in der Konfiguration unseres Testwagens mit gut 163.000 Euro zu Buche schlägt. Lob verdient auch das Porsche Communication Management inklusive Online-Navigationsmodul, Handyvorbereitung, Audio­-Schnittstellen und Sprachbedienung.

Übrigens: "Turbo" steht nicht drauf auf den genannten beiden "GTS"-Modellen, aber "Turbo" ist drin: Der Motor des 911 Targa 4 GTS ist ein 2.996 Kubikzentimeter großer Sechszylinder-Boxer mit Biturboaufladung. Und den Cayenne GTS treibt ein V8-Biturboaggregat mit 3.996 Kubikzentimetern Hubraum an.

Fazit: In der Summe kein fauler Kompromiss

Fazit: Wer bei Porsches großem Zweitürer, dem 911, auf Leistungen von 500 PS und mehr locker verzichten kann sowie seinen Spaß hat an einer ingeniösen Dachkonstruktion, ist mit dem Allradler Targa 4 GTS gewiss rundum bestens bedient.

Und wer beim Cayenne den Ruch des Verkehrsraum-Räubers nicht scheut, aber gern mit Familie, Freunden oder Kollegen nebst reichlich Reiseutensilien flott über die Autobahn rollt, wird die "GTS"-Ausführung des großen Viertürers schätzen.

Ein Trost für alle Porsche-Fans, die sich dabei nun nicht wiederfinden: Sie könnten sich auf die Suche machen beim kleinen Zweitürer der sportiven VW-Marke oder bei deren Kompakt-SUV. Denn auch in der Baureihe 718 (Cayman/ Boxster) und beim Macan gibt es "GTS"-Optionen. Doch das ist eine andere Geschichte.

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