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Darum bleiben die Preise für Sprit weiter oben, obwohl der Ölpreis sinkt

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Wer tankt, muss immer noch tiefer in die Tasche greifen.
Wer tankt, muss immer noch tiefer in die Tasche greifen.

Es ist eine Auswirkung des Ukraine-Krieges, die viele Menschen unmittelbar betrifft: die hohen Spritpreise, die teilweise über zwei Euro liegen. Super E10 kostete im bundesweiten Tagesdurchschnitt am Montag 2,203 Euro pro Liter, wie der ADAC am Dienstag mitteilte. Diesel verteuerte sich um 0,2 Cent auf 2,307 Euro pro Liter und liegt damit 1,4 Cent unter seinem Rekordwert aus der vergangenen Woche.

Doch wer jetzt gebannt auf den sinkenden Preis für Rohöl, den Grundstoff für Benzin und Diesel, schaut, wird trotzdem an der Tankstelle enttäuscht werden. Denn während der Preis für Rohöl sich inzwischen fast wieder auf dem Niveau vor Beginn des Ukraine-Kriegs eingependelt hat, bleibt Superbenzin rund 45 Cent teurer, Diesel sogar rund 64 Cent.

Der Verlauf des Ölpreises vom 8. März bis zum 14. März.
Der Verlauf des Ölpreises vom 8. März bis zum 14. März.

Warum ist das so?

Normalerweise bewegen sich die Preise für Öl und Sprit relativ im Gleichschritt, doch derzeit sind Entwicklungen weitgehend entkoppelt. Am Dienstagmittag sank der Preis für Öl der in Europa wichtigen Sorte Brent unter 100 US-Dollar pro Fass, umgerechnet 159 Liter, und näherte sich den Werten vor Kriegsbeginn. Nach dem russischen Angriff war er bis Anfang vergangener Woche auf über 130 Dollar gestiegen. In der Spitze wurde kurzfristig sogar ein Wert von 139,13 Dollar erreicht. Seither ist der Preis allerdings wieder stark gesunken. Bei den Spritpreisen ist davon aber nichts zu bemerken. Im Gegenteil: Sowohl Superbenzin der Sorte E10 als auch Diesel sind in der Phase des Ölpreis-Rückgangs eher teurer als billiger geworden.

"Mineralölkonzerne verdienen gutes Geld"

Das sorgt für Kritik an den Mineralölkonzernen, die im Verdacht stehen, von der Lage zu profitieren. "Mein Eindruck ist, dass ein paar Ölmultis gerade den großen Reibach machen", schrieb der baden-württembergische Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne) am Dienstag auf Twitter.

Auch beim ADAC ist die Preis-Diskrepanz schon aufgefallen. "Trotz aller kriegsbedingter Sondereffekte und Erklärungen für die hohen Spritpreise – irgendwo zwischen Ölförderung und Tankstelle bleibt das zusätzliche Autofahrergeld hängen", sagt Kraftstoffmarkt-Experte Jürgen Albrecht. "Die Mineralölkonzerne verdienen im Raffineriegeschäft derzeit richtig gutes Geld."

Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie (en2x) äußerte sich ähnlich. Ein Sprecher sagte der "Tageszeitung" (taz): "Die Raffinerien verdienen derzeit deutlich mehr Geld als vorher." Am Dienstag verwies der Verband auf eine höhere Nachfrage bei gleichzeitig zurückgegangenem Angebot. Die höheren Preise für Kraftstoffe aus heimischen Raffinerien oder dem Ausland seien "ein Indikator für eine Produktknappheit, die in diesem Fall europa- und weltweit gilt".

Tankstellenverband sieht Angst und Spekulation

Auch der Geschäftsführer des Tankstellenverbands ZTG, Jürgen Ziegner, sieht diese Knappheit. Vor allem bei Diesel und ihm ähnlichen Produkten werde in Deutschland weniger produziert als verbraucht. Ein relevanter Teil des Imports sei bisher aus Russland gekommen, doch viele Händler nähmen bereits ein mögliches Importverbot vorweg. Dadurch werde der Treibstoff knapper und damit teurer. Dazu kämen Angst und Spekulation. Und es sei auch nicht auszuschließen, dass manche Unternehmen versuchten, etwas Speck anzulegen, um für sinkende Preise gewappnet zu sein. Die Tankstellen selbst hätten dagegen kaum Möglichkeiten, die Preise zu gestalten.

Mit Material der DPA

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