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Wird die Blackout-Gefahr real? Eindringliche Warnungen aus Berlin und Paris

Der Gasverbrauch in Deutschland hat ein alarmierendes Ausmaß erreicht, obwohl der Winter noch nicht einmal begonnen hat. Die französische Regierung spricht bereits offen von einer Notsituation und will unbedingt eine Gaspreisbremse erreichen.

Die Lage der Energieversorgung ist in Frankreich und Deutschland ernst. Um Notfälle wie Blackouts im bevorstehenden Winter zu vermeiden, hat die französische Regierung eindringlich an die Bevölkerung appelliert und einen nationalen Energiesparplan vorgestellt.

Die Ministerin für die Energiewende, Agnès Pannier-Runacher, rief zu Verhaltensänderungen auf. Französische Medien wollen in Abstimmung mit der Regierung tägliche Energie-Wetterberichte über den Stand der Versorgung veröffentlichen. Ein Hauptproblem ist seit Monaten bekannt: Die Hälfte der 56 oft veralteteten AKW in Frankreich sind aktuell für Wartungen vom Netz.

"Mit Mythos aufräumen"

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Pannier-Runacher sagte: "Die Parole ist klar: allgemeine Mobilisierung, jeder muss sich engagieren, jeder, denn heute befinden wir uns in einer Notsituation. Notlage für unseren Planeten, der austrocknet und brennt, Notlage für künftige Generationen, Notlage für die Artenvielfalt, Notlage auch für unsere Unabhängigkeit im Energiebereich natürlich und in der Politik. Und hier möchte ich mit einem Mythos aufräumen: Wir waren in Energiefragen noch nie unabhängig. Heute hängen wir zu fast 66% an fossilen Energien, 66%, und die Herausforderung besteht darin, aus diesen fossilen Energien auszusteigen, um unserem Planeten nicht mehr zu schaden."

Unterm Strich will Frankreich den Energieverbrauch in den nächsten zwei Jahren um zehn Prozent senken, bis 2050 um 40 Prozent.

Macron: "Auch wenn es schmerzt"

Bei einem Treffen von Unternehmern in Paris, nach Veranstalterangaben das größte Business Event Europas, sagte Präsident Emmanuel Macron, er werde mit den EU-Partnern eine Gaspreisbremse versuchen zu erreichen. Unternehmen rief Macron zu unverzüglichen Energiesparmaßnahmen auf, auch wenn dies schmerzhaft sei.

Ferner sagte Macron: "Wir werden die anderen Europäer überzeugen, wir werden ein System einführen, das bewirkt, dass das Gas, das wir zur Stromerzeugung verwenden, eine Preisobergrenze erhält. Und das ermöglicht, den Preis für den erzeugten Strom zu senken, wie Sie gut verstehen werden, und das führt dazu, dass alle Gaspreise nach unten gehen, weil es Preisrichtwerte gibt."

Deutschland: Gas-Alarm

In Deutschland warnte der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, der Gasverbrauch sei auch letzte Woche zu stark angestiegen.

Private Haushalte und kleinere Gewerbe hätten zuletzt fast zehn Prozent mehr verbraucht als im Schnitt der drei vorangegangegen Jahre. Müller betonte, die Lage könne sehr ernst werden. Nötig seien mindestens 20 Prozent Einsparungen im privaten, gewerblichen und industriellen Bereich.

Privatkunden und kleinere Betriebe stehen in Deutschland für 40 Prozet des Gasverbrauchs, 60 gehen auf das Konto der Industrie.

Drei Stunden ohne Strom pro Tag?

In Großbritannien warnte der nationale Netzbetreiber vor möglichen Stromschaltungen von drei Stunden pro Tag, allerdings nur, wenn die Energiekrise eskaliere. Stromverbraucher würden in diesem Fall vorgewarnt.

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