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Bitcoin-Kurs: Gewaltige Parallele zu Reichmacher Amazon entdeckt?!

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Die Aktie von Amazon (WKN: 906866) hat viele Investoren der frühen Stunde zu reichen Menschen gemacht. Zwischenzeitlich kam die Aktie dieses E-Commerce-Akteurs sogar einmal auf eine Rendite in Höhe von 63.000 %. Oder, anders ausgedrückt: Wer in den Anfängen 1.000 Euro investiert hätte, wäre zwischenzeitlich auf ein beträchtliches Vermögen in Höhe von 630.000 Euro gekommen.

Ein neues Instrument, von dem sich viele Investoren eine ähnliche Performance erhoffen, ist gegenwärtig Bitcoin. Zumindest ein nicht gerade unbekannter Bitcoin-Enthusiast hat der Kryptowährung Nummer eins nun ein solches Potenzial bescheinigt, was vielen Kryptofans natürlich einen gewissen Auftrieb verleiht.

Schauen wir im Folgenden daher einmal, wer das gewesen ist, was er gesagt hat und ob sein Vergleich sinnvoll erscheint. Kleiner Spoiler an dieser Stelle: Ich bin hier auch weiterhin eher skeptisch.

Darum wandelt Bitcoin auf Amazons Spuren

Genau genommen war es Mark Yusko, der Bitcoin dieses gewaltige Potenzial bescheinigt hat. Hierbei handelt es sich übrigens um den Gründer und Investment-Chief von Morgan Creek Capital, einer Beteiligungsgesellschaft, die nicht bloß in derartige eher spekulative Werte investiert, sondern auch die Megatrends HealthCare & Demographics und Energy und Natural Resources bedient. Neben vielen weiteren, wohlgemerkt.

Im Rahmen eines Interviews mit dem US-Sender CNBC äußerte er sich nun dahin gehend, dass der ideale Zeitpunkt zum Verkauf von Bitcoin niemals sei. Er bleibe daher auch in der aktuellen Korrektur bullisch für die Leitwährung, auch wenn eine gewisse Volatilität nicht von der Hand zu weisen sei.

Sehr bemerkenswert fand ich hierbei, wie gesagt, jedoch die Parallele zu Amazon. Bitcoin zu verkaufen sei demnach wie Amazon (frühzeitig) zu verkaufen. Bislang habe es noch keinen Zeitpunkt gegeben, an dem sich das ausgezahlt hätte, so Yusko, was der Kryptowährung natürlich noch ein gewisses Potenzial einräumt. Soweit zu den Basics, mit denen wir uns im Folgenden beschäftigen möchten.

Es gibt hierbei vieles zu beachten!

Man kann natürlich einerseits leicht hämisch anführen, dass es in den vergangenen Jahren wirklich keinen guten Zeitpunkt gegeben hat, um den Bitcoin zu verkaufen, denn immerhin notiert die Währung beim derzeitigen Kursniveau von knapp über 7.200 Euro (27.09.2019) noch immer weit unter den Höchstständen, die man zum Ende des Jahres 2017 erreicht hat. Zum damaligen Zeitpunkt kostete ein Bitcoin schließlich in der Spitze über 16.000 Euro, was einen Verkauf aus finanzieller Sicht natürlich nicht gerade sinnvoll erscheinen ließ. Zumindest nicht, wenn man nicht mit Verlust aus der Sache herausgehen wollte, allerdings ist das eine andere Sache.

Andererseits existieren jedoch auch andere Dinge, die mich bei einem solchen Vergleich bzw. einer solchen Aussagen stören. So ist Amazon ein Unternehmen, das durch seinen operativen Erfolg im Wert gestiegen ist. Immer mehr Nutzer, ein immer höheres Warenvolumen, immer neuere Geschäftsbereiche, in denen der ursprüngliche E-Commerce-Akteur bewusst durch Entscheidungen des Managements eingestiegen ist, haben hier zu steigenden Umsätzen und Gewinnen geführt. All das existiert bei Bitcoin nicht.

Die Kryptowährung ist eher eine Spekulation darauf, dass möglicherweise auch andere die Kryptowährung vielleicht irgendwann einmal benutzen. Ein Geschäftsmodell existiert jedoch nicht, genauso wenig wie Erfolge aufgrund von Entscheidungen. Ein ganz gewichtiger Grund, weshalb hier die Vergleichbarkeit kaum gegeben sein dürfte.

Was bleibt, ist der Chart

Was daher unterm Strich übrig bleibt für einen Vergleich ist lediglich der Chart, beziehungsweise die Korrekturen, die beide Chartverläufe in ihren bisherigen Historien durchgemacht haben. Ob das allerdings bei einer Kryptowährung und einem florierenden, wachsenden Unternehmen möglich oder zielführend ist, wage ich zu bezweifeln.

Entsprechend bleibe ich weiterhin skeptisch, ob Bitcoin wirklich das Reichmacher-Potenzial hat, das andere der Kryptowährung nachsagen. Aber glücklicherweise kann hier nach wie vor jeder seine eigene Entscheidung treffen, wobei ich hier mit Nachdruck zur Vorsicht mahne.

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Vincent besitzt keine der erwähnten Aktien oder Kryptowährungen.

The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Kryptowährungen.

John Mackey, CEO von Amazon-Tochter Wholefoods Market, ist Mitglied im Vorstand von The Motley Fool.

The Motley Fool hält Aktien von Amazon.

Motley Fool Deutschland 2019