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Bitcoin – die größten Irrtümer

Der Bitcoin-Kurs stieg 2017 um 1.221 Prozent an. Im Dezember war die Kryptowährung das Gesprächsthema und auch 2018 wird sich daran nichts ändern, obwohl sich der Hype und die Diskussion mittlerweile auf andere Kryptowährungen, etwa LitecoinEther und Ripple ausgeweitet haben.

Doch während sich immer mehr Menschen für Bitcoins interessieren, gibt es noch immer einige Falschinformationen. Die Leute verbreiten sie auf Twitter, man hört sie von Freunden oder Kollegen und manchmal stößt man sogar in einem fehlerhaften Zeitungsartikel darauf.

Hier sind die drei größten Irrtümer zum Thema Bitcoins.

  1. Es ist unreguliert

Wenn die Leute Bitcoins unreguliert nennen, wollen sie damit meist darauf hinweisen, dass die Kryptowährung gefährlich und instabil ist. Aber das Gegenteil ist der Fall: Bitcoin ist sogar in mehrerer Hinsicht reguliert.

Seriöse Bitcoin-Handelsplattformen sind alle auf die ein oder andere Art lizensiert: Coinbase ist bei FinCEN, dem Financial Crimes Enforcement Network als „Money services business“ registriert, während Gemini beim NYDFS, dem New York Department of Financial Services als „Trust“ registriert ist. Beide Lizenzarten bedeuten, dass sich diese Plattformen an die KYC-Erfordernis („Know your customer“) und die AML-Erfordernis („Anti-Money Laundering“) zur Verhinderung von Geldwäsche halten müssen.

2015 führte das NYDFS die „BitLicense“ ein, eine Reihe von Regeln für all jene Unternehmen in New York, die im Bereich digitale Währungen tätig sind und mit Geldern von Kunden arbeiten. Einige Unternehmen bewarben sich um die Lizenz, während andere ihre Geschäfte in New York einstellten, um dem zu entgehen.

Alle Plattformen, die den Handel mit Bitcoin Futures ermöglichen, mussten außerdem von der CFTC, der Commodity Futures Trading Commission, genehmigt werden. CME, Cboe und Cantor Fitzgerald erhielten 2017 die CFTC-Genehmigung für ihre Bitcoin Futures. Auch LedgerX, wo Bitcoin-Optionen (aber keine Futures) angeboten werden, erhielt die Genehmigung der CFTC.

Und dann gibt es noch eine Reihe von Regierungsbehörden, die zwar keine Regeln, aber immerhin Richtlinien zum Handel mit Bitcoins und Kryptowährungen herausgaben. 2014 veröffentlichte der IRS seinen ersten Leitfaden zum Thema Bitcoin und Steuern. Man beschloss, Bitcoins als Eigentum zu behandeln, weshalb durch Bitcoins generiertes Einkommen genau wie Aktien als Kapitalgewinn betrachtet wird.

Erst im Dezember 2017 warnte Jay Clayton, der Präsident der US-Börsenaufsichtsbehörde, die Öffentlichkeit vor dem Risiko, das mit Investitionen in ICOs (Initial Coin Offerings) verbunden ist. Bei ICOs, so Clayton „gibt es deutlich weniger Anlegerschutz als in unseren traditionellen Wertpapiermärkten und damit einhergehend mehr Möglichkeiten für Manipulation und Betrug.“ Viele halten die Warnung der Börsenaufsichtsbehörde für den ersten naheliegenden Schritt in Richtung einer strengeren Politik in puncto Kryptowährungen.

Mit anderen Worten: Bitcoin-Handelsplattformen sind bis zu einem gewissen Grad bereits reguliert und es ist sehr wahrscheinlich, dass die Regulierung zunehmen wird.

Jay Clayton, Präsident der US-Börsenaufsichtsbehörde, bei seiner Aussage vor dem Senate Banking Committee am 26. September 2017. (AP/Pablo Martinez Monsivais)
  1. Es ist anonym

Nein, es ist nicht wirklich anonym. Wenn die Leute Bitcoins als anonym bezeichnen, meinen sie damit in der Regel, dass Bitcoins nicht nachverfolgbar sind – doch das stimmt nicht. (Tatsächlich nehmen Kriminelle mehr und mehr Abstand von Bitcoins und konzentrieren sich auf das anonymere Monero.)

Wenn Sie Bitcoins kaufen, verkaufen oder von einem Ort an einen anderen transferieren, wird Ihre Transaktion in der öffentlichen Bitcoin Blockchain sichtbar und damit für jeden einsehbar. Sie werden mit einem individuellen Schlüssel – einer Kombination aus Zahlen und Buchstaben – identifiziert und obwohl nirgendwo Ihr Name steht, taucht ein und derselbe Schlüssel für jede Transaktion einer bestimmten Wallet-Adresse auf. Wenn also jemand Ihre Wallet-Adresse herausfindet (indem er Ihren Händler-Account hackt, Ihr Smartphone stiehlt oder Ihre schlecht verwahrten Schlüssel findet), kann er problemlos all Ihre Bitcoin-Transaktionen herausfinden. Somit sind Bitcoins höchstens teilweise anonym, quasi „pseudoanonym“. Zudem verweist jeder Block in der Bitcoin Blockchain auf den jeweiligen „Mining Pool“.

„Satoshi Nakamoto“ schrieb 2009 im ersten Bitcoin-Whitepaper: „Die Öffentlichkeit kann sehen, dass jemand eine Summe an jemand anderen schickt, hat jedoch keine Daten, um die Transaktion mit einer Person zu verknüpfen.“ Nakamotos Empfehlung: „Als zusätzliche Firewall sollte für jede Transaktion ein neuer Schlüssel verwendet werden, damit er nicht mit ein und demselben Besitzer in Verbindung gebracht werden kann. Bis zu einem gewissen Grad ist dies allerdings nicht vermeidbar, da Transaktionen mit mehreren Inputs zwangsläufig zeigen, dass diese zum selben Besitzer gehören. Das Risiko besteht darin, dass unterschiedliche Transaktionen mit dem jeweiligen Besitzer in Verbindung gebracht werden können, wenn der Besitzer eines Schlüssels identifiziert wird.“ Obwohl das Whitepaper zur Verwendung mehrerer Schlüssel rät, halten sich die meisten Bitcoin-Nutzer nicht an diese Empfehlung. Monero wiederum verwendet für jede Transaktion standardmäßig unterschiedliche Adressen. Aus diesem Grund ist es anonymer als Bitcoin und avancierte dadurch zur beliebten Währung für illegale Aktivitäten.

Und dann wäre da natürlich noch die Tatsache, dass Sie durch die Eröffnung eines Accounts bei lizenzierten Börsen wie Coinbase oder Gemini Ihre persönlichen Daten (und sogar Ihre Kontodaten) an das jeweilige Unternehmen übermitteln und dieses Ihre Daten auf Verlangen der Börsenaufsichtsbehörde weitergeben darf.

  1. Alles Betrug!

Nein. Mag sein, dass Sie den rasanten Wertanstieg für eine Blase halten oder dass Sie der Ansicht sind, dass Bitcoin sich niemals als Währung durchsetzen wird – doch Bitcoin ist eine seriöse Technologie, die auf einem System basiert, das gewaltiges Interesse bei riesigen Finanzunternehmen generieren konnte. Es ist weder ein Trick noch ein Schwindel. Es ist real und existiert wirklich (auch wenn man es nicht berühren kann).

Falls Sie Zweifel haben, sollten Sie Folgendes probieren: Wenn Sie einen Account bei einer der großen Handelsplattformen für Kryptowährungen wie Coinbase haben, dann senden Sie einen winzigen Bitcoin-Betrag an die Adresse des Bitcoin-Wallets einer anderen Person (oder an sich selbst). Wenn Sie das tun, dokumentiert Coinbase die Transaktion und zeigt Ihnen auf dem Bildschirm alle relevanten Daten: wie viel sie gesendet haben, von wo, an wen – und auch die Gebühren, die Sie an Coinbase bezahlt haben. Unten stehend finden Sie ein Beispiel: Ich habe Bitcoins im Wert von 100 Dollar von meinem Coinbase-Account an ein Ledger Hardware-Wallet gesendet (und saftige Gebühren in Höhe von 15 Dollar bezahlt).

Eine Transaktionsübersicht von Coinbase.

Wenn die Coinbase-Übersicht Ihnen nicht reicht, erhalten Sie auch einen Link („Transaktion anzeigen“), über den Sie jenen Block der Blockchain ansehen können, der Ihre Transaktion enthält. Coinbase nutzt BlockCypher. (Eine praktische Plattform, mit der Sie die Bitcoin Blockchain selbst ansehen können, ist blockchain.info.) So sieht die BlockCypher-Anzeige aus (die Summe rechts unten, 0,0056 BTC, ist die Summe, die ich an mein Hardware-Wallet gesendet habe):

Eine Transaktionsübersicht von BlockCypher.

Genau wie einige Bitcoin als Schwindel bezeichnen, vergleichen andere die Kryptowährung mit der „Ponzi-Methode“. Das stimmt allerdings nicht, da der berühmte Betrüger Ponzi seinen Investoren mit seinem ausgeklügelten Schneeballsystem falsche Gewinnausschüttungen vorgegaukelt hat, hinter denen sich lediglich die Zahlungen neuer Investoren verbargen. Der saudi-arabische Milliardär Prinz Alwaleed verglich Bitcoins mit dem Enron-Skandal – ein weiterer unpassender Vergleich. Der Energiekonzern Enron betrieb Bilanzfälschung und ging bankrott. Die Bitcoin Blockchain ist ein öffentliches, unveränderbares Register, in dem jede einzelne Transaktion einsehbar ist.

Ein weiteres Missverständnis, das in dieselbe Kerbe schlägt: Viele halten Bitcoin für illegal. Im Gegensatz zu Japan und Australien hat die US-Regierung Bitcoin zwar nicht als gesetzliches Zahlungsmittel anerkannt, das heißt jedoch nicht, dass Bitcoin illegal ist. In den USA ist Bitcoin vollkommen legal.

Als Bitcoin 2009 entwickelt wurde, sah man die Kryptowährung als „elektronisches Peer-to-Peer-Zahlungssystem.“ Man kann dagegenhalten, dass Bitcoin und das umgebende Ökosystem mittlerweile von diesem Erstkonzept abgewichen ist oder dass der Handel mit Bitcoins und anderen digitalen Währungen einer gewaltigen Manie gleichkommt. Aber es steckt kein Schwindel dahinter.

Daniel Roberts