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Bislang geheimes Telefonprotokoll zeigt, wie Macron kurz vor dem Ukraine-Krieg Putin von der Invasion abhalten wollte

Der französische Präsident Emmanuel Macron spricht vom Élysée-Palast aus mit dem russischen Machthaber Wladimir Putin in einer Videoschalte. - Copyright: Michel Euler/AFP
Der französische Präsident Emmanuel Macron spricht vom Élysée-Palast aus mit dem russischen Machthaber Wladimir Putin in einer Videoschalte. - Copyright: Michel Euler/AFP

Es ist ein Einblick in eine Welt, den Normalbürger sonst selten bekommen: Der Élysée-Palast, Regierungssitz des französischen Präsidenten, hat das Protokoll eines Telefonats zwischen Emmanuel Macron und seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin veröffentlicht. Das Telefonat fand vier Tage vor dem russischen Angriff auf die Ukraine (24. Februar) statt – und zeigt, dass der Krieg zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr aufzuhalten war.

„Vielen Dank, Emmanuel“, sagte Putin laut dem Protokoll, „es ist immer eine große Freude, mich mit dir auszutauschen, denn wir haben ein Vertrauensverhältnis“. Dann lobt der Kremlchef die Bemühungen Macrons und des Bundeskanzlers Olaf Scholz (SPD), das Minsker Abkommen umzusetzen – und versucht, seine Sicht auf den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj einzuflößen. „Unser lieber Kollege Selenskyj macht nichts. Er lügt.“

Das Telefonat war damals im Rahmen einer Dokumentation über Macron und den Ukraine-Krieg gefilmt worden. Das vollständige Video wird am 30. Juni vom französischen Fernsehsender France 2 veröffentlicht. Der zuständige Dokumentarfilmer Guy Lagache sagte in einem Interview mit dem französischen Magazin „20 minutes“: „Das war eines der schwierigsten Themen, zu denen ich in meinem Leben jemals gearbeitet habe.“

Im weiteren Gesprächsverlauf spricht Putin über angebliche Forderungen nach Atombomben vonseiten Selenskyj. Außerdem behauptet der Russe, Macron erhebe Revisionsforderungen wegen des Minsker Abkommens. Beide Behauptungen weist der französische Präsident erzürnt zurück. Putin ignoriert die Widerrede und lobt nun die prorussischen Separatisten in der Ostukraine.

Auf dieses Gerede von Putin reagiert Macron endgültig ungehalten: „Ich weiß nicht, wo dein Jurist studiert hat! (…) Ich weiß nicht, welcher Jurist sich zu der Behauptung versteigt, dass Gesetzestexte in einem souveränen Land von Separatisten ausgearbeitet werden.“ Dann bemüht er sich laut Gesprächsprotokoll wieder um Deeskalation: „Wenn wir dem Dialog eine Chance geben wollen, dann müssen wir das Spiel beruhigen.“ Damit liefert er praktisch das Stichwort für seinen russischen Gesprächspartner: „Ich möchte jetzt Eishockey spielen“, sagt Putin kurz darauf, „um ehrlich zu sein, spreche ich gerade schon von der Sporthalle aus mit dir.“

Die Zündschnur glimmt, vier Tage später folgt der Einmarsch

Zum Zeitpunkt, als dieses Telefonat stattfand, veranstalteten Russland und Belarus bereits gemeinsame Militärübungen an der Grenze zur Ukraine. Die Truppenaufmärsche und das in Stellung gebrachte Kriegsgerät war im Westen seit Wochen mit Argwohn beobachtet worden. Kurze Zeit später erfolgte der Einmarsch in die unabhängige Ukraine.

Macron hatte im Telefonat mit Putin nach den Militärübungen gefragt, doch der russische Präsident wich aus. Diese Aktionen seien „wahrscheinlich“ am Abend wieder vorbei. Macron sagte nach dem Telefonat gegenüber Dokumentarfilmer Lagache: „Wir konnten ihn nicht überzeugen und er marschierte in die Ukraine ein.“ Er hatte offenbar gehofft, über eine intellektuelle Diskussion noch einen Zugang zu Putin zu finden. Auch im laufenden Krieg hat sich der Franzose immer wieder als Vermittler angeboten.

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