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Ein Biotech-Unternehmer will Bakterien zum Platzen bringen

Die Biotechfirma Aicuris entwickelt mit Technologie aus Liechtenstein neuartige Antibiotika. Vorstandschef Holger Zimmermann hat große Ambitionen.

Holger Zimmermann treibt die Suche nach neuen Wirkmechanismen für Medikamente um. Jetzt ist der Vorstandschef der Biotechfirma Aicuris bei der Lysando AG in Liechtenstein fündig geworden.

Lysando hat eine spezielle Art von Molekülen entwickelt, die die Schutzhülle von Bakterien zerstören und sie zum Platzen bringen kann. Für den promovierten Biologen Zimmermann ist das eine faszinierende neue Technologie, die Aicuris mit einer ersten Substanz testen will.

Noch wird in der präklinischen Phase, also vor dem Einsatz am Menschen geforscht. Selbst wenn alles wie geplant läuft, wird es noch Jahre dauern, bis ein Medikament auf den Markt kommt. Das bremst die Ambitionen von Zimmermann nicht.

„Antibiotikaresistente Bakterien stellen weltweit eine der größten Bedrohungen für die menschliche Gesundheit dar“, sagt der 50-Jährige. Aicuris, eines der wenigen Unternehmen, die in diesem Bereich aktiv sind, sei „fest entschlossen“, den Kampf gegen Resistenzbildung mit neuartigen Behandlungsansätzen voranzutreiben.

Kooperationspartner Lysando denkt ähnlich. Firmengründer Markus Graf Matuschka von Greiffenclau glaubt fest an einen „bahnbrechenden Erfolg“ der Kooperation. Aicuris darf die Technologie nutzen und zahlt dafür an Lysando erfolgsabhängige Gebühren.

Aicuris ist 2006 als Ausgründung von Bayer entstanden und gehört zu den wenigen deutschen Biotechfirmen, aus deren Pipeline ein Medikament es bis auf den Markt geschafft hat. Letermovir gegen Infektionen bei Knochenmarkstransplantationen wird weltweit vom US-Konzern Merck vertrieben.

Aicuris-Gründerin Helga Rübsamen-Schaeff und ihr langjähriger Mitstreiter Holger Zimmermann wurden 2018 für ihre Forschungen mit dem Deutschen Zukunftspreis ausgezeichnet.