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Der Bielsa aus Ostwestfalen

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Der Bielsa aus Ostwestfalen
Der Bielsa aus Ostwestfalen

Wer den Namen Lukas Kwasniok hört, dürfte nicht unmittelbar darauf kommen, dass es sich um den derzeit erfolgreichsten Trainer in der 2. Liga handelt. (DATEN: Die Tabelle der 2. Bundesliga)

Mit dem SC Paderborn legte der gebürtige Pole einen Start in die Saison hin, den ihm nach dem Abschied von Kult-Trainer Steffen Baumgart wohl die Wenigsten zugetraut hätten. (Paderborn fegt Aue vom Platz)

Kwasniok? Der Name dürfte vielen Fußballfans bislang noch nicht so geläufig sein.

Dabei hat der heute 40-Jährige schon eine ebenso interessante wie ungewöhnliche Vita im deutschen Fußball. Als Trainer des 1. FC Saarbrücken machte er bereits in der Saison 2019/20 von sich reden, als er mit dem damaligen Regionalligisten das Halbfinale im DFB-Pokal erreichte.

Kwasniok: „Über allen steht Marcelo Bielsa“

Im Doppelpass 2. Bundesliga auf SPORT1 stellte sich der Übungsleiter der Öffentlichkeit - und verriet unter anderem, welcher Trainer ihm - noch vor Pep Guardiola, Jürgen Klopp und Diego Simeone - am meisten imponiert.

„Über allen steht Marcelo Bielsa, weil ich ihn bewundere. Weil er unkonventionell ist - in dem Sinne, dass er gesagt hat: ‚Egal, was andere machen, ich ziehe meine Arbeit durch.‘ Ob die jetzt aktuell modern ist oder nicht, sei dahingestellt. Deswegen hat es mich extrem gefreut, dass er mit Leeds United nach so langer Zeit den Aufstieg in die Premier League geschafft hat.“

Dass Bielsas Spitzname „El Loco“ (“der Verrückte“) genauso gut zu Kwasniok passen würde, hatte der Paderborn-Coach zu seiner Zeit in Saarbrücken mit einer äußerst ungewöhnliche Aktion bereits bewiesen. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur 2. Bundesliga)

Als Drittliga-Aufsteiger blieb er in der folgenden Saison in der Erfolgsspur und lag sogar einige Spieltage an der Tabellenspitze. Der gute Lauf mit den Saarländern veranlasste Kwasniok zu der steilen Ansage, er werde seinen Vertrag mit dem Traditionsklub nur dann verlängern, wenn man den Aufstieg in die 2. Liga schaffe.

Kwasniok: „Ich wollte ein Zeichen setzen“

Das Ende vom Lied: Saarbrücken belegte Platz 5 - und der Coach verabschiedete sich.

„Ich wollte ein Zeichen setzen, wir hatten einen Startrekord mit 23 Punkten nach zehn Spielen“, erklärte der Coach nun. „In der Winterpause habe ich dann aber eine Stagnation erkannt. Da wollte ich einen Impuls setzten um diese positive Verrücktheit in dieser Region zu leben. Der Verein hat sich anderweitig entschieden, was aber überhaupt kein Problem war.“

Keine vier Monate später mischt Kwasniok nun also doch die 2. Liga auf - allerdings nicht mit Saarbrücken, sondern dem SC Paderborn. Und im Gegensatz zu seiner Zeit beim Drittligisten dieses Mal verkneift sich der Coach ein festes Ziel.

„Wenn ich hier am 27. Spieltag sitzen würde, dann würde ich mich ganz klar dazu bekennen. Jetzt ist es so, dass uns ein ganz toller Saisonstart gelungen ist. Aber man muss nur an die letzte Saison zurückdenken. Osnabrück hatte nach sieben Spielen einen Punkt weniger als wir - die haben sich zu weit aus dem Fenster gelehnt und versuchen jetzt wieder den Aufstieg in die 2. Liga zu schaffen.“

Keine Aufstiegs-Ansage mit Paderborn

Kwasnioks Credo bei den Ostwestfalen: „Man sollte wissen, wo man herkommt. Wir sind in einem Umbruch, haben wichtige Spieler abgeben müssen. Dementsprechend mussten wir erst einmal Stabilität bekommen, was wir glücklicherweise geschafft haben.“

So ganz ohne Ansage will Kwasniok aber auch beim SCP durch die Saison gehen. „Wir machen uns nicht klein, sondern wollen uns festbeißen. Wir müssen zwar groß denken, aber ich denke es ist schon mutig, wenn ich sage, dass wir uns bis zur Winterpause oben festbeißen.“

Dass er einen ungewöhnlichen Ansatz in seinem Job hat, gehe auf seine Vergangenheit zurück, die ihn als aktiven Spieler nicht über den Amateurfußball hinaus führte.

„Ich komme aus dem ganz realen Arbeiterleben. Ich habe immer glaubt, dass man mit dieser Art, wie man im Amateurfußball führt, auch im Profifußball führen kann. Ich lasse die Jungs aber frei entscheiden. Bei mir sind Spieler nie tot. Man kann sich immer in die Mannschaft zurückarbeiten. Die Mannschaft weiß am Mittwoch nie, wie wir am Samstag spielen werden. Das ist meine Art zu führen.“

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