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Bewerbung in der Kneipe: Um IT-Talente zu gewinnen, wählte ein Mittelständler eine ungewöhnliche Strategie

·Lesedauer: 4 Min.
Keine Voranmeldung, kein Lebenslauf ist für das sogenannte „Night out“ – das Jobinterview mit einer Stuttgarter Firma in der Kneipe – nötig.
Keine Voranmeldung, kein Lebenslauf ist für das sogenannte „Night out“ – das Jobinterview mit einer Stuttgarter Firma in der Kneipe – nötig.

Wer Personaler danach fragt, was Bewerber im Gespräch rüberbringen müssen, damit sie überzeugen, der bekommt als Antwort oft: „Authentizität“. Wichtig, heißt es dann, sei, dass ein Kandidat keine Rolle spiele, sondern sich so gebe, wie er ist.

In der Theorie hört sich das einleuchtend an. Nur: Wie natürlich kann jemand wirklich er selbst sein – in einer Situation, in der es darum geht, die eigenen Fähigkeiten zu verkaufen? Denn auch, wenn ein lockeres und ungezwungenes Bewerbungsgespräch der Wunschvorstellung vieler Personaler entspricht, sieht die Realität meist anders aus. Sobald sich Bewerber und potenzieller Arbeitgeber im Konferenzraum gegenübersitzen, ist die Atmosphäre häufig angespannt.

Um dem vorzubeugen, hat die Datagroup, ein mittelständischer IT-Dienstleister aus dem Raum Stuttgart, das erste Kennenlernen nun vom Büro in eine Kneipe verlegt. Keine Voranmeldung, kein Lebenslauf ist für das sogenannte „Night out“ nötig. Stattdessen lernen sich Bewerber, Chefs und Kollegen bei einem Bier besser kennen. Sie trinken gemeinsam etwas, unterhalten sich ein bisschen. Hierarchien und Formalia spielen keine Rolle. Es gibt keine Verpflichtungen. Job-Interessenten und Arbeitgeber sollen einfach etwas übereinander erfahren.

Bereits drei solcher Kneipenabende hat die Datagroup organisiert. Der Pilot fand in Mainz statt, noch bevor die Corona-Krise die Arbeitswelt verändert hatte. Gesucht wurden bei diesem Event vor allem Java-Entwickler. Das ganze Team, in dem die neuen Kollegen später arbeiten sollten, war vor Ort. Die Resonanz war aus Sicht der Datagroup gut: Rund 32 Interessenten kamen in die Bar. Manche blieben nur eine halbe Stunde, um das Unternehmen ein bisschen kennenzulernen, andere drei bis vier. „Ein Mann war da, bis die Bar geschlossen hat“, erzählt Sabine Laukemann, Generalbevollmächtigte Personal bei der Datagroup. Mittlerweile sei er ein geschätzter Kollege.

Gute Resonanz trotz Corona

Und nicht nur er, auch einige andere Teilnehmer, so Laukeman, seien nach dem „Night out“ an einer Karriere bei dem IT-Dienstleister interessiert gewesen. Fünf Stellen wollte man besetzen, 22 Bewerber kamen in die engere Auswahl. „Am Ende hatten wir mehr Interessenten als Jobs zu vergeben“, sagt Laukemann. Dem Unternehmen blieb ein kleiner Bewerberpool. Einen Mitarbeiter habe man ein paar Monate später noch angestellt.

Im Mai dieses Jahres folgte die zweite Auflage in Hamburg – wegen der Corona-Pandemie ins Digitale verlegt. Der nächste Kneipenabend war für SAP-Consultants im Dezember in Ulm geplant. Hier machte die Krise der Datagroup einen Strich durch die Rechnung. Zwar fand die Veranstaltung statt, wegen der strikten 2G-Plus-Regelung und der sich immer weiter verschärfenden Lage kurz vor Weihnachten kamen aber keine Job-Interessenten – das nehmen zumindest die Verantwortlichen an. Ein Reinfall sei die Kampagne trotzdem nicht gewesen, sagt Henriette Wander, Marketing Managerin der Datagroup in Ulm. Aktuell hätten sich nur aufgrund der Werbung für die ungewöhnliche Bewerbungsrunde zwölf Interessenten bei ihnen gemeldet.

Mit außergewöhnlichen Aktionen wie diesen will die Datagroup diejenigen für sich gewinnen, die derzeit rar am Arbeitsmarkt sind: Talente aus dem Bereich IT. Bundesweit beschäftigt die Datagroup rund 3500 Mitarbeiter an 28 Standorten. Etwa 500 Stellen im Jahr besetzt der IT-Dienstleister mit Hauptsitz in der Region Stuttgart jährlich. Gesucht werden etwa SAP-Spezialisten, Cloud-Experten oder Profis im Bereich Security.

In sieben Leveln zum Vorstellungsgespräch

Um sich gegen starke Arbeitgebermarken wie SAP, Facebook oder Google durchzusetzen, hat sich der Mittelständler schon vor einigen Jahren dazu entschlossen, Bewerber neben den klassischen Kanälen auch auf andere Art und Weise anzusprechen. Denn die Stellenbesetzung in der IT-Branche, so Laukemann, sei schon lange kein Selbstläufer mehr. Deshalb habe man verschiedene Rekrutierungs-Maßnahmen entwickelt, die auf einer genauen Zielgruppenanalyse basieren. Die Personalabteilung habe sich gefragt: Was machen potenzielle Job-Kandidaten in ihrer Freizeit? Wo liegen ihre Interessen? Wie kann man diese Menschen erreichen? „Die Bar war ein Verbindungspunkt zwischen allen von uns definierten Profilen“, sagt Laukemann.

Gleiches gilt für den Bereich Gaming. Deshalb gibt es zusätzlich zu den „Night outs“ auch noch die Möglichkeit, sich als Bewerber bei der Datagroup ein Bewerbungsgespräch zu erspielen. Wer es schafft, sieben Level zu bestehen, dem ist ein persönliches Interview mit einem Personaler von dem IT-Dienstleister sicher. Dann hat ein Kandidat laut Laukeman bewiesen, dass er über Ehrgeiz verfügt und über die Fähigkeit, analytisch zu denken. Denn das Bewerbungsspiel zu gewinnen, ist gar nicht so einfach. Von 4000 Teilnehmern haben bisher erst 500 alle Level durchgespielt – acht von ihnen wurden anschließend eingestellt.

Eine Bewerbung bei der Datagroup kann sich in jedem Fall lohnen. Denn die Mitarbeiter scheinen sich in der Unternehmenskultur, die dort vorherrscht, durchaus wohlzufühlen. Das zeigt zumindest eine Untersuchung, in der mehr als 47.500 Arbeitnehmer zu ihrer Zufriedenheit befragt wurden. Die Datagroup landete auf Platz sechs der attraktivsten Arbeitgeber in der IT- und Telekommunikationsbranche. Es gebe viele, sagt Sabine Laukemann, die gerne in einem mittelständischen Unternehmen arbeiteten – weil dort im Gegensatz zu großen Konzernen die Einzelpersonen mehr im Vordergrund stünden. Das führe zu einer hohen Zufriedenheit. Ein weiterer Aspekt sei, dass neben einer klassischen Führungskarriere in dem Unternehmen auch Experten gute Aufstiegschancen hätten. Die Mitarbeiter, sagt Laukemann, sollten in der Datagroup ihren beruflichen Lebenspartner finden.

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