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Nach Betrugsvorwürfen: Fynn Kliemann bezieht Stellung, Partner ziehen Konsequenzen

Youtuber, Musiker, Software-Unternehmer, Influencer: Fynn Kliemann.
Youtuber, Musiker, Software-Unternehmer, Influencer: Fynn Kliemann.

Die Betrugsvorwürfe gegen Serienunternehmer und Influencer Fynn Kliemann (34) beherrschen die sozialen Netzwerke. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter trendeten am Freitag die Hashtags „#FynnKliemann“, „#Boehmermann“ und zeitweise auch „#Masken“. Was war passiert?

In der Nacht zum Freitag hatte der TV-Satiriker Jan Böhmermann eine neue Folge des ZDF Magazin Royal veröffentlicht. Darin wirft Böhmermann Kliemann vor, im Frühjahr 2020 beim Handel mit Atemschutzmasken bewusst falsche Angaben gemacht zu haben. Kliemann, der auch ein eigenes Modelabel betreibt, hatte damals die Textilproduktion auf Masken umgestellt.

Im Netz gerierte sich Kliemann dabei als sozialgerechter Unternehmer. Die Masken würden „fair“ in Europa produziert und zum „Selbstkostenpreis“ verkauft, betonte er damals. Wie Recherchen des Teams um Böhmermann nun nahelegen, hat Kliemann Fans und Geschäftspartner jedoch getäuscht. Die Masken stammten tatsächlich aus Asien und nicht wie behauptet aus Europa. Zudem soll der Youtuber mit dem Verkauf auch Profit gemacht haben.

Das sagt Fynn Kliemann zu den Vorwürfen

Auf Nachfrage hat sich Fynn Kliemann gegenüber Gründerszene inzwischen zu den Vorwürfen geäußert. „Ich möchte mich in aller Form bei allen Personen, Organisationen, Institutionen entschuldigen, die nun 'auf den ersten Blick' enttäuscht und geschockt sind. Ich bitte um Verzeihung und um einen differenzierten Blick auf alle Perspektiven. Dafür sind Transparenz und Aufklärung, für die ich bereit bin, da“, so der Unternehmer in einem mehrseitigen Statement. Er nehme die Vorwürfe sehr ernst. „Für einige muss ich mich entschuldigen und andere muss ich dringend richtig stellen, da jene Betrugsvorwürfe einfach nicht stimmen.“

So sei es zwar richtig, dass das Textilunternehmen, an dem Kliemann inzwischen beteiligt ist, auch Masken in Bangladesch habe herstellen lassen. Er habe diese jedoch nie verkauft oder beworben. Er habe ausschließlich über seinen Onlineshop Masken angeboten, die „zu 100%“ aus Fabriken in Portugal und Serbien stammten. Kliemann gibt in dem Schreiben zu, mit dem Verkauf der Masken „Geld verdient“ zu haben. „Aber bezugnehmend auf das Herkunftsland habe ich niemals jemanden getäuscht oder etwas für etwas ausgegeben, was es nicht war“, so der Unternehmer weiter.

About You stoppt Verkauf, Stiftung entzieht „Nachhaltigkeitspreis“

Erste Partner des Influencers (818.000 Follower auf Instagram) ziehen trotzdem schon Konsequenzen. Der Online-Modehändler About You, der Kliemanns Masken in sein Sortiment aufgenommen hatte, stoppte den Verkauf vorerst. „Aktuell prüfen wir den Fall intern, um uns ein genaues Bild über den Sachverhalt zu verschaffen“, teilte eine Unternehmenssprecherin Anfrage der Wirtschaftswoche mit. Im ersten Schritt habe man sich daher entschlossen, die Masken nicht weiter im Shop anzubieten.

Auch die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis (DNP) meldete sich am Freitagmittag zu Wort. Die Stiftung hatte Kliemann im Frühjahr 2020 noch für sein Masken-Engagement mit einem Sonderpreis ausgezeichnet. Dieser wurde dem Unternehmer nun entzogen. „Weil er unlautere Methoden angewendet und uns mit Greenwashing hintergangen hat“, teilte die Stiftung in einer Stellungnahme mit.

Auch Viva con Agua prüft Vorwürfe

Zudem verliert Kliemann womöglich noch einen weiteren Partner. Seit mehreren Jahren arbeitet der Unternehmer mit der NGO Viva con Agua zusammen, organisiert etwa Spendenaktionen. Viva con Agua prüfe die Vorwürfe derzeit ebenfalls, wie die Organisation auf Anfrage mitteilte. Für konkrete Maßnahmen sei es derzeit aber noch zu früh. „Aber natürlich sind die im Raum stehenden Vorwürfe erheblich und entsprechen nicht unseren Vorstellungen von unternehmerischem Handeln.“

Update: Kliemann meldet sich per Videobotschaft

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