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Betrüger buchen Bahn-Tickets mit gestohlenen Daten

Mit Streiks müssen Fahrgäste zur Weihnachtszeit zwar nicht rechnen. Einschränkungen gibt es jedoch beim Kauf mancher Online-Tickets. (Bild: Getty Images)

Die Deutsche Bahn hat die Zahlungsmöglichkeiten für Online-Tickets eingeschränkt. Betrüger hatten offenbar Kundendaten erschlichen und zahlreiche Buchungen durchgeführt, um nach einer Stornierung die erstatteten Gutscheincodes zu verkaufen.

Erst am Samstag gaben die Deutsche Bahn und die Gewerkschaft EVG bekannt, ihren Tarifkonflikt beigelegt zu haben. Doch nun gibt es erneut Ärger für Fahrgäste: Wie verschiedene Medien unter Berufung auf die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichten, hat die Deutsche Bahn die Zahlungsmöglichkeiten beim Kauf von Online-Tickets eingeschränkt. So ist es beispielsweise nicht mehr möglich, auf bahn.de und im DB Navigator Sparpreis-Tickets via Lastschriftverfahren zu bezahlen. Grund dafür sollen “betrügerische Aktivitäten” sein.

Gerade zur Hauptreisezeit um die Weihnachtsfeiertage dürfte diese Einschränkung viele Bahnfahrer verärgern. “Wir haben diese Maßnahme zum Schutz unserer Kunden ergriffen und bitten dafür um Verständnis”, sagte ein Bahn-Sprecher der dpa. Es werde “mit Hochdruck” daran gearbeitet, wieder alle Zahlungsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen. Ein Zeitpunkt wurde allerdings nicht angegeben.

Betrüger boten Gutscheincodes zum Kauf an

Das Problem liege vor allem bei Sparpreis-Tickets: Bei einer Stornierung der günstigen Fahrkarten fällt seit dem 1. August eine Bearbeitungsgebühr von zehn Euro an. Über den Restbetrag bekommt der Käufer neuerdings einen Stornogutschein als Code ausgestellt, mit dem ein neues Ticket gekauft werden kann. Die Betrüger sollen über bislang unbekannte Kanäle Kreditkarten- und Kontodaten erschlichen haben, mit denen sie anschließend Tickets gekauft hätten.

Die Deutsche Bahn machte keine Angaben dazu, wann der Kauf von Sparpreistickets wieder per Lastschriftverfahren möglich ist. (Bild: Reuters/Fabrizio Bensch/File Photo)

Nach einem Umtausch der erworbenen Fahrkarten hätten die Personen die Gutscheincodes online zum Kauf angeboten und anschließend bequem per Mail verschickt. Auch teure Buchungen im Wert von bis zu 2.500 Euro seien mit den erschlichenen Daten durchgeführt worden. Dementsprechend schlugen die Täter nicht unerheblichen Profit aus ihren Machenschaften.

Datenklau über Phishing-Mails

Die Bahn geht davon aus, dass der Datendiebstahl über Phishing-Mails zustande gekommen ist. Dadurch sollen sich die Täter in fremde Mail-Accounts eingeloggt und über die “Passwort vergessen”-Funktion Zugang zu den bahn.de-Konten der betroffenen Personen verschafft haben. “Ganz wichtig: Es sind keine bahn.de- bzw. DB-Navigator-Konten gehackt worden”, erklärte ein Bahnsprecher.

Unklar ist noch, zu wie vielen Betrugsfällen es gekommen ist. Kunden sollen Lastschriften, die sie nicht veranlasst haben, durch ihre Bank widerrufen lassen und Kontakt zum Kundenservice der Bahn aufnehmen. Das Unternehmen empfiehlt darüber hinaus, Anzeige zu erstatten.