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„Am besten ausgebildet, aber am schlechtesten bezahlt“: Darum haben es Millennials finanziell schwerer als andere Generationen

·Lesedauer: 4 Min.

Millennials sind anspruchsvoll, flexibel, wuchsen noch überwiegend analog auf, gründeten die ersten Startups — und leben mit vielen Labels wie „Generation Me Me Me“. Die heute etwa 25- bis 40-Jährigen wurden um die Jahrtausendwende herum erwachsen und erlebten, wie der Start des digitalen Zeitalters den Sog vor die Bildschirme in Gang setzte.

Was sie noch auszeichnet? Viele Millennials haben gegenüber den Generationen vor und nach ihnen finanzielle Nachteile. So leben ganze 70 Prozent von ihnen einer US-Studie zufolge von Gehalt zu Gehalt. Sogar unter den Millennials mit Löhnen von im Schnitt 100.000 Euro pro Jahr betrifft dieses Problem noch 60 Prozent. Das ist das Ergebnis einer Befragung des US-Finanzdienstleisters PYMNTS und der Kreditplattform LendingClub.

Die Gründe dafür reichen vom Berufsstart in der Finanzkrise 2008 über die Folgen der Rezession bis hin zu hohen Lebenshaltungskosten. Ersparnisse anhäufen? Das können vor allem unter den ab 1980 Geborenen wenige. Hierzulande sei die Situation durchaus vergleichbar, sagt Generationenforscher Rüdiger Maas. „Die Generation Y ist die am besten ausgebildete, doch in Deutschland zugleich die am schlechtesten bezahlte Generation“, sagt der Diplompsychologe. Er leitet das Institut für Generationenforschung in Augsburg.

Generation Praktikum: „Agenturen ließen Praktikanten bis spät abends arbeiten“

„Viele Millennials gingen zu Beginn ihrer Berufszeit von Praktikum zu Praktikum und wurden so beispielsweise bis zu einer Festanstellung oft hingehalten“, sagt Maas. Überstunden seien für sie häufig an der Tagesordnung gewesen. „Der Mindestlohn wurde in Deutschland erst 2015 eingeführt, da waren Millennials längst in den Job eingestiegen“, erklärt der Generationen-Experte ein weiteres Problem. Denn erst die Einführung des Mindestlohns brachte eine verpflichtende Mindestvergütung mit sich.

Auch Einstellungsstopps und befristete Anstellungen sind vielen Angehörigen der Generation Y nicht fremd. Die Folge all der Hürden: Sie starteten oft später und mit weniger Gehalt ins Berufsleben und stiegen dadurch auch erst später auf. Und das trotz oft sehr guter Bildung und vielfach Auslandserfahrung. „Bei vielen Millennials ergaben sich so Lebensläufe, die nach außen für die Bereitschaft standen, sich mit wenig Geld zufriedenzugeben“, erkärt Maas.

Unbezahlte Überstunden für einen Job mit Sinn? Für die Generation Y war das lange kein Tabu. Es war normal, vor allem zur Jahrtausendwende. „In Kreativagenturen in Berlin, Hamburg oder München ließen viele ihre Praktikanten bis spät abends arbeiten“, so Maas. Auch als Startups aufkamen, war es gängig, reichlich Stunden anzuhäufen und in Relation dazu kaum Geld zu verdienen.

„Der Umgang mit Geld ist höchst individuell, von daher haben wir es mit vielen Pauschalierungen zu tun“, schränkt Maas ein. „Wir sehen aber eindeutig, dass diese Generation finanziell stärker zu kämpfen hat.“ So verdienen viele 35-Jährige heute in Relation weniger als Angehörige der Generation Z. „Wer heute mit 23 Jahren in den Arbeitsmarkt geht, erhält ganz andere Einstiegsgehälter“, so Maas. Die Person stehe also mit 35 Jahren woanders als jemand aus der Generation Y.

Millennials können mit Unsicherheit umgehen – und haben viel Langzeitwissen

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bestätigte in einer Studie 2019 diesen Trend. Die ökonomische Situation der Mittelschicht wurde zwischen 1985 und 2015 immer schlechter. Das setzt vor allem Millennials unter Druck. In Deutschland schaffen es nur noch 61 Prozent der Generation Y, ein Mittelschichts-Einkommen zu erreichen. Die OECD definiert das mittlere Einkommen im Segment von 75 bis 200 Prozent des nationalen Medianeinkommens. Dieses lag in Deutschland 2017 bei 1946 Euro monatlich.

Ihre geringeren finanziellen Ressourcen erschweren vielen Millennials auch die Vermögensbildung. Sie setzen auf Erbschaften oder Schenkungen – und wären ohne diese Zuwendungen „finanziell schwer getroffen“, sagten 40 Prozent von ihnen in einer Umfrage 2020. Das berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung unter Berufung auf eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Cicero Group im Auftrag des Vermögensverwalters Columbia Threadneedle.

Ein Drittel der Millennials setzt nach dieser Umfrage zudem eher auf Besitz, der durch Konsum greifbar ist, als auf den Aufbau eines finanziellen Vermögens. Sie besitzen dabei im Schnitt weniger große Vermögenswerte wie Autos, leben aber auch häufiger in städtischen Regionen. Das zeigen andere Studien. „Die Generation Y ist der maßgebliche Treiber der Sharing Economy – sie versuchten, mit Sharing Geld zu machen und brachten Unternehmen wie Airbnb hervor“, sagt Generationenforscher Maas.

Bei allen Herausforderungen: Millennials haben bedeutende Vorteile. Sie sind flexibel und belastbar. Das könnte ihnen auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft Vorteile verschaffen. Es fällt ihnen nicht schwer, in finanzieller Unsicherheit auszuharren. Und: Sie verfügen über viel Bildung und Wissen. „Millennials haben mehr Langzeitwissen erworben, Wissen also, das länger vorhält“, sagt Maas. „Wer sich nur Kurzzeitwissen etwa aus der digitalen Welt aneignet, hat diesen Tiefgang nicht. Darauf muss vor allem die ganz junge Generation achten.“

Diese junge Generation sei eine, der es materiell an nichts fehle, so der Forscher. „Die Generation Z stellt eine kleinere Alterskohorte mit mehr Einzelkindern und auch mit Großeltern, die für weniger Enkelkinder mehr Geld zur Verfügung haben. Und: Kaum eine Generation ist so gefragt am Arbeitsmarkt.“ Am Ende des Tages aber können sowohl Mitglieder der Gen Z als auch der Generation Y darauf vertrauen, dass ihre Arbeitskraft am Markt gefragt ist. „Der Überhang an Arbeits- und Lehrstellen beginnt gerade erst, Fahrt aufzunehmen“, sagt Maas. Und bietet Millennials ein paar Chancen, verpasste Sparmöglichkeiten auszugleichen.

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