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Die beste Kate Winslet aller Zeiten

·Lesedauer: 4 Min.
Eine der großen schauspielerischen Leistungen des Jahres: Kate Winslet als Polizistin in der HBO-Miniserie "Mare of Easttown", die ab Freitag, 21. Mai, 20.15 Uhr, bei Sky in Doppelfolgen ausgestrahlt wird. (Bild: Home Box Office, Inc. All rights reserved.)
Eine der großen schauspielerischen Leistungen des Jahres: Kate Winslet als Polizistin in der HBO-Miniserie "Mare of Easttown", die ab Freitag, 21. Mai, 20.15 Uhr, bei Sky in Doppelfolgen ausgestrahlt wird. (Bild: Home Box Office, Inc. All rights reserved.)

Das Krimikunstwerk "Mare of Easttown" zeigt eine Kate Winslet, deren Rolle zum Besten zählt, was man an Schauspielkunst im Serienformat gesehen hat. Unter dem Deckmantel eines düsteren Kriminalfalls malt das HBO-Produkt ein atemberaubend facettenreiches Porträt-Update der amerikanischen Provinz.

Ein bisschen erschreckt es einen fast, dass es dieses Easttown, Pennsylvania, wirklich gibt. Ganz in der Nähe von Philadelphia liegt jener Flecken Suburbia-Erde, den Wikipedia mit gut 10.000 Einwohnern listet. Doch selbst, wenn Easttown nicht existieren würde, wäre es in den Köpfen jener verankert, die über sieben Teile und ebenso viele Stunden die Serie "Mare Of Easttown" verfolgen. In Deutschland läuft das HBO-Produkt ab Freitag, 21. Mai, immer freitags, um 20.15 Uhr, beim Sender Sky Atlantic in Doppelfolgen - und natürlich jederzeit danach auf Abruf.

Warum ist dieses Serien-Easttown so einprägsam? Nun, neben einer sensationell performenden Kate Winslet als geschiedene, dauerfrustrierte Polizistin spielt der Schauplatz des Nordic Noir-mäßigen US-Krimis eine gewichtige Rolle. Zwischen den Zeilen des sich viel Zeit lassenden Krimiplots um verschwundene oder tote Teenager-Mädchen geht es um Fragen, die auch jene Mehrheit der Zuschauer beschäftigen, die im Laufe ihres Lebens nicht zu Opfern eines Kapitalverbrechens werden. Erzählt wird von Lebensträumen und wie sie über die Jahre scheiterten oder sich in ihrer realen Ausprägung vielleicht sogar ganz okay anfühlen. Von Liebe, Ehe und Elternschaft. Von Freundschaft, Streit und Enttäuschung. Von frustrierten Teenager-Müttern und den Träumen alt gewordener Jugendheldinnen wie Kate Winslet, Entschuldigung - Mare.

Diese Mare, Mitte vierzig, geschieden und schon Großmutter, lebt in einer Art Mehrgenerationenhaus mit ihrer grantelnden Mutter (Jean Smart), der lesbischen Tochter (Angourie Rice) und einem vierjährigen Enkel zusammen, von dem zunächst mal nicht verraten werden soll, wo er herkommt.

Überhaupt sind die Verwandtschaftsverhältnisse in Easttown kompliziert. Irgendwie kennt hier nicht nur jeder jeden, sondern man hat auch zu vielen der Kleinstadtbewohner familiäre Bande. Eine schwierige, wenn nicht sogar heikle Gemengelage bei polizeilichen Ermittlungen - was nicht nur die dauerhaft mit bräsigem Gesicht herumlaufende, aber stoisch ihre Pflicht erfüllende Mare permanent mit den Augen rollen ließe - hätte sich diese Polizistin nicht eine stoische Maske der Auskunftsverweigerung aufgesetzt, die nur dann kurz bricht, wenn sie mal süchtig an ihrer E-Zigarette zieht, ein weiteres Bier öffnet oder stakkatohaft Junkfood in sich hineinstopft.

Ja, diese Mare ist eine Frustrierte - warum, das wird erst langsam im Verlauf der sorgsam gebauten Serienfolgen deutlich. Schnell klar ist hingegen, dass man dieser Frustrierten als Zuschauer an Gesicht und Lippen klebt. Nicht nur, weil ihre Übellaunigkeit einen gewissen Unterhaltungswert besitzt, sondern auch, weil Winslets Charakter geradezu atemberaubend facettenreich gespielt wird. Man glaubt in ihr einem echten Menschen zu begegnen - vielleicht das größte Kompliment, das man einem fiktionalen Charakter machen kann.

Auch Mare (Kate Winslet) darf sich ab und zu mal anlehnen, wenn dieses Bild auch in sieben Serien-Stunden eher Seltenheitswert aufweist. Doch ihre Bar-Bekanntschaft zum gescheiterten Schriftsteller Richard (Guy Pearce), der nach Easttown gekommen ist, weil er eine Stelle als Lehrer bekam, erweist sich als langlebiger, als gedacht. (Bild: Home Box Office, Inc. All rights reserved.)
Auch Mare (Kate Winslet) darf sich ab und zu mal anlehnen, wenn dieses Bild auch in sieben Serien-Stunden eher Seltenheitswert aufweist. Doch ihre Bar-Bekanntschaft zum gescheiterten Schriftsteller Richard (Guy Pearce), der nach Easttown gekommen ist, weil er eine Stelle als Lehrer bekam, erweist sich als langlebiger, als gedacht. (Bild: Home Box Office, Inc. All rights reserved.)

Ein Amerika abseits der großen Versprechungen

Ausschließlich Kate Winslet über den grünen Klee zu loben, würde der HBO-Perle "Mare of Easttown" allerdings immer noch nicht gerecht. Wie Winslet ist auch der Rest des zu Beginn leicht unübersichtlich groß wirkenden Kleinstadt-Ensembles von höchster Qualität. Drehbuchautor Brad Ingelsby, der bisher vor allem für kleinere Kinoproduktionen geschrieben hat, erschuf mit seinem Easttown-Kosmos ein so atemberaubend realistisches Szenario des amerikanischen Provinzlebens, dass man bisweilen staunend vor dem Bildschirm sitzt. Klischees gibt es hier nur in der ein oder anderen Krimiwendung - obwohl auch die ordentlich gebaut ist. Alle Zwischentöne, Dialoge und Figuren fühlen sich dafür maximal echt an. Fast so, als wäre man selbst gerade in diese unprätentiöse, manchmal kleinbürgerliche, manchmal etwas trashige Nachbarschaft gezogen.

Dass Brad Ingelsby, 41, selbst aus einer Nachbarbargemeinde von Easttown stammt, muss vielleicht gar nicht mehr erwähnt werden - und der Mann macht so etwas auch nicht zum ersten Mal. Viele seiner Filme spielen in einer Suburbia-Kleinstadt in Pennsylvania: "American Woman" (2018) mit Sienna Miller oder "Out of the Furnace" (2013) mit Christian Bale zum Beispiel. Dass Ingelsby mit seinem Talent für US-Gesellschaftsporträts der kleinen Leute zu den heiß gehandelten Autoren der letzten Jahre gehört, zeigt die Tatsache, dass wiederholt Stars wie Ben und Casey Affleck, Jason Segel oder Dakota Johnson in seinen Filmen Hauptrollen spielten.

Nun also Kate Winslet, deren Schritt zum Fernsehen - sie ist auch Mit-Produzentin - mit einer der besten Miniserien des Jahres 2021 belohnt wird. In den USA lief "Mare of Easttown" bereits ab Mitte April. Atmosphärisch wirken diese sieben, sehr fein fotografierten Stunden wie eine Rust Belt-Erzählung aus jenem Amerika der kleinen Leute, die sich gerade von den Donald Trump-Jahren und ihren falschen Versprechungen erholt. Es geht einem nicht gut, aber man atmet auch ein Stück weit auf, weil nun - nach der Trump-Demagogie - jene Menschen übrig geblieben sind, die man ohnehin ein Leben lang kannte: Verwandte, Freunde, die Nachbarschaft. Kurz. die echte Welt da draußen abseits der großen Versprechungen. Selten war diese Welt von der Ferne betrachtet greifbarer als in dieser Serie.

Ein junges Mädchen wird ermordet, ein weiteres ist seit einem Jahr verschwunden - die Teeanger-Tochter einer Freundin von Polizistin Mare (Kate Winslet). Das sind die Krimi-Koordinaten der HBO-Serie "Mare of Easttown", die jedoch viel mehr als nur Krimi ist. (Bild: Home Box Office, Inc. All rights reserved.)
Ein junges Mädchen wird ermordet, ein weiteres ist seit einem Jahr verschwunden - die Teeanger-Tochter einer Freundin von Polizistin Mare (Kate Winslet). Das sind die Krimi-Koordinaten der HBO-Serie "Mare of Easttown", die jedoch viel mehr als nur Krimi ist. (Bild: Home Box Office, Inc. All rights reserved.)
Erste Großmutterrolle für Kate Winslet: Zuhause kümmert sich vor allem "Oma" Mare um ihren vierjährigen Enkel. (Bild: Home Box Office, Inc. All rights reserved.)
Erste Großmutterrolle für Kate Winslet: Zuhause kümmert sich vor allem "Oma" Mare um ihren vierjährigen Enkel. (Bild: Home Box Office, Inc. All rights reserved.)