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Das beste aus beiden Welten? Nein, darum solltest du deine ETFs nicht aktiv auswählen lassen!

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Ein ETF-Ansatz kann sich eigentlich recht einfach zusammenfassen lassen: Investiere oder bespare regelmäßig. Sei marktbreit diversifiziert und gib deinen Investitionen Zeit. Und du wirst über Jahre und Jahrzehnte hinweg eine marktübliche Rendite einfahren können. Das kann deinen Vermögensaufbau bereits bedeutend ankurbeln.

Allerdings wollen selbst einige Passivinvestoren so manches Mal mehr. Wobei das Mehr vor allem an der Rendite aufgehängt wird. Mithilfe von mehr Expertise, beispielsweise Aktivfondsmanagern oder sogenannten intransparenten ETFs, kann das grundsätzlich auch möglich sein. Zumindest in der Theorie.

Schauen wir im Folgenden aber dennoch einmal, warum mal gerade als ETF-Investor seine Fonds nicht aktiv auswählen lassen sollte. Selbst wenn die Theorie noch so verlockend sein könnte.

Die Theorie der höheren Rendite

Es ist eigentlich relativ einfach gedacht: ETFs sind irgendwo doch immer bloß ein Kompromiss und wenn man es als Investor schaffen kann, die Schwachstellen der kostengünstigen Passivfonds auszuräumen, so wäre ein Mehr an Rendite doch möglich. Oder nicht? Vom Grundsatz her gar nicht mal verkehrt.

Gerade mithilfe von aktiven Fonds können so beispielsweise Fondsmanager immer die besten ETFs auswählen. Oder auch im Kontext eines intransparenten Passivfondsansatzes entweder die Allokation beeinflussen, die ein Index ausmacht. Oder aber generell die Aktien verheimlichen, in die investiert wird. Das Geheimnis soll dabei womöglich mehr Rendite versprechen. Wie gesagt, in der Theorie.

Ein aktives Zutun könnte somit die Trefferquote erhöhen. Gleichzeitig könnte die Fachkompetenz eines Fachmanns das Renditepotenzial erhöhen, was einem die höheren Gebühren durchaus wert sein kann. Aber mal im Ernst: Lohnt das wirklich? Und sollte man auf einen solchen Mix eingehen? Ich wäre da jedenfalls skeptisch, aus mehr als einem Grund.

Darum sollte man Vorsicht walten lassen

Zum einen wird man so beispielsweise erneut mehr Aufwand tätigen müssen. Wer sich auf den Weg der Aktivfonds einlässt, der sollte zumindest die jeweiligen Fondsmanager kennen oder kennenlernen und ihre Performance verstehen. Das führt unweigerlich zu mehr Arbeit. Und, Moment mal, wolltest du es nicht eigentlich einfach halten mit deinen ETFs?

Außerdem sollte man bedenken, dass ein solcher aktiver oder intransparenter Ansatz in jedem Fall mehr Gebühren kosten wird. Der Fondsmanager möchte schließlich entlohnt werden, und das egal bei welcher Performance. Die Gebühren müssen daher zunächst ebenfalls wieder hereingeholt werden. Ob das geschieht, bleibt allerdings fraglich, denn es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass ein Großteil der Aktivfondsmanager hinter ihren Vergleichsindizes zurückbleibt. Wobei es natürlich Ausnahmen gibt, aber die gilt es erst mühsam und mit Aufwand zu finden.

Viel wichtiger und vor allem inhaltlich spricht gegen einen solchen Ansatz außerdem, dass ETFs immer bloß irgendwo ein Kompromiss sein werden. Es werden gute Aktien gebündelt, schlechte und eine ganze Reihe derjenigen Kandidaten, die irgendwo im Mittelfeld liegen. Das alles führt unterm Strich jedoch zu einer marktüblichen Performance, die zumindest historisch gesehen bei einer Rendite im höheren einstelligen Prozentbereich gelegen hat.

Wer sich daher auf ETFs einlässt, der lässt sich auf einen Querschnittsgedanken ein. Da ist es eigentlich nicht notwendig oder hilfreich, wenn ein Aktivfondsmanager, egal ob transparent oder intransparent, deine Auswahl in irgendeiner Weise beeinflusst.

Halte es einfach, beispielsweise wie Warren Buffett

Mit einem kostengünstigen, breiten Indexfonds wird man daher langfristig wenig falsch machen können. Tatsächlich hat auch Starinvestor Warren Buffett erneut im Kontext seiner diesjährigen Hauptversammlung betont, dass ein kostengünstiger Indexfonds, beispielsweise auf einen US-Querschnitt wie den S&P 500, langfristig eine der besten Optionen ist. Warum daher den eigenen Ansatz verkomplizieren und mit teuren Gebühren vermeintlich aufwerten? Wenn es im Endeffekt bloß um einen Kompromiss aus Chance, Risiko und einer vertretbaren Rendite auf Sicht des breiten Marktes geht?

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