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Berliner Rufbus-Pionier: Der Berlkönig wird eingestellt

So sahen die Fahrzeuge des Berliner Sammeltaxen-Service Berlkönig aus. - Copyright: dpa
So sahen die Fahrzeuge des Berliner Sammeltaxen-Service Berlkönig aus. - Copyright: dpa

Zum Ende von Berlins wohl erfolgreichstem Mobilitätsprojekt der vergangenen Jahre geben sich die Betreiber noch einmal romantisch: „Der Berlkönig fährt in den Sonnenuntergang“, heißt es in einer E-Mail, die das Unternehmen am Dienstagnachmittag an Nutzer verschickte. Bei vielen Bewohnern der Hauptstadt dürften das Schreiben aber vor allem eines auslösen: Enttäuschung. Denn einfach und jederzeit per Smartphone eines der schwarzen Sammeltaxen buchen, noch dazu zu erheblich geringeren Kosten als für ein herkömmliches Taxi, das wird vorerst nicht mehr möglich sein. Bereits in der Nacht vom 20. auf den 21. Juli werde der Berlkönig-Dienst eingestellt, heißt es in der Mail weiter.

Damit verliert die Bundeshauptstadt eines der meistgenutzten Verkehrsangebote. Der Berlkönig war 2018 als Pilotprojekt der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) gestartet worden. Obwohl der Betrieb der Sammeltaxen zu großen Teilen in die Zeit der Corona-Pandemie fiel, sollen laut BVG bislang annähernd zwei Millionen Fahrgäste das Angebot genutzt haben. Die Besonderheit: Neben der Buchung per App errechneten Algorithmen die Fahrtrouten so, dass mit wenigen Umwegen möglichst viele Fahrgäste zusteigen können. Vor allem zu Abend- und Nachtzeiten war der Berlkönig beliebt.

Berlkönig hatte viele Kritiker

Doch es gab auch Kritik an dem Modell: So hieß es etwa, der Berlkönig gehe zulasten des ÖPNV. Die Berliner Taxi-Szene warf den Betreibern zudem vor, für den Verlust von 15 Prozent des Umsatzes verantwortlich zu sein. Konkrete Daten oder Belege für die Behauptungen konnten die Kritiker jedoch nicht erbringen. Dennoch schlug sich der Berliner Senat mit zwischenzeitlichen Gesetzesvorhaben auf die Seite der Taxifahrer. Der Weiterbetrieb des Berlkönig stand daher schon länger auf der Kippe. Auch, weil das Projekt jährlich Millionen verschlang.

Ein vorzeitiges Aus des Berlkönig schon im Jahr 2020 konnte nur durch mehrere Projektverlängerungen mit dem Fahrdienstbetreiber Via Van verhindert werden. Nun ist jedoch endgültig Schluss. Immerhin: Dauerhaft auf Rufbusse per App verzichten müssen Berliner wohl nicht. Die BVG will in diesem Jahr noch zwei neue Verkehrsangebote starten. Eines davon sei ein Rufbus, heißt es vom Unternehmen. Dieser soll im Berliner Osten rund um die Uhr fahren und Fahrgäste zu regulären Haltestellen bringen und sie dort abholen. Gebündelte Fahrten mit anderen Nutzern solle es ebenfalls geben.

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